Hochwasser- und Starkregenvorsorge: Neustadt auf Kurs – Resilienz wächst weiter
- Schutz vor Starkregen und Hochwasser: Umsetzung bleibt Daueraufgabe (Symbolbild)
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Neustadt. Mit der Umsetzung ihres Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepts stellt sich die Stadt Neustadt an der Weinstraße aktiv den wachsenden Herausforderungen durch extreme Wetterereignisse. Nun hat die zuständige Umweltabteilung einen Zwischenbericht im Stadtrat vorgestellt: Zahlreiche Projekte sind fertig, an anderen wird gearbeitet oder sind in Planung. Das Ziel: Neustadt resilienter zu machen, wenn Starkregen und Hochwasser drohen.
Erarbeitet wurde das Konzept 2022 und 2023 in einem intensiven Bürgerbeteiligungsprozess gemeinsam mit einem Fachbüro und mit finanzieller Unterstützung des Landes. Ende 2023 wurde es vom Stadtrat beschlossen. Zwei Jahre nach Beginn der Umsetzung zeigt sich: Die Stadt ist auf Kurs – auch wenn vor ihr noch anspruchsvolle und langfristige Aufgaben liegen, die Ausdauer, Kontinuität und nachhaltiges Handeln erfordern.
Vorsorge ist Gemeinschaftsaufgabe
Die Umsetzung des Vorsorgekonzepts ist als Gemeinschaftsaufgabe angelegt. Eine stadtinterne Steuerungsgruppe befasst sich mit der Priorisierung und Koordination der zahlreichen Maßnahmen und tagt regelmäßig, um die Umsetzung systematisch voranzubringen. Im Fokus stehen dabei insbesondere Maßnahmen, die eine hohe Wirksamkeit bei vertretbarem Aufwand versprechen.
2024 starteten auf dieser Grundlage bereits zahlreiche Maßnahmen, vor allem in den Handlungsfeldern Gewässerunterhaltung, Vorsorgeplanung, Krisenmanagement und Bürgerinformation. Dazu zählen unter anderem die Verbesserung der Alarm- und Einsatzplanung, die Anschaffung einer Sandsackfüllmaschine für die Feuerwehr, der Einbau schützender Rechen an Gewässern, Maßnahmen zur kleinräumigen Wasserrückhaltung im Wald sowie aktuell die Installation zusätzlicher Pegel zur besseren Hochwasservorwarnung.
Zwei neue Gewässerwarte für die kontinuierliche Pflege
Ein Meilenstein war zudem die Einstellung zweier Gewässerwarte für das Neustadter Gewässernetz um hier Pflege- und Kontrollrückstände zu beheben und zum Beispiel beim Freihalten von Betriebspunkten wie Rechen schnell reagieren zu können.
Die Hochwasser- und Starkregenvorsorge umfasst weit mehr als den Bau technischer Anlagen oder Rückhalteräume. Rund 40 Prozent der Maßnahmen betreffen die laufende, regelmäßige Gewässerunterhaltung, etwa an Gräben, Gewässern oder Rechen. Dies ist zentraler Baustein der Vorsorge. Weitere Schwerpunkte in den vergangenen Monaten lagen auf planerischen, prüfenden und steuernden Aufgaben, weil diese nicht nur vom Konzept als prioritär eingestuft wurden, sondern zugleich kurzfristig umgesetzt werden konnten.
Aktuell überarbeitet die Umweltabteilung ihren Homepage-Auftritt, um die Konzeptumsetzung strukturierter darzustellen und mehr über Hochwasserrisiken und Eigenvorsorge zu informieren.
Im Umsetzungsprozess wurde jedoch auch deutlich, dass sich nicht alle der ursprünglich im Konzept benannten Maßnahmenideen realisieren lassen. Einzelne Vorschläge – etwa die Umwandlung von Straßen zu Notwasserwegen – stoßen in der Praxis auf rechtliche, technische oder städtebauliche Grenzen oder würden zu unverhältnismäßigen Eingriffen in bestehende Nutzungen führen. Solche Maßnahmen werden daher kritisch geprüft und, wo erforderlich, durch alternative Lösungen oder andere wirksame Kompensationsmaßnahmen ersetzt.
Allein 2026 werden mehr als 750.000 Euro investiert
Ziel der Stadtverwaltung ist es, bis Ende 2026 rund 70 Prozent aller Maßnahmen des Vorsorgekonzepts entweder umgesetzt oder zumindest in Angriff genommen zu haben. Der Fokus liegt dabei auf den priorisierten Maßnahmen, die ein günstiges Verhältnis von Nutzen und Aufwand aufweisen. Ab 2027 sollen verstärkt bauliche Maßnahmen umgesetzt werden, die in der Regel einen längeren Planungshorizont erfordern, häufig mit Flächenerwerben verbunden sind und teilweise durch Landesmittel gefördert werden können. Die hierfür notwendigen konzeptionellen, planerischen und organisatorischen Vorbereitungsarbeiten laufen bereits.
Damit werden auch die benötigten Haushaltsmittel steigen. Während in 2024 rund 300.000 Euro in Vorsorgemaßnahmen und die Gewässerunterhaltung investiert wurden, stiegen die Ausgaben 2025 auf 450.000 Euro. 2026 werden mehr als 750.000 Euro benötigt werden.
Die Stadt macht deutlich: Hochwasser- und Starkregenvorsorge ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Sie erfordert einen langen Atem, verlässliche Förderbedingungen und das kontinuierliche Engagement vieler Bereiche der Stadtverwaltung – ebenso wie die Mitwirkung der Bürgerschaft.
Ziel bleibt es, Neustadt an der Weinstraße bestmöglich auf zukünftige Hochwasser- und Starkregenereignisse vorzubereiten und die Risiken für Mensch, Umwelt und Infrastruktur dauerhaft zu minimieren.
Autor:Eva Bender aus Neustadt/Weinstraße |
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