Weniger Aktive: Städte gehen neue Wege – Ehrenamt als Glücksrezept
- Der historische Verein machte den Bunker am Tag des offenen Denkmals zur Erlebniszone. Um das Denkmal sind noch viele lokalgeschichtliche Events geplant. Die heimatgeschichtlichen Vereine ziehen viele Aktive an, auch junge Menschen.
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Ludwigshafen. Langeweile macht unzufrieden, deshalb blicken manche Menschen mit Sorge der Rente entgegen. Wer hingegen Freizeit für sich sinnstiftend nutzt, bleibt zufrieden und glücklicher, sagen Psychologen. Warum nimmt die Zahl der Ehrenamtler trotzdem ab und wie steuern Städte entgegen?
Von Julia Glöckner
Vor allem Rentner starten im Ruhestand gerne nochmal mit einer neuen Aufgabe durch. Vereine wünschen sich allerdings auch junge Menschen und solche mittleren Alters. Warum Vereine und Organisationen etwas weniger Zulauf haben als in den 90ern, hat viele Gründe. Arbeitszeitverdichtung, strafferes Studium, Digitalisierung, viel mehr Wahlmöglichkeiten. Bis 2006 sah man im Verein die Chance, Leute zu treffen, Freunde zu finden, Gleichgesinnte zu suchen. Heute vereinbaren viele über Freizeit-Plattformen wie Meet 5, Freizeitclub oder Tinder ein Treffen mit Bekannten oder ein Date für den Abend. Die Kontakte, die entstehen, sind leider oft sporadisch, oberflächlich und unverbindlich, in vielen Fällen nicht von Dauer. Tiefe Freundschaften entstehen im Netz deutlich seltener.
Ein klarer Trend zeigt sich laut einer Studie der Humboldtuniversität. Junge Menschen interessieren sich nach wie vor stark fürs Ehrenamt, sie schrecken aber vor zeitintensiven Führungsaufgaben zurück. Beliebt sind bei ihnen vor allem Sportvereine oder Organisationen, die die Postwachstumsgesellschaft schon heute leben. Viele Städte greifen daher auf Tools zurück, die genau das passende Ehrenamt vermitteln, um die ganze Bandbreite aufzuzeigen.
Der Posten muss zur Persönlichkeit passen. Manche Städte bieten Workshops an, die Bürgern helfen, das für sie passende Ehrenamt zu finden. Aktion Mensch stellt den Engange-o-Mat, dem man ein paar Fragen beantwortet – und der dann mit seinen Such Bots eine Liste mit Posten ausspuckt, die in Frage kommen. Vehra aus Ludwigshafen berät Menschen, die sich für eine unentgeltliche Tätigkeit interessieren. „Vor der Corona Zeit haben wir jedes Jahr mehr als 400 Gespräche geführt und davon zirka ein Drittel der Interessenten in ein Ehrenamt vermittelt“, berichtet der Vorsitzende der Vehra Ehrenamtsbörse, Jürgen Hundemer. Die Börse ist seit Mai auch im Netz zu finden. Interessierte können die zahllosen Ehrenämter über einen Button auf der Website auflisten und schmöckern.
Viele Fragen sollte man für sich schon vorher klären. Denn sonst fängt man etwas an, das bald keinen Spaß mehr macht. Empathen, die einen sozialen Beruf haben oder hatten, wollen vielleicht auch in der Freizeit helfen. Hatte man berufliche Führungsaufgaben, will man vielleicht wieder Verantwortung. Man muss sich über vieles klar werden. Wie viel Stunden pro Woche will ich mich einbringen? Was will ich erreichen? Wie kann ich meine Fähigkeiten am besten einsetzen? Will ich Neues erfahren, mit den Händen arbeiten oder Umgang mit Menschen?
Das Ehrenamt hält die Gesellschaft zusammen. In Städten und Kommunen halten die Aktiven viele Dinge am Laufen, die sonst nicht zu stemmen wären. In Ludwigshafen stellen sie am Wochenende Sicherheitspoller für Feste auf, helfen bei Organisation des Filmfestivals und der After-Work-Partys mit, sammeln Müll ein, führen durch die Stadt bei den Wow City Tours, suchen politische Lösungen oder organisieren den Karneval. Vom Mehrwert profitiert die Stadtgesellschaft. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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