Historischer Verein Pirmasens
Jahresprogramm 2026
- Weinpropaganda im Dritten Reich
- Foto: Plakatmotiv aus der Sammlung Dr. Krieger
- hochgeladen von Dunja Maurer
Im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung am 26. Januar 2026 hat der Historische Verein Pirmasens e. V. das Vortrags- und Veranstaltungsprogramm für das laufende Jahr vorgestellt. Das neue Jahresprogramm knüpft an die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre an und bietet erneut ein breit gefächertes Spektrum historischer, kulturgeschichtlicher und gesellschaftlicher Themen. Ziel ist es, aktuelle wissenschaftliche Forschungsergebnisse mit regionalgeschichtlichen Fragestellungen zu verbinden und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Den Auftakt der Vortragsreihe bildet am Montag, 23. Februar 2026, ein sprach- und kulturhistorischer Abend. Charles Schlosser aus Lembach (Frankreich) referiert zum Thema „15 Theorien zur Sprache des Elsass – vom Mittelalter bis zur Gegenwart“. Der Vortrag beleuchtet die wechselvolle Geschichte der elsässischen Sprache, ihre unterschiedlichen Bezeichnungen und die Vielfalt regionaler Sprachformen. Anhand literarischer Texte aus über tausend Jahren wird deutlich, wie eng Sprache, Identität und politische Geschichte miteinander verknüpft sind. Zugleich lädt der Vortrag dazu ein, über den Stellenwert von Dialekten und Regionalsprachen in einer zunehmend globalisierten Gegenwart neu nachzudenken.
Am 23. März 2026 folgt ein Vortrag mit starkem regionalem Bezug. Norman Salzmann vom Stadtarchiv Pirmasens widmet sich unter dem Titel „FK Pirmasens – Lokalderbys, Rivalitäten und besondere Fußballmomente“ der Geschichte des Fußballs als sozialem und kulturellem Phänomen. Im Mittelpunkt stehen lokale und regionale Derbys, ihre emotionale Bedeutung sowie außergewöhnliche Spiele, die bis heute Teil des kollektiven Gedächtnisses der Stadt sind. Der Vortrag zeigt zudem, wie Sportereignisse gesellschaftliche Zugehörigkeiten prägen und über Generationen hinweg Erinnerungen stiften.
In inhaltlicher Ergänzung hierzu bietet der Historische Verein am 18. April 2026 eine Exkursion nach Speyer an. Ziel ist die Sonderausstellung „Fußballfieber. Derbys im Südwesten“ im Historischen Museum der Pfalz. Die Ausstellung widmet sich der Fankultur, den großen Rivalitäten und der gesellschaftlichen Bedeutung des Fußballs im Südwesten Deutschlands. Die Exkursion ermöglicht es, die im Vortrag behandelten Themen anhand von Originalexponaten, multimedialen Stationen und historischen Fallbeispielen zu vertiefen.
Am 27. April 2026 steht mit dem Vortrag „Pfälzer Wandermusikanten – Einblicke in die Geschichte und die aktuellen Forschungsmöglichkeiten am IPGV - (Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde)“ ein musik- und migrationsgeschichtliches Thema auf dem Programm. Barbara Schmidt M.A. vom Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde gibt Einblicke in die weltweiten Wanderbewegungen pfälzischer Musiker im 19. Jahrhundert und stellt aktuelle Forschungsansätze sowie Quellenbestände vor. Dabei wird deutlich, wie eng regionale Geschichte mit globalen Mobilitäts- und Migrationsprozessen verbunden ist.
Einen museologischen und landesgeschichtlichen Schwerpunkt setzt der Vortrag von Dr. Birgit Heide am 18. Mai 2026. Unter dem Titel „Jüdisches Erbe und Leben in Rheinland-Pfalz – Entstehung einer Ausstellung im Landesmuseum Mainz“ erläutert sie, wie eine moderne landesgeschichtliche Ausstellung entsteht, welche wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen damit verbunden sind und wie jüdische Geschichte sensibel und differenziert vermittelt werden kann. Der Vortrag macht zugleich sichtbar, welche Bedeutung Ausstellungen als Orte öffentlicher Geschichtsvermittlung und Erinnerungskultur besitzen.
