Präsident der Karnevalskommission
„Vor dem Zug ist nach dem Zug“

Thomas Dörner.  foto: seezer

Mannheim. Es ist der 67. gemeinsame Umzug von Mannheim und Ludwigshafen, der sich am kommenden Fasnachtssonntag, 3. März, ab 14 Uhr durch die Mannheimer Innenstadt bewegen wird. Und wenn der Lindwurm „Hiwwe is“, also in der Quadratestadt, dann geht das eben nur mit einer nahezu perfekten Vorbereitung.

Die Planungen dafür beginnen für die Karnevalskommission Mannheim (KKM) bereits mit dem Ende der Fasnacht des Vorjahres. Über den Fasnachtsumzug, den Aufwand und die Kosten sprach Wochenblatt-Redakteur Peter Engelhardt mit Thomas Dörner, seines Zeichen seit fünf Jahren Präsident des KKM und ehemaliger Prinz der Stadt Mannheim im Jahre 2002.
???: Wann beginnen die Planungen der KKM für den Fasnachtsumzug?
Thomas Dörner: Für meine Vizepräsidentin Sabine Kowalski und meinen Vizepräsidenten Frank Just sowie das ganze Orga-Team ist das Motto „nach dem Zug ist vor dem Zug.“ Wenn der Umzug in Ludwigshafen stattfindet, dann arbeiten wir nur zu, wird in Mannheim „geloffe“, dann haben wir den Hut auf. Es gibt soviel Dinge und Vorschriften zu beachten, die ganze Planung ist eine logistische Meisterleistung.
???: Auf was muss am meisten Rücksicht genommen werden? Welches sind die wichtigsten Maßnahmen?
Dörner: Ganz wichtig ist ein enger und guter Kontakt zu den städtischen Behörden. Hier ist der Fachbereich 31 wirklich zu loben. Mit diesen Leuten kann man sehr gut zusammenarbeiten.
???: Welchen Einfluss nehmen die Fasnachtsvereine? Da gilt es sicherlich auch sensibel zu Werke zu gehen?
Dörner: Fakt ist, ohne Fasnachtsvereine gäbe es keinen Umzug. Und für diese bedeutet so ein Ereignis einen hohen finanzieller Aufwand. Zudem gilt es inzwischen jede Menge strenger Regularien und Vorschriften zu beachten. Früher hat man auch mal die „berühmten Fünfe“ gerade sein lassen, aber in Zeiten von Terrorismusgefahr und Love Parade wird auf eine strenge Gesetzesauslegung geachtet. Das macht die Sache nicht einfacher für die Vereine. Den goldenen Mittelweg zu finden ist oftmals das große Problem.
???: Wer bestimmt die Reihenfolge des Lindwurms?
Dörner: Das bestimmt die Karnevalskommission nach Eingang der Meldungen. Natürlich versuchen wir den jeweiligen Wünschen weitestgehend gerecht zu werden. Der Zug ist ja bekanntermaßen in drei Teile geordnet. Die Zugnummern eins bis zwanzig sind Mannheimer Wagen und andere, 21 bis ca. 60 gehört Ludwigshafen und dann kommt wieder Mannheim. Der Prinzenwagen ist immer eingebettet zwischen dem Wagen des prinzessinenstellenden Vereins und des Feuerio und immer auch im zweiten Teil des Umzugs.
???: Was kostet es denn, einen Wagen entsprechen aufwändig zu präsentieren?
Dörner: Fasnachtsvereine haben ja keine eigenen Wagen. Das lohnt sich nicht, die würden ja die restliche Zeit des Jahres nur rumstehen. Man braucht immer ein Zugmaschine und einen Auflieger für den Motivwagen. Das Geld muss innerhalb des Vereins erwirtschaftet werden, zum Beispiel durch die Garde. So ein Wagen kostet zwischen 3000 und 5000 Euro. Dazu kommt: so einen Wagen kann nicht jeder fahren. Da brauchst du professionelle Fahrer. Wenn er sonntags den Umzugswagen fährt braucht er eine gesetzliche Ruhezeit und ist damit montags für seinen Arbeitgeber nicht einsetzbar.
???: Und wie viel Zeit braucht man dafür?
Dörner: Man muss froh sein, dass wir so was überhaupt auf die Beine stellen können. Das Ehrenamt ist nicht mehr so populär. War man früher in einem Verein, dann war man ein eben lang dabei. Heute gibt es soviel Freizeitmöglichkeiten und die Jugend will ihre Freizeit selbst gestalten. Um einen schönen Wagen zu präsentieren braucht man sechs bis acht Wochen. Für echte Motivwagen braucht Manpower, Zeit und Geld. Wir sind eben nicht Köln, Mainz oder Düsseldorf. Dort hat die Fasnacht einen ganz anderen Stellenwert. Wir sollten mit dem zufrieden sein was wir haben. Das ist wirklich gut.
???: Wie sieht es denn aus mit dem Nachwuchs?
Dörner: Ein sehr schwieriges Thema: Man muss Interesse dafür haben, man muss es mal erlebt haben. Nachwuchsprobleme ist kein fasnachtliches Problem sondern ein gesamt-gesellschaftliches. Das Freizeitverhalten hat sich verändert. Die KKM hat dennoch eine gute Mischung.

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Autor:

Peter Engelhardt aus Mannheim

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