Vom Türspion zum Bloomaul
Warum Andreas Burger genau der Richtige ist
- Andreas Burger, der neue Träger des Bloomaulsorden
- Foto: Wolfgang Neuberth
- hochgeladen von Wolfgang Neuberth
Mannheim. In dieser Stadt werden große Auszeichnungen manchmal ganz unspektakulär vergeben. Kein roter Teppich, kein Vorhang, kein Tusch. Bei Andreas Burger begann alles mit einem harmlosen Klingeln an der Haustür. Seine Frau hatte Besuch angekündigt – mehr nicht. Doch als Burger durch den Türspion blickte und dort drei Herren des Auswahlgremiums erkannte, war klar: Das hier ist kein gemütlicher Abend unter Freunden. „Da wusste ich sofort, um was es geht – und habe trotzdem gedacht: Das kann doch nicht wahr sein“, erzählt er heute.
Ungläubigkeit ist ein Gefühl, das gut zu Burger passt. Laut, schrill oder selbstinszenierend war er nie. „Ich dachte immer, da gibt es genug andere, die lauter sind als ich“, sagt er. Und genau hier beginnt die typische Mannheimer Pointe: Offenbar zählen beim Bloomaulorden nicht die Lautsprecher, sondern die Macher. Die, die anpacken. Die, die da sind, wenn’s kracht – im wahrsten Sinne des Wortes.
Denn wenn in Mannheim irgendwo die Straße offen ist, ein Rohr bricht oder nachts um drei plötzlich Wasser aus dem Boden schießt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Menschen von Sax + Klee vor Ort sind. Rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen täglich dafür, dass unter der Stadt alles läuft. Burger nennt sie liebevoll „600 Bloomäuler“, die draußen, bei Wind und Wetter, „hart, aber herzlich“ ihren Job machen. Dass der Orden nun ihm verliehen wird, sieht er deshalb nicht als Einzelleistung: „Ohne diese Mannschaft wäre das alles nicht möglich.“
Sax + Klee ist eines dieser Unternehmen, die man in Mannheim kennt – selbst wenn man den Namen nicht immer präsent hat. Seit 1909 ist der Betrieb Teil der Stadtgeschichte. Rohr- und Leitungsbau, Kanalsanierung, Glasfaser, Brunnenbau sowie die Instandhaltung der Energie- und Verkehrsinfrastruktur gehören zum Kerngeschäft. Besonders sichtbar wird die Arbeit des Unternehmens bei Notfällen: Eine 24-Stunden-Bereitschaft sorgt dafür, dass bei Rohrbrüchen oder Havarien schnell reagiert werden kann.
Andreas Burger stand 25 Jahre an der Spitze eines der ältesten Mannheimer Familienunternehmen. Gemeinsam mit seinem für den kaufmännischen Bereich zuständigen Geschäftsführer-Kollegen Kai-Uwe Sax, der Ende 2025 in den Ruhestand ging und an seinen Sohn abgab. Damit repräsentiert Burger die vierte Generation der Eigentümerfamilien.
Vorgezeichnet war dieser Weg allerdings nicht. Die Fußstapfen seines Vaters waren groß, der Respekt entsprechend. Nach dem Studium arbeitete Burger bewusst zunächst außerhalb des Familienbetriebs, bevor er 1992 als Bauleiter bei Sax + Klee einstieg. Eine der prägendsten Phasen folgte Ende der 1990er-Jahre: Baukrise, wirtschaftlicher Druck und der Bruch mit der damaligen Hausbank. „Das war die erste echte Bewährungsprobe“, sagt Burger rückblickend. „Hart – aber lehrreich.“
Neben Beton, Bauplänen und Baustellen schlägt sein Herz für das Ehrenamt. Besonders im Jungbusch, dem Standort des Unternehmens, engagiert sich Burger seit vielen Jahren für das Gemeinschaftszentrum, den Nachtwandel und zahlreiche soziale Projekte. Auch die Kultur gehört für ihn fest zur Stadt: Kunsthalle, Nationaltheater, Kunstverein, Technoseum und Luisenpark stehen auf seiner Unterstützerliste.
Ein besonderes Anliegen ist ihm der Nachwuchs. Als Leiter einer gemeinnützigen Stiftung zur Förderung des gewerblichen Nachwuchses im Baugewerbe setzt er sich für Ausbildung und Perspektiven junger Menschen ein. „Ohne gut ausgebildete Fachkräfte gibt es keine funktionierende Stadt“, sagt Burger – eine Aussage, die in Mannheim kaum Widerspruch findet.
Auch überregional ist er gefragt: als Beirats- und Vorstandsmitglied im Verband Bauwirtschaft, als Vizepräsident des Deutschen Rohrleitungsbauverbands und aktuell als Vorsitzender einer Projektgruppe des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, die sich mit der Wärmewende beschäftigt.
Warum also Bloomaulorden? „Das müssten eigentlich die drei Herren selbst beantworten“, sagt Burger lachend. Vielleicht sei es die Mischung aus Verlässlichkeit, Bodenständigkeit, Humor und dem klaren Bekenntnis zu Mannheim. Sein Verhältnis zur Stadt beschreibt er schlicht: „Mannheim hat Ecken, Kanten und Herz – und genau das mag ich.“
Die Ordensverleihung findet am 15. Februar 2026 in der Oper am Luisenpark statt, eingebettet in eine Aufführung des „Barbier von Sevilla“. Wie er den Abend erleben wird? „Mit Dankbarkeit – und sicher auch mit ein wenig Demut.“ Ganz bloomaulig eben.
Autor:Wolfgang Neuberth aus Mannheim |
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