Verabschiedung der letzten Ordensschwestern am Theresienkrankenhaus
- Verabschiedung der Ordensschwestern
- Foto: Brüderklinikum Julia Lanz/Theresienkrankenhaus
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Mannheim. Die letzten vier am Mannheimer Theresienkrankenhaus tätigen Ordensschwestern wurden am Samstag im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes und anschließenden Empfangs für enge Wegbegleitende verabschiedet. Damit endet nach 97 Jahren die Präsenz und das Engagement der Vinzentinerinnen am Theresienkrankenhaus.
Im Laufe der Woche werden die Schwestern Maria-Erika Fischer, Schwester Erika Walter, Schwester Marieta F. Joepgen und Konventoberin Schwester Walburgis Kiefer nach Freiburg in das Mutterhaus des Ordens der Barmherzigen Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul zurückkehren, um dort ihren Ruhestand zu genießen, aber auch neue Aufgaben innerhalb der Ordensgemeinschaft zu übernehmen.
Leben für das Theresienkrankenhaus
„Es ist beeindruckend, was diese Ordensfrauen über die Jahrzehnte hinweg geleistet haben“, so Dr. Ulrike Heesemann, Regionalleiterin Region Tauberfranken-Hohenlohe und Mannheim: „wie bedeutungsvoll und prägend ihr Leben und Wirken hier am Theresienkrankenhaus für Generationen von Menschen war. Wir können nur Danke sagen, was dieser Lebensleistung aber kaum gerecht werden kann“.
Die Schwestern haben den Charakter des christlichen Krankenhauses geprägt und sind Zeitzeuginnen des Wandels der Krankenhausversorgung. Die Vinzentinerinnen waren stets in allen Bereichen des Krankenhauses tätig: in der Pflege, im OP, in der Küche, der Verwaltung, der Kleiderausgabe und vielem mehr. Zu Hochzeiten waren es bis zu 130 Ordensfrauen, die im Theresienkrankenhaus gelebt und gearbeitet haben.
Wie der frühere TKH-Direktor Kurt Hipp es einmal formulierte: „Wenn eine Ordensschwester geht, muss ich dafür drei weltliche Arbeitskräfte einstellen“. So konkretisierte es auch Schwester Marieta, eine der Schwestern die verabschiedet wurden: „Wenn wir im Haus waren, waren wir in Rufbereitschaft. Sobald es irgendwo etwas zu tun gab, sind wir hin und haben geholfen“. Wenn doch etwas Zeit blieb, dann wurde diese genutzt, um Arztkittel zu stopfen, OP-Handschuhe zu pudern oder sich weiterzubilden. „Das, was die Ordensschwestern für dieses Haus getan haben, ist kaum zu ermessen“, sagt Christian Klehr, der als Mitarbeiter auf mehr als 15 gemeinsame Jahre zurückblicken darf: „Wir können uns nur verneigen und dafür bedanken, was die Ordensschwestern hier für die Mannheimer Patient*innen, die Mitarbeitenden und für die gesamte Stadtgesellschaft getan haben.“
So ist es allen voran Konventoberin Schwester Walburgis, die vielen Menschen in Mannheim in Erinnerung bleiben wird. Im Mai 1963 kam sie ans Theresienkrankenhaus, machte hier ihre Ausbildung zur Krankenschwester und arbeite auf Stationen und im OP. Sie bildete sich weiter, wurde Unterrichtsschwester und Fachkraft für Hygiene – als eine der ersten in der Region. Nach dem Tod von Konventoberin Ludovika übernahm Schwester Walburgis diese Aufgabe und später noch viel mehr. Zusammen mit den Verwaltungsdirektoren vertrat sie die Interessen des Krankenhauses. „Ich war immer Mädchen für alles“, sagt die 84jährige. So wird sie vielen Mitarbeitenden und Patienten in Erinnerung bleiben: Immer da, wo sie gebraucht wurde, immer bestens informiert, stets zurückhaltend und doch immer sprachfähig, immer mit offenem Ohr und einem guten Wort für ihre Mitmenschen.
Tief in Mannheim verwurzelt ist die 78jährige Schwester Marieta, die zuletzt in der Krankenhausseelsorge tätig war. Sie ist hier aufgewachsen und hatte als Kind bereits Kontakt zum TKH, da ihre Mutter hier gearbeitet hatte. Sie machte eine Ausbildung zur Krankenschwester, später eine Weiterbildung in Anästhesiepflege. 1966 trat sie in den Orden ein. Sie arbeitete unter anderem als Ausbilderin am TKH und am Heidelberger St. Josefskrankenhaus und kam immer wieder nach Mannheim zurück. 1990 begann sie ihre Tätigkeit in der Seelsorge. „Wir waren hier zuhause“, sagt sie und fügt hinzu: „Am meisten werde ich die direkte Art der Mannheimer vermissen“.
Auch kulinarisch wird es Einschnitte geben, wenn die Ordensschwestern gehen. Denn in der Küche war die 88jährige Schwester Erika zuhause. Ursprünglich aus dem Kinzigtal kam sie in den 60er Jahren nach Mannheim und absolvierte 1967 am Theresienkrankenhaus die Ausbildung zur Diätassistentin. In den 70ern kochte sie mit nur fünf anderen Mitschwestern das Essen für alle Patienten und die Belegschaft. Bis zuletzt fand man sie in der Küche, wo sie in den letzten Jahren vorwiegend Kuchen gebacken hat, die im TKH überall gerne gesehen waren.
