Die Polizei im Landkreis Karlsruhe kämpft weiter gegen den Enkeltrick
Hemmschwellen senken und für das Thema sensibilisieren

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Region. Wie kommt es, dass trotz intensiver polizeilicher Präventions- und Aufklärungsarbeit und quasi permanenter Medienpräsenz immer wieder Menschen auf Betrugsmaschen wie den Enkeltrick oder den "falschen Polizisten" hereinfallen? - das fragt man sich auch im Polizeipräsidium Karlsruhe. Dort versucht man trotz aller Probleme intensiv zu ermitteln und gegen diese Form der Kriminalität vorzugehen.

Ob Enkel, Sohn oder falscher Handwerker - die Gefahr ist immer noch akut

Nach wie vor seien besonders ältere Menschen gefährdet - egal ob falsche Verwandtschaft, falscher Polizeibeamter oder falscher Handwerker. "Die Kriminellen kaufen im Internet billig Adressen auf. Und rufen dann organisiert hundertfach in einer Stadt oder in einem Stadtteil an. Selbst wenn nur ein geringer Prozentsatz darauf hereinfällt, lohnt sich die Masche", sagt Hans Matheis, Karlsruher Polizeipräsident. Aus psychologischer Sicht besonders schwerwiegend: Das Verbrechen findet im eigenen Zuhause statt, man ist dem Kriminellen schutzlos ausgeliefert, Zeugen gibt es dort nicht und meist auch niemanden der einschreitet und hilft. 
Aber warum fallen Menschen immer noch auf diese Tricks und Betrugsmaschen herein? Auch auf diese Frage haben die Psychologen, mit denen sich die Polizei regelmäßig austauscht, eine Antwort: Auch wenn Menschen von dieser Betrugsmasche hören, denken sie am Telefon oft nicht an die Warnungen. "Das kann mir doch nicht passieren" sei ein häufig auftretender Denkfehler, sagt Polizeipräsidentin Caren Denner. "Man denkt schlicht nicht mehr an das, was man vorher gehört oder gelesen hat. Die meisten Menschen sind einfach nicht so misstrauisch."

Polizeipräsidentin Caren Denner
  • Polizeipräsidentin Caren Denner
  • Foto: Heike Schwitalla
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Außerdem seien die Anrufer oft äußerst eloquent und vehement. Sie schüchtern die Senioren bewusst ein und lassen sie nicht mehr zu Wort kommen. "Die setzen diese alten Menschen massiv unter Druck, drohen oder appellieren an das schlechte Gewissen. Die Anrufe können so lang und die Geschichten so verwirrend sein, dass die Menschen am Ende einlenken, nur um ihre Ruhe zu haben. Ans Auflegen denken sie da schon lange nicht mehr."

Banden agieren aus Callcentern im Ausland

Es handle sich bei den Tätern um gut organisierte Banden, die meist aus Callcentern im Ausland agieren. "Man darf sich nichts vormachen", sagt Matheis, "die Anrufer und Abholer sind nur Helfershelfer, die das häufig für einen relativ kleinen Geldbetrag machen. Aber nur durch sie haben wir die Chance, an die Hintermänner heran zu kommen." Deshalb sei es besonders wichtig, so Matheis, dass jeder Vorfall, jeder Anruf, jeder Betrugsversuch gemeldet wird, auch von jenen, die nicht darauf hereinfallen. "Wir kooperieren bei unseren Ermittlungen auch mit Kollegen im Ausland, daher ist es wichtig, dass wir schnell Bescheid wissen und anrufe zeitnah verfolgen können", so der stellvertretender Leiter der Polizeidienststelle Karlsruhe.

Hans Matheis, Polizeipräsidium Karlsruhe
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Allerdings sei besonders bei Opfern, die auf eine der Masche hereingefallen sind, oft die Hemmschwelle die Polizei zu kontaktieren und Anzeige zu erstatten, besonders hoch. "Wir wissen, es gibt eine hohe Dunkelziffer, Menschen, die niemandem erzählen, was ihnen passiert ist, weder der Polizei noch ihren Angehörigen", weiß der Polizeibeamte aus jahrelanger Erfahrung. Die psychologischen Schäden sind jedoch gravierend: Angststörungen sind bei den Opfern an der Tagesordnung, manchen gehen gar nicht mehr ans Telefon, isolieren sich komplett von ihrem Umfeld. 
Dass das nicht passiert und dass die Kriminellen immer weniger Opfer finden, ist das Hauptziel der Polizei. Prävention bei den Senioren selbst, aber auch bei Angehörigen, Nachbarn, Pflegepersonal sei an der Tagesordnung. Geschult werden auch Bankmitarbeiter, sie sind oft das letzte "Hindernis" das zwischen dem Geld und den Kriminellen steht. "Sie können im Verdachtsfall ein großes Verbrechen verhindern", sagt Hans Matheis. "Wir müssen da weiter sensibilisieren und dafür sorgen, dass etwa das Bankgeheimnis das Personal davon abhält im Zweifel nachzufragen."
Auch Taxifahrer sind mit im Boot - denn oft fahren die Senioren mit dem Taxi zur Bank, lassen den Fahrer warten und fahren dann wieder zurück. "Passiert das, sollte ein Fahrer misstrauisch werden und nachfragen", hofft Matheis. "Generell ist es immer besser nachzufragen und darüber zu reden. Je mehr desto besser. Nur so erfährt am Ende jeder, was es mit diesen Anrufen auf sich hat und nur so kann man die Schäden eindämmen."

Mit einer Anzeige andere schützen

Ist das Geld erst übergeben, gibt es fast keine Chance, es zurückzubekommen, dann kann nur noch nach den Tätern und Hintermännern gesucht werden - im Zweifelsfall schütze man mit einer Anzeige aber immer noch andere potenzielle Opfer, so Matheis.
Allerdings ist er sich auch sicher: Funktioniert der Enkeltrick nicht mehr, finden die Kriminellen eine neue Masche. So sei es vor einigen Jahren mit den so genannten "Schockanrufen" gewesen - das habe irgendwann nicht mehr gefruchtet, dann sei man zum Enkeltrick übergegangen. "Die Kriminellen sind sehr ideenreich und der Polizei am Anfang zumindest auch immer einen Schritt voraus."

Autor:

Heike Schwitalla aus Karlsruhe

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