Gedicht von Karl Simrock
Der Rekrut auf Philippsburg

Der Rekrut auf Philippsburg wehrte sich alleine gegen zwölf französische Angreifer
  • Der Rekrut auf Philippsburg wehrte sich alleine gegen zwölf französische Angreifer
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  • hochgeladen von Roland Kohls

Philippsburg. Die Belagerung von Philippsburg ist Thema des Gedichts – ein Schicksal, das die Stadt mannigfach erlebt hat.

Ein ums andere Mal kletterte der französische Soldat über die Mauer und der deutsche Rekrut auf Wache in der belagerten Festung Philippsburg hatte ihn erst mit dem Degen erstochen, dann mit dem Gewehr erschossen, doch der Franzose kam immer wieder. Zwölf Mal musste sich der Deutsche gegen den Franzosen wehren. Der Witz des Gedichts des Dichters Karl Simrock ist, dass der Rekrut dachte, es sei immer der gleiche französische Soldat, den er zwölf Mal in den Graben beförderte, in Wirklichkeit waren es jedoch zwölf verschiedene gegnerische Soldaten.

Festung Philippsburg wurde immer wieder belagert

Es handelt sich offenbar um die Belagerung Philippsburgs im Polnischen Erbfolgekrieg 1734, sagt Angelika Futterer vom Heimatverein Philippsburg und selbst Mundartdichterin aus Philippsburg. Denn Simrock erwähnt einen "D'Asfeld": "Der d’Asfeld greift dort hinten an," heißt es in der zweiten Strophe. Und ein Marquis d’Asfeld war an jener Belagerung der Stadt beteiligt. Außerdem ist die Geschichte bereits bei dem Dichter Johann Peter Hebel als Anekdote in den Kalendergeschichten des Rheinländischen Hausfreunds zu finden, so Futterer.
Philippsburg war seit dem Ausbau des Orts Udenheim – so hieß Philippsburg bis dahin - zur Festung durch Bischof Philipp von Sötern Anfang des 17. Jahrhunderts, immer wieder das Ziel von Belagerungen. Im Dreißigjährigen Krieg kamen erst die Schweden, später die Franzosen, um die Stadt einzunehmen. Nach der Rückeroberung durch kaiserliche Truppen zog die französische Armee 1644 erneut nach Philippsburg und belagerte die Stadt. Im Pfälzer Erbfolgekrieg standen 1688 wieder die französischen Truppen vor den Toren der Stadt. Und schließlich auch im Napoleonischen Krieg blieb Philippsburg nicht verschont. Im September 1799 belagerten die französischen Revolutionstruppen die Festung und bombardierten die Stadt sechs Tage lang, sodass am Ende sämtliche Gebäude zerstört waren. Napoleon hatte befohlen die Festung dem Erdboden gleichzumachen. Doch sie wurde an gleicher Stelle wiederaufgebaut.
Der brave Rekrut in dem Gedicht gibt an, als er abgelöst wird, dass ein französischer Soldat zwölf Mal versucht habe, über die Festungsmauer zu kommen. „Wohl zwölfmal hat er angesetzt, Doch still im Graben liegt er jetzt.“ „Da lagen aber Zwölfe“, endet die Strophe. Schließlich fragt man den Kommadanten, wieviel „Stechgeld“ der Rekrut bekommen solle. Er gibt nur einen getöteten Franzosen an, es waren aber zwölf. Der Kommandant gibt den Tatsachen den Vorrang über den Irrglauben des Rekruten und gibt für alle zwölf getötete Franzosen den Lohn.

Karl Simrock

Der 1802 in Bonn geborene Dichter Karl Simrock war eigentlich - wie viele romantische Intellektuelle zu Beginn des 19. Jahrhunderts - ein Franzosenfreund. Als Kind wurde im Elternhaus ausschließlich französisch gesprochen und 1830 wurde er aus seinem Amt als preußischer Richter entlassen, da er ein Gedicht veröffentlicht hatte, das die französische Julirevolution gutheißt. Doch er war auch deutscher Patriot und fasziniert von Deutschen Sagen und Mythen. So unterhielt er eine Brieffreundschaft zu den Gebrüdern Grimm. Bekannt ist Simrock vor allem durch seine Übersetzung des Nibelungenliedes in ein modernes Deutsch. rk

PS: Nach erscheinen des Artikels erreichten uns vielfache Hinweise zu dem Gedicht. So weist die Erwähnung des Marquis d’Asfeld darauf hin, dass es sich um die Belagerung im sogenannten polnischen Erbfolgekrieg 1734 handelt. Simrock hat die geschichte vom Rekruten auf Philippsburg aus den "Kalendergeschichten" von Johann Peter Hebel aus dem Jahr 1819. rk

Schatz des Türkenlouis

Autor:

Dehäm Magazin aus Ludwigshafen

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