Unicef warnt vor ungleichen Chancen – auch Speyer schaut genauer hin
- Wenn es um Schulstart, Gesundheit oder Unterstützung für Familien geht, spielt soziale Ungleichheit auch in Speyer eine Rolle.
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Speyer. Wie gut Kinder aufwachsen, hängt oft davon ab, wie viel Geld und Unterstützung eine Familie hat. Das zeigt eine aktuelle Unicef-Studie. Und auch Speyerer Auswertungen deuten darauf hin, dass soziale Belastungen die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und Familien in der Stadt beeinflussen können.
Unicef untersucht in der Studie „Unequal chances: Children and economic inequality“ das Kindeswohl anhand verschiedener Indikatoren. Dazu zählen körperliche Gesundheit, mentale Gesundheit sowie Fähigkeiten und Bildung. Unter anderem fließen Kindessterblichkeit, Übergewicht, Lebenszufriedenheit, psychische Belastungen sowie schulische und soziale Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen ein. Deutschland erreicht im internationalen Vergleich Platz 25. Während die Ergebnisse bei physischer und psychischer Gesundheit im Mittelfeld liegen, sieht Unicef besonders bei Bildungs- und Entwicklungschancen ausgeprägte Unterschiede.
Was Speyer aus eigenen Berichten ableitet
Verschiedene kommunale Berichte und Datenauswertungen weisen laut Stadt darauf hin, dass sich soziale Ungleichheit auch vor Ort auswirken kann. Der Armuts- und Reichtumsbericht der Stadt Speyer aus dem Jahr 2023 greift auf Daten aus dem Jahr 2020 zurück. Ende 2020 lebten demnach rund 8.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Speyer. Auf Grundlage der rheinland-pfälzischen Armutsgefährdungsquote von 20,4 Prozent ergibt sich rechnerisch, dass rund 1.600 Kinder und Jugendliche von einem erhöhten Armutsrisiko betroffen sein könnten. Die Stadt betont, dass es sich dabei um eine statistische Übertragung landesweiter Quoten auf die Altersstruktur Speyers handelt und nicht um individuell erhobene Armutsdaten.
Der Bericht macht außerdem deutlich, dass Kinderarmut oft eng mit den Lebenslagen ganzer Familien zusammenhängt. Finanzielle Unsicherheiten, unterschiedliche Bildungszugänge oder belastende Lebenssituationen können sich laut Bericht früh auf Entwicklungschancen auswirken. Besonders hebt die Stadt die Situation von Alleinerziehendenhaushalten hervor.
Auch beim Thema Gesundheit zeigen Auswertungen soziale Unterschiede. Nach Daten der Einschulungsuntersuchungen des Jahrgangs 2024/25 waren in Speyer rund zehn Prozent der untersuchten Kinder übergewichtig oder adipös. Es zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Bildungsstand der Haushalte.
Zudem weisen kommunale Gesundheitsberichte und bundesweite Studien darauf hin, dass psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen seit der COVID-19-Pandemie zugenommen haben. Analysen ambulanter Abrechnungsdaten zeigen auch in Speyer einen Anstieg erstmalig festgestellter Depressionen und Angststörungen bei jungen Menschen. Die Stadt weist allerdings darauf hin, dass solche Daten immer auch im Zusammenhang mit Veränderungen im Gesundheits- und Diagnoseverhalten betrachtet werden müssen.
Als Reaktion nennt die Stadt verschiedene Unterstützungs- und Präventionsangebote, die sie in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und ausgebaut hat. Dazu zählen Sozialraumarbeit in Kindertagesstätten, Schulsozialarbeit an allen städtischen Schulen, die Jugendberufsagentur Plus, die Frühen Hilfen sowie Angebote des Familienzentrums K.E.K.S. Ziel ist es laut Stadt, Familien frühzeitig zu unterstützen, gesellschaftliche Teilhabe zu stärken und Kindern sowie Jugendlichen möglichst gute Entwicklungs- und Bildungschancen zu eröffnen.
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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