Eine psychologische Horrorgeschichte
Er wusste nicht warum

Foto: Das Bild wurde mit einer KI (Google Gimini AI) erstellt und ist nicht aus einem urheberrechtlich geschützten Werk abgeleitet. Es ist ein freies nutzbares Bild passend zu meiner Geschichte.
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  • hochgeladen von Michael (Gecko) Mahler

Teaser:
Elias findet sich nach einem alltäglichen Arbeitstag in einer absoluten, physischen Finsternis wieder, aus der es kein Entkommen gibt. In diesem Psychologischen Horror verschmilzt Elias schließlich unaufhaltsam mit der Dunkelheit, die ihn umgibt.

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Lesezeit zirka 11 Minuten

Er wusste nicht warum

Kapitel 1
Das monotone Summen der Fabrikhalle saß noch immer in Elias’ Ohren, als er den Zündschlüssel seines Wagens drehte. Der Motor sprang an, ein vertrautes, unaufgeregtes Arbeiten der Zylinder, das er kaum noch wahrnahm. Sein Körper fühlte sich bleiern an, die Glieder schwer wie aus Beton gegossen. Draußen herrschte eine klamme, frühe Stunde, in der die Welt in einer starren Regungslosigkeit verharrte.
Die Heimfahrt war ein bloßer Reflex. Elias lenkte den Wagen durch die vertrauten Straßen, vorbei an den dunklen Häuserzeilen und den ausgeschalteten Ampeln. Er brauchte nicht nachzudenken; sein Körper kannte den Weg, jeden Bordstein, jede Kurve. Das Radio war aus. Er wollte nur noch Stille. In seinem Kopf formte sich das Bild seines Schlafzimmers, die Kühle der Bettwäsche, das sanfte Herabgleiten in den Schlaf, der ihn nach jeder Schicht wie ein Ertrinkender empfing.
Er parkte vor seinem Haus. Er stieg aus, schloss die Fahrertür – das vertraute, dumpfe Einrasten des Schlosses klang in der nächtlichen Leere wie ein trockener Schlag – und ging die drei Stufen zum Eingang hinauf. Er steckte den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn, trat über die Schwelle und schloss hinter sich ab. Er war zu Hause.
Er nahm die Schuhe ab, spürte das kühle Parkett unter seinen Socken. Er ging in die Küche, trank einen letzten Schluck Wasser aus dem Glas, das dort noch vom Vortag stand. Seine Bewegungen waren mechanisch, ohne jeden Gedanken an das, was kommen sollte. Er war ein Mann, dessen Existenz aus einer Abfolge von wohlgeordneten Mustern bestand. Er legte seine Schlüssel auf die Ablage, so wie er es immer tat. Er atmete tief ein, spürte, wie seine Lungen sich mit der abgestandenen Luft des Hauses füllten, und ging in Richtung Schlafzimmer.
Ein Schritt. Noch einer. Die Dunkelheit im Flur war dick und undurchdringlich, aber er brauchte kein Licht. Er kannte jeden Zentimeter dieses Hauses. Elias legte die Hand an den Türrahmen, ein gewohnheitsmäßiges Tasten, um sich zu orientieren.
Doch der Türrahmen war nicht da.
Sein Arm glitt ins Leere, nicht in die erwartete Schwärze des Flurs, sondern in eine Kälte, die seine Haut augenblicklich erschauern ließ. Er blieb stehen, sein Herz setzte einen Schlag aus. Es war keine Leere. Es war eine Abwesenheit von allem, was ihm vertraut war. Der Boden unter seinen Füßen war kein Parkett mehr; es war rauer, unebener Stein, der sich unter seinen Socken feucht und fremd anfühlte.
Ein Geruch stieg ihm in die Nase – alt, modrig, nach feuchter Erde und stehendem Wasser. Elias blinzelte, versuchte die Dunkelheit zu durchdringen, die sich nun wie ein schwerer Vorhang um ihn gelegt hatte. Er drehte sich um, wollte zurücktreten, zurück zur Haustür, zurück in die Sicherheit der Ordnung. Doch sein Fuß stieß gegen eine Wand aus kaltem, unnachgiebigem Stein.
Er riss die Augen weit auf, doch es gab kein Licht. Nichts. Nicht der matte Schein der Straßenbeleuchtung, nicht das schwache Glimmen einer Uhranzeige. Nur eine absolute, bedrückende Finsternis.
Er hob die Hände und tastete vor sich. Stein. Kalt, feucht und unendlich alt. Er schob seine Handflächen nach oben, nach links, nach rechts. Er fand keinen Winkel, keinen Übergang, keine Tür. Sein Atem begann unregelmäßig zu werden, kleine, stoßweise Laute in der drückenden Stille des Raumes. Elias war nicht mehr in seinem Haus. Er war nicht mehr in seinem Leben.
Er öffnete den Mund, um einen Namen zu rufen, doch kein Ton drang über seine Lippen. Da war niemand, den er rufen konnte. Da war nur das Gewölbe, das ihn umschloss wie ein Grab, das noch auf seinen Bewohner wartete. Er wusste nicht, wie er hierher gekommen war. Er wusste nicht, wo er war. Er wusste nur, dass die Normalität, die er noch vor Augenblicken gespürt hatte, mit einem einzigen, lautlosen Schnitt aus seiner Existenz herausgelöst worden war.
Er ließ sich langsam an der steinernen Wand nach unten sinken, bis er auf dem harten Boden saß. Die Kälte des Steins kroch in seinen Körper, ein schleichender Prozess, der sein Blut gefrieren ließ. Er saß da, im absoluten Nichts, und wartete auf ein Geräusch, ein Licht, einen Grund – doch die Stille war absolut. Er war hier. Und er hatte keine Ahnung, warum.

