Nitrat in Gartenbrunnen und Grundwasser: Kreis mancherorts hochbelastet
- Die Nitratwerte sinken trotz Maßnahmen zur Reduktion der Nitratbelastung nur langsam. Jahrzehntelang wurde viel gedüngt, die strengeren Düngeregeln erst nach und nach seit den 90ern eingeführt.
- Foto: Raphael Koch/stock.adobe.com
- hochgeladen von Julia Glöckner
Rhein-Pfalz-Kreis. Der VSR-Gewässerschutz hat erstmals die Entwicklung der Nitratbelastung in Gartenbrunnen von 2001 bis 2025 ausgewertet. Die Studie fußt auf 824 Wasserproben aus Brunnen privater Besitzer.
Die Untersuchungen zeigen, dass viele Gartenbrunnen weiterhin Nitratwerte von mehr als 50 Milligramm pro Liter aufweisen. Dieser Wert gilt seit 1991 als Schwellenwert, der nicht überschritten werden darf. „Während in den Jahren 2001 bis 2005 noch 37,5 Prozent der Brunnen den Grenzwert überschritten, waren es im Zeitraum 2021 bis 2025 immer noch 25,6 Prozent. Besonders problematisch ist, dass der Anteil der Brunnen mit einer Nitratbelastung von über 100 mg/l im gesamten Zeitraum nur auf 8 Prozent sank“, erläutert Harald Gülzow, der die Nitratuntersuchungen im Rhein-Pfalz-Kreis von Beginn an begleitet.
Trotz rückläufiger Werte sieht der VSR-Gewässerschutz weiteren Handlungsbedarf. "Es zeigt sich, dass die Maßnahmen in der Landwirtschaft zur Verringerung der Nitratbelastung im Grundwasser Wirkung zeigen. Allerdings ist die Nitratbelastung bisher nicht wie gehofft gesunken“, lautet das Fazit von Gülzow.
Auch in diesem Jahr wird das Labormobil wieder im Rhein-Pfalz-Kreis unterwegs sein, um die Nitratbelastung und ihre Entwicklung weiter zu beobachten. Termine sowie weitere Ergebnisse und Grafiken veröffentlicht der Verein auf seiner Website.
Nach Angaben des VSR-Gewässerschutzes liegen nitratbelastete Brunnen oft außerhalb der Wasserschutzgebiete, wo etwa Trinkwasser entnommen wird. In diesen Schutzgebieten hätten viele Wasserversorger früh reagiert und Maßnahmen zur Senkung der Nitratbelastung eingeleitet. „Ihnen war klar geworden, dass sie sich nicht auf die Politik verlassen können. Die Regelungen für die Aufbringung von Dünger waren nicht ausreichend, um längerfristig den Trinkwassergrenzwert von 50 mg/l einzuhalten“, erläutert Harald Gülzow.
Daraus entstanden freiwillige Kooperationen mit Landwirten. Durch effizienteren Düngereinsatz und gewässerschonendere Anbausysteme, die über gesetzliche Vorgaben hinausgehen, wird dort die Nitratbelastung des Grundwassers seit Jahren reduziert. Gleichzeitig könnten dadurch aufwendige und teure Verfahren zur Nitratentfernung vermieden werden.
Der VSR-Gewässerschutz fordert jedoch, die Nitratbelastung auch außerhalb von Wasserschutzgebieten flächendeckend zu senken. Gartenbesitzer sollten ihr Brunnenwasser ohne gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier zum Gießen, zur Befüllung von Teichen oder als Tränkwasser nutzen können. Zudem gelangt nitratbelastetes Grundwasser in Bäche und Flüsse, die die Nährstoffe bis in die Nordsee transportieren. Dort fördert die hohe Nährstofffracht das Algenwachstum und gefährdet Wasserlebewesen. „Eine Verringerung der Nitratbelastung ist dringend nötig, um die Artenvielfalt zu fördern“, erklärt Harald Gülzow. jg/red
- Harald Gülzow untersucht die Brunnenwasserproben
- Foto: Ruben Wiltsch
- hochgeladen von Julia Glöckner
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.