Tag der Tuchmacherei in Lambrecht: Geschichte wird zum Erlebnis
- Gerald Lehmann, Leiter des Weber-Museums Lindenberg
- Foto: Jola Spezialschalter
- hochgeladen von Eva Bender
Lambrecht. Wie hat sich Lambrecht vom mittelalterlichen Klosterort zur Tuchmacherstadt und schließlich zum Industriestandort entwickelt? Antworten darauf gibt der „Tag der Tuchmacherei in Lambrecht“ am Sonntag, 13. September. Von 10 bis 16 Uhr laden verschiedene Erlebnis-Stationen in und um die ehemalige Klosterkirche in der Marktstraße 29 sowie in der ehemaligen Tuchfabrik Gebrüder Haas in der Klostergartenstraße 11 dazu ein, die Geschichte der Lambrechter Tuchmacherei zu entdecken. Der Eintritt ist frei.
Unter dem Motto „Von der Klosterkirche zur Tuchfabrik“ verbindet die Veranstaltung Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dabei richtet sich das Programm ausdrücklich auch an Kinder und Jugendliche. Für sie gibt es unter anderem ein Tuchfabrik-Quiz, textile Bewegungsspiele, Möglichkeiten zum Weben sowie Audio-Erklärungen, die mit dem eigenen Smartphone angehört werden können.
Den Auftakt bildet um 10.30 Uhr ein Gottesdienst in der ehemaligen Klosterkirche. Ein Gastprediger widmet sich dabei dem Thema Flucht und Heimat. Parallel besteht die Möglichkeit, im Gemeindesaal kreativ mit Stoffen zu arbeiten.
Ab etwa 11.30 Uhr können Besucher in der Vorkirche eine Bilderausstellung zur Geschichte der Kirche und Lambrechts ansehen oder an verschiedenen Führungen teilnehmen. Angeboten werden Führungen durch die Kirche und zu den Wandmalereien, eine Führung zur Orgel mit Vorführung sowie eine Führung in den Turmaufbau zu den Glocken.
Die Geschichte der Tuchmacherei führt anschließend in die ehemalige Tuchfabrik Gebrüder Haas. Dort können sich Besucher auf verschiedene Weise mit dem Handwerk und der Entwicklung zur Industrie beschäftigen. Vorgesehen sind unter anderem ein Stoffe-Anfasstisch, Videos und Informationen zu verschiedenen Themen sowie textile Bewegungsspiele im Innenhof.
Wer selbst Hand anlegen möchte, kann sich im Weben versuchen. Gerald Lehmann, Leiter des Weber-Museums Lindenberg, bringt gemeinsam mit einer Kunstweberin zwei Webstühle und mehrere Webrahmen mit. Außerdem wird gezeigt, wie am Spinnrad gearbeitet wird.
Ein weiterer Programmpunkt beschäftigt sich mit dem sogenannten Obermaier-Färbeapparat. Der in Lambrecht erfundene Apparat steht für eine technische Entwicklung, deren Verfahren bis heute weltweit eingesetzt wird. Vorgestellt werden der Färbeapparat und die Firma Obermaier. Dabei kommen auch Nachkommen des Erfinders zu Wort: beteiligt sind dessen Urenkel sowie ein 14-jähriger Enkel.
Wie sich die handwerkliche Tuchmacherei zur Industrie entwickelte und welche Veränderungen und Probleme die Industrialisierung mit sich brachte, erläutert der Volkskundler Helmut Seebach. Er hat sich intensiv mit der Industrialisierung in der Pfalz beschäftigt und mehrere Bücher dazu veröffentlicht.
Auch persönliche Erinnerungen an die Lambrechter Tuchindustrie gehören zum Programm. In Interviews werden Erich Christmann und ein ehemaliger Mitarbeiter der Tuchfabrik Gebrüder Haas über ihre Erfahrungen berichten. Christmann arbeitete in mehreren Lambrechter Fabriken, besuchte die Staatlich Höhere Fachschule für Textilindustrie in Lambrecht und war später viele Jahre bei der BASF tätig. Auch Erinnerungen aus der Zeit, als der Familienbetrieb der Tuchfabrik noch bestand, fließen in das Programm ein.
- Lars Mattil zeigt die Geschichte der Tuchmacherei in Lambrecht
- Foto: Kai Mehn
- hochgeladen von Eva Bender
Im mehr als 100 Jahre alten Verwaltungsgebäude der ehemaligen Tuchfabrik Gebrüder Haas gibt es zudem Führungen. Lars Mattil bietet diese einmal pro Stunde im Wechsel für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene an. Zu sehen sind außerdem zahlreiche Originalgegenstände und Bilder aus den beiden Lambrechter Tuchfabriken Gebrüder Haas und J. J. Marx. Letztere war bis zu ihrer Schließung als „ältestes Familienunternehmen der Pfalz“ bekannt.
Auch Musik gehört zum Programm. Der ehemalige Lindenberger Bürgermeister und frühere Schullehrer Hermann Dietrich singt Lieder über Textil- und andere Berufe und begleitet sich dabei auf der Gitarre.
Zum Abschluss des vielfältigen Programms steht eine Ausstellung des Lambrechter Künstlers Walter-Heinz Glaß. Der Motorsportkenner beschäftigt sich seit 40 Jahren mit sogenannter Speed-Kunst. Zum „Tag der Tuchmacherei“ zeigt er zehn neue Grafiken erstmals öffentlich. An mehreren Maltischen steht er außerdem als Coach zur Verfügung.
Für die Verpflegung ist ebenfalls gesorgt: In und an der ehemaligen Klosterkirche werden Kuchen und Getränke angeboten, in der ehemaligen Tuchfabrik verkauft die Jugendfeuerwehr Würstchen.
- Johanna Mattil lädt Kinder und Jugendliche ganz persönlich ein.
- Foto: Jola Spezialschalter
- hochgeladen von Eva Bender
Für Kinder und Jugendliche bietet das Tuchfabrik-Quiz einen zusätzlichen Anreiz. Wer die gesuchten Lösungswörter findet, kann um 15.30 Uhr an der Preisverleihung teilnehmen. Eine Teilnahme am gesamten Programm ist kostenlos.
Weitere Informationen und das vollständige Programm gibt es unter www.jola-info.de/tag-der-tuchmacherei
Autor:Eva Bender aus Neustadt/Weinstraße |
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