Die 86jährige Schwester Maria-Erika ist die vierte Ordensfrau, die zurück nach Freiburg wechselt. Sie war in den 70er Jahren ursprünglich im Mutterhaus in Freiburg, musste aber aus gesundheitlichen Gründen immer wieder als Patientin nach Mannheim ans TKH. Irgendwann blieb sie hier und entdeckte ihre Vorliebe für Stoffe aller Art. Deshalb arbeitete sie später vornehmlich in der Kleiderausgabe. Mehr als tausend Mitarbeitende mit Dienstkleidung in dreifacher Ausstattung – die Kleidungsstücke mussten gepflegt, gereinigt und gestopft werden. Das lag in der Verantwortung von Schwester Maria-Erika.
„Wenn ich die Schwestern nach den schönsten Erlebnissen frage, dann ist die Antwort: die Feste und Feiern. Das gemeinsame Feiern was Ausdruck ihrer Haltung, von Gemeinschaft sowie Lebensfreude und Dankbarkeit, auch und gerade dort, wo der Alltag oft schwer war.“, so Kathrin Federmeyer, Direktorin Unternehmenskultur. „Es sind jedoch die Begegnungen mit ihnen, die uns alle geprägt haben. Erleben zu dürfen, mit welcher Selbstverständlichkeit Verantwortung übernommen wurde, mit welcher Klarheit und Bescheidenheit. Ihre stille Präsenz hat vielen Menschen Halt gegeben und Spuren hinterlassen, die uns auch in Zukunft leiten werden“.
Die Generaloberin des Ordens der Barmherzigen Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul Schwester Gertrudis blickte in ihrer Ansprache zurück auf die Anfänge des TKH-Konvents und dessen Wirken und Schaffen bis heute. Sie drückte ihren aufrichtigen Dank aus für eine lange Zeit des herzlichen Miteinanders zwischen Mitarbeitenden und Ordensschwestern aus: „Sie haben hier Großes geleistet“, sagte sie.
Regina Hertlein, Vorstandsvorsitzende des Mannheimer Caritasverbandes, würdigte in ihrer Rede das Engagement des Ordens für die Menschen. Sie bedauerte sehr, dass sich mit den Vinzentinerinnen der letzte deutsche Ordenskonvent aus Mannheim zurückzieht. Sie berichtete an konkreten Beispielen, wie liebevoll die Ordensschwestern ihren Dienst getan haben: So erzählte sie davon wie der ehemalige Dekan Karl Jung als Patient im Theresienkrankenhaus war und von einer Schwester mit einer Decke versorgt wurde, damit er auf dem Weg in den OP nicht frieren musste. Oder wie Schwester Walburgis jedes Jahr in mühevoller Kleinarbeit die Krippe in der Kapelle aufgebaut hat. „Sie haben die Herzen in Mannheim zum Blühen gebracht. Wir verneigen uns vor der ganzen Ordensgemeinschaft“, sagte Regina Hertlein – gefolgt von lang anhaltendem Applaus der mehr als 300 Gäste.
Dr. Frank Zils, Geschäftsführer der BBT-Gruppe, würdigte in seiner Ansprache das Wirken der Schwestern: „Ihr Weggang ist ein schmerzlicher Einschnitt – verbunden mit Trauer und Enttäuschung. Was aber bleibt ist der Auftrag, den Dienst am Menschen als praktizierte Nächstenliebe weiterzuführen – Ihr Vermächtnis“.
Der Generalobere der Barmherzigen Brüder von Maria Hilf Peter Berg würdigte die Schwestern abschließend: „Sie haben unheimlich viel aufgebaut in dieser Zeit, sie haben so viel gewirkt und geschenkt für die Menschen dieser Stadt und darüber hinaus. Was bleibt ist nicht nur die Erinnerung, sondern ein Werk, das sie geschaffen haben. Wir sind Ihrem Erbe verpflichtet und dessen sind wir uns bewusst.
Geschichte der Vinzentinerinnen in Mannheim
Die Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul haben in Mannheim eine lange Tradition: Bereits Kurfürst Carl Theodor berief im Jahr 1792 die ersten Schwestern aus dem Elsaß nach Mannheim, um am damaligen Katholischen Bürgerhospital kranke Menschen zu pflegen. Diese durften aus politischen Gründen allerdings nur vier Jahre bleiben. 1889 vermachte die wohlhabende Mannheimerin Theresia Müller ihr Haus in T5, 3 dem bischöflichen Ordinariat in Freiburg mit der Auflage, dort eine Mädchenherberge mit dem Namen „Theresiahaus“ und unter Leitung der barmherzigen Schwestern einzurichten. 1903 wurde dort zusätzlich eine Krankenstation mit 40 Betten eröffnet. Das „alte Theresienkrankenhaus“ wurde aber schnell zu klein, weshalb sich die Ordensleitung der Barmherzigen Schwestern in Freiburg dazu entschloss, ein neues, zeitgemäßes und ausreichend großes Krankenhaus zu bauen. Am 15. Dezember 1929 läuteten zum ersten Mal die Glocken der Theresienkapelle, womit das Theresienkrankenhaus offiziell eröffnet wurde. 70 Ordensschwestern und 70 Angestellte kümmerten sich damals um 345 Patienten. In den 70er Jahren waren mehr als 130 Vincentinerinnen in der Krankenpflege tätig. Spätestens seit dem Jahrtausendwechsel schrumpfte die Zahl der Schwestern am Theresienkrankenhaus stetig, bis der Konvent zuletzt nur noch aus vier Ordensfrauen bestand.red
Autor:Karin Hoffmann aus Ludwigshafen |
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