Wahlausgang in Ludwigshafen: SPD verliert, CDU und AfD legen zu
- Wahl-Ergebnisse für Ludwigshafen: Wie lassen sie sich erklären?
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Ludwigshafen. Die SPD war jahrzehntelang die stärkste Kraft in Rheinland-Pfalz. Seit 2011 hat sie jedoch vielerorts das schlechteste Ergebnis eingefahren. CDU und AfD konnten fast überall Stimmen gewinnen. Wie erklären Politikwissenschaftler diesen Trend in ehemaligen SPD-Hochburgen wie Ludwigshafen?
Von Julia Glöckner
Landtagswahlen lassen sich auch als Wahlen mit Signalwirkung für die Bundesparteien verstehen. Sie zeigen, wie zufrieden die Wähler mit dem Kurs der Bundesparteien sind. Unzufriedenheit über die stagnierende Wirtschaft und strukturelle Probleme könnten viele Wähler dazu bewegt haben, die CDU zu wählen, die im Wahlkampf ihr Leitthema "Wirtschaftsstärke" besonders betonte. Zudem thematisierten die Christdemokraten das Thema Bildung in der Stadt mit vier Brennpunktschulen und das Thema Sicherheit.
Hinzu kommt, dass Parteibindungen, wie sie in klassischen Parteihochburgen einmal existierten, seit den 1980er-Jahren deutlich zurückgehen. Die traditionellen gesellschaftlichen Parteimilieus lösen sich auf – bedingt durch Trends wie Individualisierung, Säkularisierung, gesellschaftliche Durchlässigkeit und den Rückgang des Vereinslebens, das in den 1970ern oft von Parteien organisiert wurde. Auch CDU und FDP verlieren seit den 1980ern zunehmend Stammwähler, während die Zahl der Wechselwähler wächst. Gleichzeitig fragmentiert das Parteiensystem weiter, was den großen Parteien weiteres Wählerpotenzial kostet.
Der Verlust von Stammwählern trifft ehemalige SPD-Hochburgen besonders, vor allem in Städten, die vom Strukturwandel und sozialen Problemen betroffen sind. In Ludwigshafen lebten jahrzehntelang vor allem Arbeiter, die seit den 80ern von Abbauprogrammen betroffen sind. Junge Menschen sind zudem mobiler. Es ist demnach schon rein statistisch gesehen plausibel, dass sich die Abnahme von Parteien-Wähler-Bindungen in Ludwigshafen seit den 70ern stärker zeigt. Im Vergleich mit dem Trend auf Landesebene weicht er in den vergangenen Jahren in Ludwigshafen nicht mehr ab. Trotz dieser Verluste bleibt die SPD in fast allen Wahlkreisen – mit Ausnahme von Ruchheim und West – 2026 die stärkste Partei (Zweitstimme).
Ergebnisse im Wahlkreis I in Ludwigshafen
| Partei | Prozent 2026 | Prozent 2021 | Differenz |
|---|---|---|---|
| Bündnis 90/Die Grünen | 8.7 | 12 | -3.3 % |
| CDU | 23.8 | 19.3 | +4,5 % |
| SPD | 28 | 36.8 | -8.8 % |
| FDP | 2.0 | 5.6 | -3.6 % |
| AfD | 22.1 | 12 | +10.1 % |
| Die Linke | 7.1 | 3.9 | +3.2 % |
| BSW | 2.6 | - | 2.6 % |
Das AfD-Ergebnis ist das bisher stärkste in einer Landtagswahl in westdeutschen Bundesländern. Vor allem im Wahlkreis Ludwigshafen II (26 Prozent) in Ludwigshafen und Primasens punktete die AfD. Die Rechtspopulisten setzten im Wahlkrampf insbesondere in Städten im Strukturwandel und sozialen Problemen auf teure, populistische Social-Media-Kampagnen. So ließ sich Protest kanalisieren und Ängste sowie Unzufriedenheit schüren. Besonders starke Stadtteile für die AfD waren die Stadtteile Gartenstadt (bei der Erststimme) und West (bei der Zweitstimme), getrieben durch die beiden Einzugsgebiete Bayreuther Straße und Kropsburgstraße. Dennoch zeigen die Daten, dass die AfD-Wählerzahlen seit der letzten Kommunalwahl in allen Stadtteilen Ludwigshafens und den rheinland-pfälzischen Wahlkreisen deutlich zurückgegangen sind.
Auch die beiden Parteien am linken Rand, BSW und Die Linke, konnten in den vergangenen Jahren in Ludwigshafen deutlich Wähler gewinnen. Sie setzten im Wahlkampf auf soziale Gerechtigkeit, bezahlbares Wohnen, sichere Renten und starke soziale Sicherung.
Die SPD war seit den 1970ern in allen Legislaturen die regierungsbildende Partei. Je länger Parteien an der Macht sind, desto wahrscheinlicher verlieren sie außerdem an Mobilisierungskraft. Kommt eine anhaltende Multi-Krise mit stagnierender Wirtschaft und Inflation hinzu, tritt dies noch eher ein. jg
Ergebnisse im Wahlkreis II in Ludwigshafen
| Partei | Prozent 2026 | Prozent 2021 | Differenz |
|---|---|---|---|
| Bündnis 90/Die Grünen | 5.8 | 7.6 | -1.8 |
| CDU | 25.8 | 23.2 | +2.6 |
| SPD | 28.4 | 38.8 | -10.4 |
| FDP | 1.5 | 5.4 | -3.9 |
| AfD | 26.9 | 13 | +13.9 |
| Die Linke | 3.8 | 2.4 | +1.4 % |
| BSW | 2.2 | - | +2.2 |
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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