Kapitel 2
Elias wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war. Minuten konnten Stunden sein, Stunden Tage. Hier gab es keine Zyklen, kein Kommen und Gehen des Lichts, keinen Rhythmus, an dem er sich hätte festhalten können. Die absolute Dunkelheit hatte jeden Orientierungssinn ausgelöscht.
Er hatte versucht, sich zu bewegen. Erst war er auf allen Vieren gekrochen, hatte die Finger in den feuchten Boden gegraben, in der Hoffnung, auf eine Schwelle, eine Kante oder einen Übergang zu stoßen. Doch egal, wohin er sich wandte, er stieß immer wieder auf dieselbe Art von Stein. Es war ein geschlossener Raum, ohne Anfang und ohne Ende. Eine Zelle, die so groß war, dass er die Wände nicht mit einem Mal umschreiten konnte, und doch so klein, dass sie ihn erstickte.
Sein Hunger war einem brennenden Durst gewichen, der seinen Hals wie mit Schmirgelpapier auskleidete. Mit jedem Atemzug schien die Luft in dem Raum dünner, schwerer zu werden, durchsetzt mit dem beißenden Geruch von Feuchtigkeit und Verfall. Elias versuchte, sich zu erinnern – an die Arbeit, an die Fahrt, an den Moment, in dem er die Hand nach dem Türrahmen ausgestreckt hatte. Aber das Bild seines Hauses verschwamm. Es wirkte nun wie ein Traum, den jemand anders geträumt hatte, nicht er.
Er lehnte den Kopf gegen den kalten Stein. Das Gestein fühlte sich nicht nur kalt an, es schien die Wärme aktiv aus seinem Körper zu ziehen. Seine Muskeln begannen zu zittern, erst kaum spürbar, dann in heftigen Stößen, die seinen gesamten Körper durchschüttelten.
Er tastete wieder an der Wand entlang. Seine Fingerkuppen waren wund, die Haut an einigen Stellen bereits aufgerissen. Er fand eine Unebenheit im Stein, eine schmale, fast vertikale Rille. Er verharrte. Mit zitternden Fingern folgte er der Linie nach oben. Sie war tief, in das harte Gestein eingearbeitet. Dann fand er daneben eine zweite Rille. Und eine dritte.
Elias zog die Hand zurück, als hätte er sich verbrannt. Er hielt inne und lauschte. Die Stille war so absolut, dass er das eigene Rauschen seines Blutes in den Ohren hören konnte. Es gab kein Echo, kein fernes Tropfen, kein Geräusch, das auf eine Außenwelt hindeutete. Er war allein. Aber die Rillen im Stein sagten etwas anderes. Jemand war vor ihm hier gewesen. Jemand, der genauso wie er versucht hatte, die Zeit zu zählen, bevor die Dunkelheit ihn verschlang.
Er drückte seinen Fingernagel in den Stein neben die letzte Rille. Er drückte so fest er konnte, bis unter seinem Nagel ein stechender Schmerz aufflammte. Er wollte nicht, dass dies sein Ende war. Er wollte nicht einfach aufhören zu existieren, ohne eine Spur zu hinterlassen. Er begann, den Stein zu bearbeiten, kratzte, drückte, versuchte, die harten Kanten des Gesteins nachzugeben. Es war ein Kampf gegen die Unendlichkeit.
Er saß in der Dunkelheit und sein Atem ging in stoßweisen, keuchenden Zügen. Er war ein Teil der Wand geworden, genau wie die, die vor ihm da gewesen waren. Er wusste nicht, wie viele Tage vergangen waren. Er wusste nicht, wie viele noch vor ihm lagen. Er wusste nur, dass er anfangen musste zu zählen. Er wusste nicht warum, aber er musste es tun.

