Geführter Rundgang auf dem alten Friedhof in Mutterstadt
Gang durch die Familien- und Ortsgeschichte

MUTTERSTADT: Der prächtige Kastanien- und Buchenbaumbestand, dazwischen große Rasenflächen und Blumenhochbeete: bei sonnigem Herbstwetter zeigte sich letzte Woche anschaulich, wie sich der alte Friedhof nun in eine immer parkähnlicher werdende 1,7 ha große Fläche mitten im Ort verändert. Achtzig interessierte Bürger kamen zu dem historischen Rundgang über den alten Friedhof, zu dem die Ortsgruppe Mutterstadt des Historischen Vereins eingeladen hatte. Unter den Besuchern waren auch Lutz Bauer und Harry Ledig für den Historischen Verein, Bürgermeister Hans-Dieter Schneider und Gunther Holzwarth für die Verwaltung und Pfarrer Knut Trautwein. Volker Schläfer bezeichnete in seiner Begrüßung den Friedhof als ein Ort des Andenkens und der Ruhe, als ein Ort der Erinnerungs- und Trauerkultur. Auf dem Friedhof würden die Grabdenkmäler von Personen erhalten, die die Ortsgeschichte mitgeprägt, durch Krieg und Unglück ihr Leben verloren hätten oder deren Grabsteine hinsichtlich Gestaltung oder Material erhaltenswert seien. Diese Grabdenkmäler seien also gegen das Vergessen.
Leonhard Sebastian informierte die Zuhörer vorweg über die jetzt 270-jährige Friedhofsgeschichte und die Probleme im 18./19. Jahrhundert, Protestanten, Katholiken und Lutheraner nebeneinander auf einem Gemeindefriedhof zu bestatten. Bei dem sich anschließenden Rundgang informierten dann er und Volker Schläfer, beide sind Mitautoren der neuen Ortschronik, bei 25 Grabdenkmälern über die Personen und ihre Familien, ihre Tätigkeiten und auch über Einzelschicksale dazu.
Jetzt 100 Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges, erinnern das Denkmal für die 144 Kriegstoten, das Krieger-(Sieges)Denkmal für 1870/71, die Soldatengräber und Steinkreuze für Gefallene des 2. Weltkrieges und ein Gemeinschaftsgrab der Opfer eine Bomberangriffs im Februar 1945, an die schrecklichen Folgen von Kriegshandlungen
Leonhard Sebastian besprach bei der Führung auch die Lebensdaten und Tätigkeiten der hier bestatteten Pfarrer und Volker Schläfer erläuterte Namen und Daten von Personen, die im öffentlichen Leben in Mutterstadt in der Vergangenheit eine wichtige Rolle spielten.
Bei der kleinen, 1952 erbauten Leichenhalle wurde die sich seit dieser Zeit veränderte Bestattungskultur erörtert; Beispiel dafür das erste Urnengrab von 1908 (damals Aschengrab) und der heutige Trend weg vom Familiengrab hin zur Urnenbestattung. lnformationen über das Grab der „Brezelfrau", die 1748 als erste hier bestattet wurde und Erläuterungen am Gedenkstein für die 11 Todesopfer beim BASF-Unglück 1921 gehörten ebenfalls zur Führung.
Nach zwei Stunden war der Rundgang über den alten Friedhof, eine in dieser Art erstmals angebotene Veranstaltung beendet.
Zum Abschluss der besichtigten Gräber und Denkmäler als „Steinerne Momente der Ortsgeschichte", regte Volker Schläfer an, in dem künftigen, wie er es nannte „Park der Geschichte", eine lnformationstafel zur Friedhofschronik und der zu erhaltenden Grabdenkmäler aufzustellen. Der Historische Verein werde dazu der Verwaltung demnächst einen Vorschlag machen. (Text: Volker Schläfer)

Autor:

Michael Hemberger aus Mutterstadt

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