9. Westpfälzer Wirtschaftsge(h)spräch
Fachkräftegewinner kennen keinen Fachkräftemangel

Reger Austausch beim 9. Wirtschaftsge(h)spräch
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  • Foto: ZukunftsRegion Westpfalz e.V.
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Westpfalz/Rockenhausen. Über 40 diskussionsfreudige Teilnehmer machten das 9. Westpfälzer Wirtschaftsge(h)spräch des Vereins ZukunftsRegion Westpfalz am Mittwochnachmittag zu einem besonderen Erlebnis für alle Beteiligten. Auf Anregung des Gastgebers Reiner Rudolphi, Geschäftsführer von rema Fertigungstechnik, stand die brennende Frage zur Diskussion, wie Handwerksunternehmen künftig die für sie passenden Auszubildenden finden können.
Zum Einstieg in der rema-Akademie präsentierten Rita Petry und Roger Bier von der Handwerkskammer unerfreuliche Nachrichten: Die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden gehe seit Jahren deutlich zurück und habe zuletzt einen neuen Tiefstand erreicht. Mehr und mehr Ausbildungsplätze blieben daher unbesetzt.
Die zugespitzte Empfehlung an die Handwerksunternehmer: Die „Triple A“-Methode einsetzen, das heißt Kontakte zu Schulen und Vereinen knüpfen, den persönlichen Kontakt suchen, aber auch online mit einer eigenen Website präsent sein. Nicht zuletzt sei aber auch die Ausbildungsqualität und das Betriebsklima entscheidend für die Gewinnung von Nachwuchskräften. Nichts spreche sich schließlich schneller herum als eine Negativerfahrung.
Reiner Rudolphi machte hieran anknüpfend seine Perspektive deutlich, dass die Lösung des Nachwuchsproblems in der Fläche nur über gemeinsame Aktivitäten auf regionaler Ebene möglich sei. Hierfür habe er unter anderem das Projekt „Span(n)ende Perspektiven“ ins Leben gerufen. Auch die rema-Akademie und sein Projekt zur Ausbildung von Ruandern böten vielversprechende Anknüpfungspunkte.
Als weithin bekanntes Positivbeispiel zeigt rema auf, dass bei entsprechendem Engagement für die Nachwuchsgewinnung und der Bereitschaft, sich auch auf die vermeintlich schwachen Kandidaten einzulassen, alle Ausbildungsplätze passend besetzt werden können.
Mit seinem Vorschlag eines praktischen Pflichtjahres nach der Schule, erweiterte Rainer Guth – Landrat des Donnersbergkreises – in seinem Grußwort den inhaltlichen Rahmen um einen weiteren Aspekt. Dabei gehe es auch darum, den jungen Menschen Gelegenheit zur beruflichen Orientierung zu geben, so Guth.
Nach den einführenden Worten ging es entsprechend inhaltlich präpariert auf einen Spaziergang in den Wald, wo sich – angeregt durch leichte Bewegung und frische Luft – schnell ein lebendiger Austausch entwickelte. Einigkeit bestand darin, in Zukunft noch mehr auf die Berufsorientierung in der Schulzeit setzen zu müssen, insbesondere über Praktika in den Betrieben. Gleichzeitig müsse auch über neue Zielgruppen nachgedacht werden, beispielsweise die Anwerbung von jungen Menschen aus Ruanda oder die Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Menschen. Kontrovers wurde überdies diskutiert, wie Betriebe ihre fertigen Auszubildenden halten beziehungsweise für ihre Ausbildungsleistung entschädigt werden könnten.
Hoffnungsvolles Fazit des inspirierenden Nachmittags: Wer sich sehr aktiv und mit den richtigen Mitteln um Nachwuchskräfte bemüht, kann (bislang) seine Bedarfe weitgehend decken. Für die Fachkräftegewinner bedeutet dies einen immer wichtiger werdenden Wettbewerbsvorteil gegenüber den weniger aktiven Betrieben. Und eines wurde ebenfalls deutlich: Handwerk hat wirklich goldenen Boden!
Die Westpfälzer Wirtschaftsge(h)spräche sind eine im Jahr 2016 begründete Veranstaltungsreihe des Vereins ZukunftsRegion Westpfalz e.V., unterstützt durch dessen Vereinsmitglied Erwin Schottler – zertifizierter Berater und Visionär, der mit seinen Walkshops neue Wege geht.
Das Wirtschaftsge(h)spräch richtet sich an Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die sich bei einer gemeinsamen Kurzwanderung kennen lernen und angeregt durch frische Luft und Bewegung ergebnisorientiert diskutieren wollen. Kooperationspartner dieser Ausgabe sind die Handwerkskammer der Pfalz und das Unternehmen Rema Fertigungstechnik.
Der Verein ZukunftsRegion Westpfalz e.V. versteht sich als Plattform, um die in der Region vorhandenen Kräfte zu bündeln und gemeinsame Projekte umzusetzen. Ziel dabei ist die Stärkung der Zukunftsfähigkeit der Westpfalz. Aktuell zählt der Verein über 360 Mitglieder, darunter
Unternehmen, Verbände, Kammern, Gebietskörperschaften, Einrichtungen aus Wissenschaft und Forschung sowie Privatpersonen. ps

Autor:

Claudia Bardon aus Wochenblatt Kirchheimbolanden

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