Gummibänder auf Feldern: Warum sie für Jungstörche tödlich enden können
- Das Storchenjunge "Wolkenkratzer" hat den Sturz aus dem Nest glücklicherweise und wie durch ein Wunder überlebt
- Foto: Haag/gratis
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Vorderpfalz. Was auf dem Acker wie ein harmloser Rest aus der Ernte wirkt, wird für Störche und andere Vögel zur tödlichen Falle. Auf Feldern in der Region landen massenweise Gummibänder und anderer Müll, der laut Kreisverwaltung illegal entsorgt wird.
Besonders dramatisch ist die Gefahr für Jungvögel. Elterntiere verfüttern die unverdaulichen Gummiringe oder Plastikabfälle, weil sie sie für Insekten oder Würmer halten. Die Folge kann qualvoll sein: Ein junger Vogel verhungert mit vollem Magen, weil kein Platz mehr für Nahrung bleibt.
Wenn Ernte-Reste zum Umweltproblem werden
Wie die bei der Kreisverwaltung angesiedelte Untere Abfallbehörde mitteilt, häufen sich solche Fälle immer wieder, vor allem wenn auf den Feldern in der Vorderpfalz Frühlingszwiebeln oder Radieschen geerntet werden. Das Gemüse wird mit Gummibändern gebündelt, viele dieser Ringe bleiben anschließend auf dem Acker liegen, obwohl sie zwingend eingesammelt werden müssten.
Verschärft werde die Lage dadurch, dass Landwirte unverkaufte Ware von Supermarktketten zurücknehmen müssen. Diese „Reste“ landeten teils mitsamt Gummibändern als Dünger auf dem Feld, obwohl klar sei, dass solche Abfälle weder verteilt noch in den Boden eingearbeitet werden dürfen.
Für ausgewachsene Störche gibt es zumindest eine Chance: Sie können Gummibänder wieder auswürgen. Jungtiere können das nicht und verenden. Zudem finden sich immer wieder Plastikabfälle in Storchennestern. Jungtiere können sich in Schnüren, Netzteilen oder Bändern verheddern und dabei teils tödliche Verletzungen erleiden. Folienstücke können außerdem Staunässe oder ein stark verändertes Mikroklima im Nest verursachen und damit ebenfalls zur Gefahr werden.
Die Behörde warnt auch vor Folgen für Menschen. Nicht abbaubare Kunststoffe wie Folien, Handschuhe, Bänder oder Bindeschläuche, die auf Feldern und in Weinbergen liegen bleiben, gelangen in den Boden und in Wasserkreisläufe. Am Ende kann daraus Mikroplastik werden, das in Lebensmitteln und damit im menschlichen Körper landet.
Die Untere Abfallbehörde geht nach eigenen Angaben weiterhin rigoros gegen illegale Ablagerungen vor. Im vergangenen Jahr wurden Verfügungen erlassen, damit Verursacher Felder von Gummiringen und Abfällen aufsammeln müssen. Den Verursachern können Bußgelder von bis zu 100.000 Euro drohen.
Auch Spaziergänger können helfen, den Müll aus der Landschaft zu bekommen. Wer Gummibänder am Weg findet, kann sie einstecken und zu Hause entsorgen. Wichtig sei außerdem, Gummiringe nicht im heimischen Kompost oder im Biomüll zu entsorgen. Das gelte ebenso für jede Art von Plastikabfällen.
Autor:Reiner Bohlander aus Frankenthal |