Frotzeleien zwischen Speyer und Dudenhofen
Mit dem Lokalexpress zum Brezelfest
- Historischer, von Pferden gezogener Wagen in Form eines Eisenbahnwaggons / Straßenbahnwaggons mit der Aufschrift: „Eilwagen Speyer - Dudenhofen Beitrag zur 15.000 Mark Anleihe, Festgabe der Speyerer Neuen Nachrichten, Nur für Marktbesucher!“
- Foto: Stadtarchiv Speyer: StASP_233-1_RegNr_009182_ArthurBarth_Brezelfestumzug_16Juli1911
- hochgeladen von Clemens Keller
Spannungen und Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Speyer und der Gemeinde Dudenhofen sind seit 1293/1294 historisch belegt. In der 300 Seiten umfassenden Ortschronik von Fritz Klotz nehmen die Berichte über verschiedene Gemarkungs- und Grenzstreitigkeiten, kleinere Reibereien und größeres Gerangel um Waldbesitz und Weiderechte, einschließlich des Überfalls der Dudenhofener Bauern auf die mächtige Reichsstadt Speyer und deren mehrmonatige Einnahme im Jahr 1716, immerhin knapp 40 Seiten ein.
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als aus Kataster- und steuerlichen Gründen eine definitive Grenzziehung zwischen Dudenhofen und Speyer erfolgte, fand die jahrhundertelange Disputation ein vorläufiges Ende. Dennoch prägte das angespannte Verhältnis auch künftige Generationen und verlagerte sich mitunter auch auf anderweitiges Terrain:
So ging es schließlich Ende des 19. Jahrhunderts ums liebe Geld, als beim Bau des sogenannten Gäu- und Pfefferminzbähnels, welches ab August 1905 von Speyer bis Geinsheim ohne Halt durch das bahnhofslose Dudenhofen fuhr, ein heftiger Finanzierungsstreit entbrannte.
Aufgrund der ablehnenden Haltung Dudenhofens sprang die Stadt Speyer mit einer Vorfinanzierung des Dudenhofener Anteils am Grunderwerb ein, um das Infrastrukturprojekt zu retten, und forderte anschließend 20.000 Mark zurück. Dudenhofen aber rührte sich nicht, da man sich benachteiligt fühlte und Speyer wiederum sah sich „geprellt“ und pochte „streng und unnachgiebig" darauf, dass Dudenhofen so lange keine Haltestation für das „Pfefferminzbähnel“ erhalten solle, bis die vorgestreckte und häufig eingeforderte Summe beglichen sei. Vermittlungsversuche des ortsansässigen Fabrikanten Walter und ein von 309 Einwohnern unterzeichnetes Pro-Bahn-Begehren im März 1906 scheiterten zunächst und „die offene Rechnung“ aus Speyer erhitze auch in den folgenden Jahren weiterhin die Gemüter. Erst im Oktober 1913 stimmte der Gemeinderat zu, 15.000 Mark zu zahlen, jedoch unter der Bedingung, dass der Bahnhof an einer anderen Stelle gebaut werde, um Kosten für eine Zufahrtsstraße zu sparen.
Es ist daher nicht besonders verwunderlich, dass auch das Speyerer Brezelfest, erstmals 1910 gefeiert, schon in seinen Gründerjahren die lokalen Beziehungen und Spannungen zwischen Speyer und dem benachbarten Dudenhofen „auf die Schippe“ nahm. Die Festumzüge, ein zentrales Element des Brezelfestes, thematisierten sodann auch die langjährigen Konflikte um das damalige Bahnprojekt, indem sie humoristisch gestaltete Motivwagen nebst plakativen Sticheleien zur Darstellung des mitunter doch äußerst angespannten Verhältnisses zwischen den beiden Orten einsetzten.
Festgehalten wurde die kommunale Frotzelei - die vermutlich auch noch einen weiteren lokalen Bezug zum dörflich-/städtischen Linienverkehr der bis zum Jahr 1911 bestehenden „Speyerer Motorwagen-Gesellschaft mbH“ haben könnte - sowohl vom Speyerer Fotografen Arthur Barth - datiert vor genau 115 Jahren - im Jahre 1911, als auch durch eine handkoloriere Illustration zur Vorbereitung und Festlegung der Zugfolge.
Weitere Infos:
Noch mehr Wissenswertes und lokalhistorische Geschichten aus Dudenhofen bietet die Homepage des Heimatvereins Dudenhofen unter www.vhgd.de
Autor:Clemens Keller aus Römerberg-Dudenhofen |
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