Kapitel 3
Seine Fingernägel waren längst bis auf das Fleisch heruntergebrochen. Die Rillen, die Elias mit seinen Fingernägeln in den Stein geritzt hatte, waren kein Zeichen von Hoffnung mehr, sondern eine blutige Chronik seines Verfalls. Der stechende Schmerz in seinen Händen war das Einzige, was ihm bewies, dass er noch lebte, eine grausame Erinnerung daran, dass sein Körper langsam aufgab.
Die Dunkelheit war eine physische Präsenz, eine dichte Schicht, die ihn einhüllte und langsam in das Gewölbe drückte. Seine Wahrnehmung der Zeit war zerfallen. Es gab keine Erinnerung an das Leben außerhalb mehr. Sein Geist klammerte sich an die harten Konturen der Wand, an das kalte Gestein, das er mittlerweile besser kannte als sein eigenes Gesicht.
Elias spürte eine Veränderung. Die Kälte, die ihm bisher in den Knochen gesessen hatte, begann zu weichen, oder vielleicht hatte sein Körper einfach aufgehört, dagegen anzukämpfen. Er spürte, wie seine Haut mit der rauen Oberfläche des Steins verschmolz. Jede Bewegung kostete ihn eine unvorstellbare Kraft, und doch wusste er, dass er nicht aufhören durfte. Er musste zählen, jede Stunde, jeden Moment, den er noch bei sich war.
Er tastete ein letztes Mal an der Wand entlang. Seine Fingerspitzen fuhren über eine unendliche Abfolge von Rillen, die sich über den Stein zogen, so dicht, dass sie an vielen Stellen ineinander übergingen. Er konnte nicht sagen, wer sie dort hinterlassen hatte oder wie viel Zeit vergangen war, seit die ersten in den Fels geritzt worden waren. Es war einfach eine Spur, ein blindes Zeugnis, dass andere vor ihm versucht hatten, sich gegen das Vergessen zu wehren. Er begriff nun, dass er nie dazu bestimmt war, einen Ausgang zu finden. Das Gewölbe war kein Ort, an den man gebracht wurde; es war der Ort, an dem alles endete.
Er holte ein letztes Mal tief Luft, doch sie schmeckte nur noch nach altem Staub und dem Geruch von zerfallendem Gestein. Mit einer letzten, quälenden Anstrengung hob er die Hand, um eine weitere Rille in den Stein zu ritzen – ein Fragment, das die Reihe fortsetzte, ein winziges Zeichen seiner Anwesenheit in einer unermesslichen Kette von Spuren.
Seine Hand sank herab, kraftlos, und blieb in der rauen Oberfläche liegen. Elias spürte, wie der Stein unter ihm weich wurde, wie er selbst in das Gewölbe überging. Die Stille, die ihn umgab, war keine Abwesenheit von Geräuschen mehr. Sie war eine Antwort. Er schloss die Augen und ergab sich der Dunkelheit. Er wusste nicht, wie er hierhergekommen war, und er wusste nicht, ob es jemals einen Ausweg gegeben hätte. Er wusste nur, dass es jetzt keine Bedeutung mehr hatte. Er wusste nicht warum.

Ende



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Autor:

Michael (Gecko) Mahler aus Wörth am Rhein

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