Stadtfüchse in Ludwigshafen: Welpen erobern Innenhöfe auf der Parkinsel
- Die Fuchskinder sind mittlerweile halbwüchsig. Hinter dem Leerstand der ehemaligen Metzgerei Wackenhut, später Elektrofachgeschäft, finden die scheuen Wildtiere in den Morgenstunden Ruhe. Der Garten wird so gut wie nie betreten.
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Ludwigshafen-Süd. Durch offene Fenster sind sie um Mitternacht zu hören und morgens um 4 Uhr, wenn sie von ihrem nächtlichen Streifzug zurückkommen. Auf einem der Grundstücke 22 bis 30 der Otto-Dill-Straße muss der Fuchsbau liegen. Stadtfüchse haben sich in den Gärten des Innenhofs der Blockrandbebauung angesiedelt.
Von Julia Glöckner
Nachbarn der Schwanthalerallee staunten nicht schlecht, als sie im April die Fuchswelpen zum ersten Mal durchs Fenster m Garten sitzen und spielen sahen, als wäre er eine Waldlichtung. Seitdem werden sie mindestens drei Mal pro Woche von den Bewohnern der Schwanthalerallee und der Otto-Dill-Straße gesichtet. Als im Juni gemäht wurde, zogen sie sich ins Dickicht zwischen den Gärten zurück, mittlerweile sind sie genauso oft im Garten wie vor der Mahd. Nacht für Nacht sind sie zu hören, wenn sie rufen, sich verständigen und die beiden Welpen miteinander balgen.
Während Füchse vor Jahren noch ausschließlich im Wald und Stadtwäldchen wie dem auf der Parkinsel siedelten, drängen sie immer mehr in den urbanen Raum vor. In Ludwigshafen sind es vor allem Waschbären, Füchse, Marder, Gänse und Kaninchen. Erfolgreich erobert haben sich auch bereits Tauben, Mauersegler und Hausrotschwänze, Ratten, Mäuse die urbanen Räume, und es werden immer mehr Tierarten. In Amsterdam spazieren zahme Graureiher über Marktplätze und Straßen und hoffen darauf, dass Reste des Fischmarkts für sie abfallen. In Sydney siedeln Flughunde in Parks – in Ludwigshafen haben Fledermäuse die Parkinsel als Lebensraum entdeckt, wo sie spätabends auf Insektenjagd gehen.
Reich gedecktes Buffet
Auf den Grundstücken der Schwanthalerallee findet man morgens leere Grillschalen und zerfetzte Alufolie. In Mülltonnen, die die findigen Tiere zu öffnen gelernt haben, und im Kompost finden Wildtiere wie Füchse Nahrung im Überfluss. Der Fuchs in Allesfresser. Hinzu kommt, dass Mäuse und Ratten dem Menschen längst mit großem Erfolg in die Städte gefolgt sind. Sie gehören zu den typischen Beutetieren des Fuchses. Im urbanen Raum findet er mehr davon als in den Stadtwäldchen und Forsten. Zwischen Wohnhäusern und Gewerbegebieten werden die Tiere außerdem weniger stark bejagt. Sie können sich schneller vor Spaziergängern und Joggern verstecken als in lichten Stadtwäldern. Die Stadtfüchse unterscheiden sich inzwischen genetisch von den Füchsen in den Wäldern.
Unwegsames Gelände
Auch bei Regen und Unwettern bieten Stadträume Unterschlupf. Über mehrere Gärten des Innenhofs zwischen Otto-Dill-Straße, Schwanthalerallee und Parkstraße wuchert seit Jahren unkontrolliert wilder Wein. Kellergebäude und EGs der ehemaligen Einzelhandelszeile der Parkinsel stehen leer. Die Füchse finden dort tagsüber Zuflucht, ruhige Schlafplätze und Schatten auf dem überwuchertem, unwegsamen Gelände.
Ängste schüren die Füchse in der Nachbarschaft nicht. Tagsüber schlafen sie, der Fuchsbandwurm wird in Deutschland kaum noch nachgewiesen. Deutschland gilt laut BUND seit Jahren als tollwutfrei. Während Wildschweine in Städten immer wieder zur potenziellen Gefahr für Mensch und Tier werden und erschossen werden müssen, zeigen sich Füchse weiterhin sehr scheu. Wenn man sie füttert, können sie diese Scheu allerdings verlieren und dann zu hartnäckigen Störenfrieden werden.
Warum immer mehr Wildtiere kommen
Mit der wachsenden Präsenz von Wildtieren im urbanen Raum rückt auch ein Forschungsfeld zunehmend in den Mittelpunkt, das von der Biologie lange eher stiefmütterlich behandelt wurde: die Stadtökologie. Sie untersucht, wie Tiere den urbanen Lebensraum erobern, welche Folgen die Verstädterung für ihr Verhalten hat und wie das Zusammenleben von Mensch und Wildtier funktioniert.
Viele Fragen sind noch nicht geklärt. Warum zieht es gerade in den letzten Jahren so viele Tiere in die Städte? Welche Arten sind besonders anpassungsfähig und profitieren mehr als andere von den neuen Siedlungsräumen? Wo siedeln sie im Stadtraum, wann streifen sie umher und wie verändert sich die Lebensweise der tierischen Stadtbewohner? Als Hauptgrund für Eroberung der Stadträume gilt die Zersiedelung der Natur.
Vor Wildtierfotografen und Hobbyforschern finden die Füchse in den Gärten zwischen Schwanthalerallee und Otto-Dill-Straße ebenfalls Zuflucht. Hohe Mauern, Hecken und unwegsames Gelände schützen nicht nur vor Einbrechern, sondern auch vor neugierigen Blicken.jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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