Kulinarische Kindheit und Engagement für Natur und Gemeinde

Die Pfarrersfrau mit "Himmel und Erde"  | Foto: Hannelore Schäfer

Edingen. „Himmel und Erde“ war früher ein beliebtes Gericht, das mit einfachsten Zutaten zubereitet wird. "Seinen Namen erhielt es durch seine Hauptzutaten, den Kartoffeln, die auch als Erdäpfel bezeichnet werden und den Äpfeln, die an den Bäumen hängen und in den Himmel wachsen“, weiß Katharina Kreissig um den Ursprung. Von der Namensgebung her passt das einstige „Arme-Leute-Essen“ auch ein wenig zum Beruf ihrer Mannes, dem Edinger Pfarrer Bernd Kreissig. Gerade jetzt in der Winterzeit bietet es sich an, den rustikalen Küchen-Klassiker mal wieder auf den Teller zu bringen.

„Keine Sorge, es handelt sich bei „Himmel und Erde“ keineswegs um ein Rezept von biblischem Ausmaß, ganz im Gegenteil, es ist ohne großen Aufwand rasch zuzubereiten“, bemerkt die Pfarrersfrau und studierte Meeresbiologin. Für die gebürtige Westfälin ist das herzhalte Gericht kulinarischer Teil der Kindheit. „Die Zutaten waren immer vorhanden und der Klassiker kam ein- bis zweimal im Monat bei uns auf den Tisch“, erinnert sie sich. Die gekochten Kartoffeln und Äpfel seien von ihrer Mutter mit einem Stampfer vereint und das Ganze mit gerösteten Zwiebeln und der traditionellen Blutwurst serviert worden. Letzterer konnte die kleine Katharina so gar nichts abgewinnen, dafür der Dackel unter dem Tisch umso mehr. „Er hat die Wurst „im Flug“ aufgeschnappt und anschließend verputzt“, erzählt sie. Ihr jüngerer Bruder habe das geheime Manöver zwar beobachtet, aber sie nie verpetzt. Mit der Zeit sei ihrer Mutter aber doch aufgefallen, dass aus der Blutwurst eine „Flugwurst“ wurde und so blieb sie davon verschont. Dem Apfel-Kartoffel-Stampf ist sie allerdings bis heute treu geblieben. „Die Blutwurst meiner Kindheit als Beilage ist zwischenzeitlich passé, mir schmecken geröstete Zwiebelscheiben samt knusprig gebratenen Schinkenwürfeln sowie Schinkenspeck-Scheiben oder auch mal eine Bratwurst dazu“, und sie ergänzt: „Mein Mann isst den Apfel-Kartoffelstampf auch gerne vegetarisch.“ Und eine Zutat kommt gleich naturnah aus dem Garten in Ladenburg „Wir haben dort unter anderem einen Apfelbaum der Sorte Boskop stehen, die Äpfel eignen sich ideal zu Kochen und Lagern", weiß die Pfarrersfrau.

Nachhaltigkeit ist ihr auch in anderen Dingen wichtig – im Kleinen wie im Großen. Sei es mit Anpflanzungen im Edinger Kirchgarten im Hinblick auf die Insekten oder bei Studienreisen und Vorträgen über die Auswirkungen des Klimawandels und dem Überfischen der Meere. Letzteres bringt ihr Beruf als Meeresbiologin so mit sich: „Nach meinem Studienabschluss in Kiel als Diplom-Meeresbiologin arbeitete ich zunächst im Labor und landete dann beim Heidelberger Wissenschaftsverlag Springer in der Abteilung für naturwissenschaftliche Weiterbildung.“ In Heidelberg hat sie dann auch ihr Herz verloren. „Bernd arbeitete damals in Mannheim ebenfalls im Verlagswesen, wir kamen in Kontakt und so lernte ich nicht nur das romantische Heidelberg, sondern bei der Gelegenheit auch meinen späteren Ehemann kennen“, erzählt Katharina Kreissig. Nachdem ihr Mann als Spätberufener vor sechs Jahren eine Pfarrstelle in Edingen antrat,  konvertierte die Katholikin zum evangelischen Glauben und engagiert sich seither in der Kirchengemeinde „als Mädchen für alles“, wie sie scherzend formuliert.

Rezept

Zutaten für 2 Personen:
400 Gramm Kartoffeln, 400 Gramm Äpfel, eine mittelgroße Zwiebel, 100 Gramm Speckwürfel oder Speckstreifen, etwas Salz und Butter.

Zubereitung:
Kartoffeln, Zwiebel und Äpfel schälen. Von den entkernten Äpfeln vier  Apfelringe als Deko abschneiden. Kartoffeln und restliche Äpfel in Stücke und die Zwiebel in Scheiben schneiden. Speckwürfel in der Pfanne langsam anrösten, danach Zwiebelringe hinzufügen und beides bräunen. Bratgut herausnehmen, im verbliebenen Fett die vier Apfelscheiben anbraten und alles zusammen warmstellen. Zwischenzeitlich Kartoffelstücke in kochendem Wasser mit etwas Salz garen. Nach einigen Minuten die Apfelstückchen dazugeben, weiterköcheln lassen, bis beides so weich ist, dass es sich mit einer Gabel zerdrücken lässt. Restliches Wasser abgießen und die Kartoffel-Apfel-Mischung per Hand mit einem Stampfer (kein Pürierstab oder Handmixer verwenden) zu einer groben Masse verarbeiten, nach Geschmack salzen und mit etwas Butter verfeinern. Auf Tellern anrichten, Zwiebel, Speck und die gebräunten Apfelscheiben dazu geben und sofort heiß servieren. ha

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Autor:

Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen

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