Corona-Soforthilfe wird für Speyerer Verein zum Problem
- Die IBF Speyer befindet sich in einer schwierigen Situation: Sie soll Coronahilfen in Höhe von 15.000 Euro zurückzahlen. Um ihr Angebot nicht einschränken zu müssen, bittet sie daher um Spenden.
- Foto: IBF Speyer
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Speyer. Die IBF Speyer soll sechs Jahre nach der Corona-Krise 15.000 Euro Soforthilfe zurückzahlen. Für den Verein ist das eine erhebliche Belastung. Der Vorstand sagt, man habe die Hilfe 2020 nach bestem Wissen beantragt – und stehe heute trotzdem vor einer schwierigen Situation.
Eine finanzielle Hilfe, die einen Verein durch die Corona-Krise bringen sollte, wird Jahre später selbst zur Belastung: Die Interessengemeinschaft Behinderter und ihrer Freunde Speyer (IBF) soll 15.000 Euro Corona-Soforthilfe zurückzahlen. Für den gemeinnützigen Verein ist die Summe nach eigenen Angaben kaum aus eigener Kraft zu stemmen. Deshalb hat der Vorstand jetzt einen Spendenaufruf gestartet.
Der Fall zeigt zugleich, vor welchem Problem Vereine stehen können, wenn finanzielle Hilfen aus der Pandemie Jahre später überprüft und zurückgefordert werden. Die IBF hatte die Soforthilfe nach eigenen Angaben im Frühjahr 2020 beantragt, als der Verein wegen der Corona-Pandemie mit erheblichen Unsicherheiten bei seinen Einnahmen und Ausgaben konfrontiert war.
Verein wollte Personal halten
Die IBF engagiert sich seit 1977 für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen in Speyer und der Region. Eine zentrale Aufgabe ist der Fahrdienst. Die Fahrer bringen Menschen unter anderem zu Ärzten, Krankenhäusern und Therapien, ermöglichen aber auch die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben.
Dabei geht es nach Angaben des Vereins nicht nur um den Transport. Fahrgäste werden bei Bedarf an ihrer Wohnung abgeholt und bis zum Fahrzeug beziehungsweise am Zielort begleitet. Für Menschen, die ihre Wohnung nicht ohne Unterstützung verlassen können, sei diese persönliche Betreuung ein wichtiger Teil des Angebots.
Dafür beschäftigt die IBF bezahlte Fahrerinnen und Fahrer. Die Personalkosten machen deshalb einen wesentlichen Teil der laufenden Ausgaben aus. Hinzu kommen Kosten für Fahrzeuge, Reparaturen, Wartung, Kraftstoff und Versicherungen.
Als die Corona-Soforthilfe beantragt wurde, habe der Verein unbedingt vermeiden wollen, Personal abzubauen, heißt es in der aktuellen Darstellung der IBF. Bei der Antragstellung seien die damals verfügbaren Informationen und FAQ zugrunde gelegt worden. Aus Sicht des Vereins habe sich daraus nicht ergeben, dass Personalkosten bei der Ermittlung des Liquiditätsengpasses nicht hätten berücksichtigt werden dürfen.
Sechs Jahre später kommt die Rückforderung
Nun soll die IBF 15.000 Euro zurückzahlen. Nach Angaben des Vereins ergibt sich die Verpflichtung erst jetzt – sechs Jahre nach der Auszahlung der Soforthilfe.
Für die IBF ist das eine schwierige Situation: Als gemeinnütziger Verein verfügt sie nicht über die finanziellen Möglichkeiten eines größeren Unternehmens. Gleichzeitig laufen die Kosten für den Fahrdienst weiter. Der Verein hat nach eigenen Angaben rund 130 Mitgliedschaften und finanziert seine Arbeit unter anderem über Mitgliedsbeiträge, Spenden und weitere Einnahmen.
Warum die Rückzahlung den Verein trifft
Das Problem liegt für die IBF nicht nur in der Höhe von 15.000 Euro. Entscheidend ist, dass das Geld dann im laufenden Vereinsbetrieb fehlt.
Personalkosten für den Fahrdienst lassen sich nicht kurzfristig streichen, ohne das Angebot einzuschränken. Auch die Fahrzeuge müssen gewartet, repariert, versichert und betankt werden. Eine Rückzahlung aus den laufenden Mitteln würde deshalb unmittelbar zulasten der eigentlichen Vereinsarbeit gehen.
Der Vorstand will genau das verhindern. Er bittet deshalb Bürger, Unternehmen, Stiftungen, Vereine, Institutionen und die Politik um Unterstützung.
Der Verein blickt bereits auf 2027
Trotz der finanziellen Sorgen will die IBF ihre Arbeit fortsetzen. Für die kommenden Monate sind Veranstaltungen und Begegnungsangebote geplant. Gleichzeitig laufen bereits die Vorbereitungen für das 50. Vereinsjubiläum im Jahr 2027. Gerade dieses Jubiläum ist für den Verein ein Grund mehr, um den Fortbestand zu kämpfen. Seit fast fünf Jahrzehnten bietet die IBF Menschen mit Behinderungen Unterstützung und Möglichkeiten zur Teilhabe.
Um dieses Angebot nicht wegen der nun anstehenden Rückzahlung einschränken zu müssen, hat die IBF ein Spendenkonto eingerichtet. Die Spenden sollen nach Angaben des Vereins helfen, die Rückforderung zu begleichen und den Fahrdienst sowie die weiteren Angebote aufrechtzuerhalten.
Weitere Informationen & Kontakt
Thomas Kern / Thomas Stassek
Telefon: 06232 25234
E-Mail: verwaltung@ibf-speyer.de
www.ibf-speyer.de
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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