Kommentar
Liebe Leserinnen, liebe Leser

Weinbeschreibungen haben es bekanntlich in sich. Je filigraner die Aromen im Glas daherkommen, desto bizarrer werden ihre Bezeichnungen. Sicher ist es hilfreich, wenn vom durchaus nachvollziehbaren Pfirsichduft die Rede ist, von Waldfrüchten und Kirschen, von Vanille, Ananas oder Pfeffer. Aber wer in aller Welt hat schon mal Litschis erschnüffelt, erkennt das „Gurkige“ oder kann zweifelsfrei den Geruch einer Zeder identifizieren...!? Interessant wird`s aber auch, wenn einem Wein ein Teer-Aroma bescheinigt wird! Na denn mal Prost! Und als wäre das alles noch nicht genug, versteigt man sich gar oft in den Poetenhimmel. So soll etwa ein exklusiver Roter ernsthaft an eine „ledergetäfelte Holztür in einem Rauchersalon“ erinnern – direkt gefolgt von einer Cuvée, die an ein „prasselndes Holzfeuer am Sandstrand“ gemahnt...! Eigentlich wollte man ja einfach nur ein Gläschen Wein genießen und nicht gleich einen Urlaub dazu buchen! Das Motto, einen Rebensaft zwanghaft originell beschreiben zu müssen, bewirkt zumindest bei mir das Gegenteil von Neugier: Wer derart verbal auftrumpft, hat was zu verbergen! So was kommt bei mir nicht durch die Kehle. Da lobe ich mir doch den schnörkellosen Eintrag auf einer Getränkekarte: „Weinig“ stand da unter dem Riesling kurz und knapp. Und wissen Sie was? Er hat prima geschmeckt! Kein Teer, keine Litschis, kein Holzfeuer...

… erinnert sich Ihr Udo Barth

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