Sensations Erfolg für Drachenlord Song
Platz 2 in den deutschen Charts für Rainer Winkler

DJ Feuerapfel hat mit seinem Drachenlord Song "Schanzen Fest" einen Sensationshit in den deutschen Charts gelandet. Und das mit einem Hardstyle Song. | Foto: DJ Feuerapfel/Niklas Steiner
  • DJ Feuerapfel hat mit seinem Drachenlord Song "Schanzen Fest" einen Sensationshit in den deutschen Charts gelandet. Und das mit einem Hardstyle Song.
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Was gerade rund um DJ Feuerapfel, einen gebürtigen Hamburger, passiert, fühlt sich fast unwirklich an. Ein Künstler, der jahrelang eher im Verborgenen gearbeitet hat, der seine Sets auf alten Burgen in Österreich gespielt und mit Feuer, Nebel und harten Beats seine eigene kleine Welt erschaffen hat, steht plötzlich mitten im Rampenlicht.

Mit seinem Drachenlord Song „Schanzen Fest“ hat er etwas geschafft, womit wohl selbst er nicht gerechnet hätte. Platz 2 in den wichtigsten deutschen Hörercharts „Die Hörercharts“. Für einen Hardstyle Track ist das nicht einfach nur ein Erfolg, es ist eine kleine Sensation.

Doch dieser Song ist nicht irgendein Track: Er berührt ein Thema, das viele kennen, über das aber kaum jemand offen spricht. Im Mittelpunkt steht Rainer Winkler, besser bekannt als Drachenlord. Eine der wohl tragischsten und gleichzeitig bekanntesten Figuren der deutschen Internetgeschichte.

DJ Feuerapfel hat sich entschieden, genau diese Geschichte musikalisch aufzugreifen. In „Schanzen Fest“ verarbeitet er originale Zitate, setzt sie in einen neuen Kontext und baut daraus eine Art erzählerischen Ablauf, getragen von harten Beats und einem Refrain, der im Kopf bleibt. Was dabei entsteht, ist mehr als nur Musik. Es ist ein Spiegel und Niklas Steiner, so DJ Feuerapfel mit bürgerlichem Namen, ist der neutrale Erzähler.

Wer den Namen Drachenlord hört, denkt jedenfalls nicht nur an Streams oder Videos. Man denkt an jahrelangen Hass, an eine Spirale aus Provokation und Gegenreaktion, an ein Internetphänomen, das irgendwann komplett außer Kontrolle geraten ist. Hausbelagerungen, Beleidigungen, ein Leben unter Dauerbeschuss. Und genau hier wird es interessant.

DJ Feuerapfel selbst sagt ganz klar, dass Hass keine Lösung ist. Er sieht sich nicht als Teil dieser Szene (der sogenannten "Haider"), sondern eher als jemand, der das Geschehen von außen betrachtet und zusammenfasst. Trotzdem polarisiert der Song extrem.

Für die einen ist es ein genialer Track, der endlich mal ausspricht, was viele denken. Für andere ist es geschmacklos, ein Kapitel Internetgeschichte noch einmal aufzuwärmen, das für viele Beteiligte alles andere als lustig war. Aber vielleicht liegt genau darin der Grund, warum dieser Song so durch die Decke geht. Er trifft einen Nerv.

Denn die Geschichte rund um den Drachenlord ist eben kein abgeschlossenes Kapitel. Sie steht sinnbildlich für etwas Größeres. Für die dunkle Seite des Internets. Für das, was passiert, wenn sich Menschen in der Masse verlieren und plötzlich Dinge tun oder sagen, die sie im echten Leben niemals tun würden. Dass ausgerechnet ein Hardstyle Track, ein Genre, das sonst eher in der Clubszene stattfindet, dieses Thema in die Charts trägt, ist fast schon ironisch. Noch ironischer anbetracht der Tatsache, dass Rainer Winkler ja bekennender Metall Fan ist.

Und doch passt es. DJ Feuerapfel kommt genau aus dieser rohen, direkten Hardstyle & Raw Style Szene. Seine Auftritte, oft auf Burgen mit Feuershows, haben ihm über Jahre eine treue Community eingebracht. Jetzt erreicht er plötzlich ein viel größeres Publikum. Und mit ihm auch die Geschichte, die hinter dem Song steckt.

Vielleicht ist das der eigentliche Grund für diesen Erfolg. Nicht nur die Musik, sondern das, was sie transportiert. Eine unbequeme Erinnerung daran, wie weit Dinge im Internet gehen können. Wie schnell aus Unterhaltung Ernst wird. Und wie dünn die Grenze zwischen Meme und menschlichem Schicksal manchmal ist. DJ Feuerapfel hat mit „Schanzen Fest“ nicht nur einen Hit gelandet, er hat eine Debatte zurück in die Öffentlichkeit geholt, die viele längst verdrängt hatten.

Autor:

Marianne Foregger aus Wochenblatt Kaiserslautern

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