Schau im Braun-Museum: Von der Jahrhundertflut zum aktuellen Hochwasserschutz

Im Juni 2024 stand unter dem auf Stelzen gebauten OAI das Wasser. 
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Ludwigshafen. Das Juni-Hochwasser 2024 wurde in vielen Ortschaften entlang der Donauzuflüsse zwischen Ulm und Regensburg zur Jahrhundertflut. Hätten Retentionsflächen am Rhein die Wassermassen – wie etwa in Rastatt – nicht zurückgehalten, wären auch in Ludwigshafen die Pegel kritisch gestiegen.

Von Julia Glöckner

Eine Jahrhundertflut erlebte Ludwigshafen am 29./30. Dezember 1882/1883 mit Rekordpegeln. Diese schwollen innerhalb weniger Stunden auf 9,17 Meter an. Die Durchschnittswerte liegen sonst bei 3 Metern. Viele Deiche brachen, auch der in Oppau. Die Flutwelle riss die Häuserfronten in Friesenheim, Oppau, Edigheim und Hemshof sowie in Oggersheim ein und zerstörte ganze Quartiere. 36 Menschen starben, 4.200 Menschen wurden wohnungslos.

Dammbau und Hochwasserschutz sind angesichts des fortschreitenden Klimawandels bis heute ein dringliches Thema. Während derart extreme Jahrhundertfluten bislang statistisch nur alle 100 Jahre vorkamen, sind sie heute alle 20 bis 30 Jahre wahrscheinlich. Das Oppauer Gelände bildet eine Mulde. Würde der Deich brechen, könnte es wie eine Badewanne volllaufen; das Wasser stünde dann bis zu 9 Meter hoch in der Siedlung. Die Deiche sind heute allerdings besser aufgestellt als 1882. Die SGD Süd wartet sie ständig. Auch in den vergangenen Jahrzehnten angelegte Retentionsflächen und Polder halten die Wassermassen heute bei Hochwasser zurück – zumal der mächtige Strom durch die Rheinbegradigung deutlich mehr Wasser führt und schneller fließt. Polder und Retentionsflächen werden in den kommenden Jahren weiter ausgebaut. Frank Meier, Ortsvorsteher von Oppau, sagte in seinem Grußwort: „Allerdings zeigte sich in der Vergangenheit schon Ereignisse, bei denen die Muttererde hinter dem Damm durch anhaltenden Niederschlag aufgelöst war.“ Er betonte, wie wichtig es für jeden einzelnen sei, sein Gebäude gut zu versichern und das Kanalsystem richtig auszulegen, die WBL biete dabei eine kostenlose Beratung. 

Die Retentionsräume am deutsch-französischen Grenzgebiet Rastatt hielten riesige Wassermassen im Juni 2024 zurück | Foto: Julia Glöckner
  • Die Retentionsräume am deutsch-französischen Grenzgebiet Rastatt hielten riesige Wassermassen im Juni 2024 zurück
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Die Ausstellung „Der Rhein: Vom Uferidyll zur Hochwasserkatastrophe“ dokumentiert das Jahrhundertereignis im Karl-Otto-Braun-Museum anhand von Fotos, Karten, Bildern, Infotexten, Filmen und Exponaten. Außerdem werden der Wiederaufbau und die Katastrophenhilfe dokumentiert. „Themen sind auch die erwarteten Auswirkungen des Klimawandels, die Rolle der Auen als Erholungsorte und Retentionsräume sowie die Rheinbegradigung durch Tulla, bei der Flussschlingen – und damit Retentionsräume – abgetrennt wurden und Siedlungen an den Fluss heranwuchsen“, erklärte die Volontärin des Stadtmuseums Lana Simon, die die Ausstellung recherchierte. Daneben thematisiert die Ausstellung die Umweltgesetze seit den 1970ern, den aktuellen Hochwasserschutz, den Selbstschutz der Bevölkerung durch Auslegung des Hausabwassers sowie den Gebäudeschutz. Wer Ludwigshafen in den 70ern erlebte, weiß, dass tote Fische im Hafenbecken schwammen und Schnee im Stadtgebiet eine braune Farbe annahm. Heute könnte man im Rhein wieder baden, wenn die Strömung nicht viel zu gefährlich dafür wäre. 

Ganze Parkplatzflächen in den Rheinauen, die Erholungsort sind, waren im Juni 2024 geflutet.  | Foto: Julia Glöckner
  • Ganze Parkplatzflächen in den Rheinauen, die Erholungsort sind, waren im Juni 2024 geflutet.
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Befürchtungen vor Hochwasser – gar einer Jahrhundertflut – halten sich  in Deutschland. Zu Recht: Durch vermehrte, starke Niederschlagsereignisse sind die Kanalsysteme oft stark beansprucht und erreichen ihre Grenzen. Nach Einschätzungen von manchen Experten, je nach Szenario, kann es in Zukunft in Intervallen von wenigen Jahren zu sogenannten Jahrhundertereignissen kommen. Auch resiliente Städte nach dem Schwammstadtprinzip sind daher ein Thema. jg

Weitere Informationen:
Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. März.
Sonntag, 1. Februar, 15 Uhr: Vortrag „Hochwasser- und Starkregenvorsorge“ in Ludwigshafen, Rainer Ritthaler;
Sonntag, 1. März, 15 Uhr: Vortrag „Katastrophenschutz ist unsere Arbeit – das THW“;
Samstag, 14. März, 12 Uhr: Führung im Haus „Leben am Strom“ in Neupotz; Entwicklung des Hochwasserschutzes sowie Auswirkungen auf die Menschen; Anmeldung bis 7. März an lena.simon@ludwigshafen.de
oder telefonisch unter 0621 5042574;
Samstag, 21. März, 14 Uhr: Entdeckungstour über die Parkinsel Ludwigshafen; Anmeldung an 3Auwald@gmail.com
oder telefonisch unter 06233 3004109;
Sonntag, 29. März: 15 Uhr: Kinderworkshop zum Rheingold & Führung; 16 Uhr: Finissage;
für eine Beratung zum Hochwasserschutz am Gebäude, können Interessierte sich beim Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen (WBL) zu geeigneten Schutzmaßnahmen beraten lassen, der sich Objekte anschaut und bei Schwachstellen berät. Die Wanderausstellung kann ausgeliehen werden. 

Retentionsräume (Rheinauen) bei Rastatt sind keine Polder, sondern sie sind immer offen. Bei Hochwasser füllen sie sich.  | Foto: Julia Glöckner
  • Retentionsräume (Rheinauen) bei Rastatt sind keine Polder, sondern sie sind immer offen. Bei Hochwasser füllen sie sich.
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Retentionsräume (Rheinauen) bei Rastatt sind keine Polder, sondern sie sind immer offen. Bei Hochwasser füllen sie sich.  | Foto: Julia Glöckner
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Julia Glöckner aus Ludwigshafen

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