In die Ausstellung nach Mainz wird im Herbst eine Exkursion stattfinden. Die Ausstellung trägt den Titel „Shalom am Rhein - 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz“ und führt durch über 1000 Jahre jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz – von den SchUM-Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz, die im Mittelalter das gesamte europäische Judentum prägten und heute UNESCO-Welterbe sind, bis in die Gegenwart. Dieselben Orte, die einst helle Zentren voller Wissen, Kultur und Glaube waren, wurden auch Zeugen dunkler Episoden der Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung. Berührende Objekte, eindrucksvolle Biografien und Spuren von Zerstörung und Neubeginn eröffnen im Landesmuseum Mainz neue Blicke auf das Miteinander der jüdischen und der nicht-jüdischen Gesellschaft. Erleben Sie die lange, reiche und untrennbar mit Rheinland-Pfalz verwobene jüdische Geschichte. Der Termin der Exkursion wird noch mitgeteilt.
Am 22. Juni 2026 folgt ein Vortrag zum Thema „Die Pfalz im Deutschen Kaiserreich. Wandel – Beharrung – Milieus – Netzwerke“. Dies ist auch der Titel einer aktuellen Publikation im Verlag des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde, das an diesem Termin vorgestellt wird. Der Vortrag von Dr. Christian Decker gibt einen Überblick über zentrale Forschungsergebnisse in der Zeit zwischen 1871 und 1918 und beleuchtet politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen in der Region. Darüber hinaus zeigt er auf, wie sich regionale Identitäten im Spannungsfeld von Modernisierung und Tradition herausgebildet haben.
Nach der Sommerpause wird die Vortragsreihe am 24. August 2026 fortgesetzt. Ulrich Burkhart M.A. widmet sich mit seinem Beitrag „Burgkapellen auf Burgen der Pfalz und angrenzender Gebiete“ einem bislang wenig beachteten Aspekt der Burgenforschung. Der Vortrag verdeutlicht, welche religiösen, repräsentativen und architektonischen Funktionen diese Kapellen erfüllten und welche Rückschlüsse sie auf das Selbstverständnis der Burgherren zulassen.
Ein kritisches Kapitel der Regionalgeschichte steht am 28. September 2026 im Mittelpunkt, wenn Dr. Christof Krieger über nationalsozialistische Weinpropaganda spricht. „Saufen für den Führer – Weinpatenschaften in Dritten Reich“ heißt der Vortrag, der die Auswirkungen auf lokale Gesellschaft und Alltagskultur zum Thema hat. Zugleich wird gezeigt, wie Propaganda bis in scheinbar harmlose Freizeit- und Konsumbereiche hineinwirkte. Auch in Primasens beteiligte man sich tatkräftig an dem Programm, wobei der Schuhstadt die Nahegemeinden Oberndorf und Alsenz als „Patenkinder“ zugeteilt worden waren.
Am 26. Oktober 2026 thematisiert Nils Rath die "Die Pirmasenser Bombenaffären (1930-1933) - Radikale Milieus in Pirmasens im Urteil der Justiz“. Anhand bislang wenig beachteter Quellen werden politische Radikalisierung, Gewalt und der Umgang der Justiz mit extremistischen Milieus in der späten Weimarer Republik untersucht. Der Vortrag leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der lokalen Vorgeschichte des Nationalsozialismus.
Den Abschluss des Jahresprogramms bildet am 23. November 2026 ein wirtschafts- und stadtgeschichtlicher Vortrag. Dr. Wolfgang Brendel zeichnet unter dem Titel „Das Bankhaus Schneider in Pirmasens“ die Geschichte einer Unternehmerfamilie nach, die die wirtschaftliche und politische Entwicklung der Stadt im 19. Jahrhundert maßgeblich prägte. Dabei werden auch die Verflechtungen von Wirtschaft, Politik und internationalem Handel sichtbar.
Alle Vorträge finden montags um 19.30 Uhr im Carolinensaal Pirmasens statt. Der Eintritt ist frei. Mit seinem Jahresprogramm 2026 unterstreicht der Historische Verein Pirmasens e. V. erneut seinen Anspruch, fundierte historische Forschung verständlich aufzubereiten und einen lebendigen Beitrag zur regionalen Erinnerungskultur zu leisten.
Autor:Dunja Maurer aus Pirmasens |
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