Mit Stadtumbau um Hochstraße wandelt sich Netz an Fuß- und Radwegen
- An der Ecke Bürgermeister-Hoffmann-Straße/Wörthstraße steht laut Buchholz nur noch der Mittelstreifen. Rechter und linker Streifen der Hochstraße befinden sich im Abriss und Neubau.
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Ludwigshafen. Bei seiner Baustellentour zeichnete Helmut Buchholz anhand von Plänen des Areals um die Hochstraße ein differenziertes Bild davon, wie die neuen Wege für Auto, Rad und Fußgänger nach dem Stadtumbau bis 2031 aussehen werden. Ein Teil der Rampen des Brückenkopfs der Schumacher-Brücke zur BASF-Seite hin wird verschwinden, genauso wie die Rad- und Fußwege auf dem Damm, der diese bislang trägt. Dafür wird es viele neue Routen und Schleichwege geben.
Julia Glöckner
Tourstart ist das Rheinufer unter der Schumacher Brücke. Wo heute noch ein der Monsterbrückenkopf ein Labyrinth aus 15 Auf- und Abfahrten bildet, sollen bis 2031 deutlich weniger Auf- und Abfahrten über die Bahntrassen verlaufen. Die Hauptrampe führt in einer S-Kurve auf die neue ebenerdige Kohl-Allee, genau dort, wo heute der Rathausturm steht.
Erst auf Höhe des heutigen Bowlings Centers, leicht nach Süd-Ost verschwenkt zur heutigen Pasadenaallee, führt eine Rampe den Verkehr über die Gleise zur A650 hinaus. „Reste einer Treppe führen bis heute von der Schumacher-Brücke in Uferhöhe hinunter. Sie brachte einst Fußgänger zum Konzert unter der Brücke und auf Schleichwegen in den Hemshof. Bis heute sind Leute zu Fuß auf der Brücke unterwegs“, sagt Buchholz. „Doch die Frequenz an flanierenden Nachmittagsspaziergängern zwischen Mannheim und Ludwigshafen war nicht groß, weshalb man die besagte Fußgängerverbindung, die entlang einer Rampe verlief, abriss.“ Der neue Brückenkopf wird auf beiden Seiten neue Rad- und Fußwege hinunter auf die Allee führen.
Ingenieurskunst aus den 60ern
Die Tour führt an der BASF-Sonderstrecke entlang, die morgens Mitarbeiter aufs Werksgelände bringt und nachmittags zurück zum Hauptbahnhof. Die Sonderstrecke verläuft zunächst über eine Rampe, dann in das Tunnelsystem hinein, das sich unter Rathauscenter und Danziger Platz erstreckt. Entstanden sind die Tunnel in Jahren überschwappender Haushalte, als LU zur U-Bahn-Stadt werden wollte.
- Die Linie 44 bringt morgens Werksmitarbeiter auf die Werkgelände in Oppau. Mittags fährt sie in entgegengesetzte Richtung zum Hbf.
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Das Rad- und Fußwegenetz um die Schumacher-Brücke ist ein von ehemaligen Brückenplanern komplex durchdachtes System von Auf- und Abfahrten. Buchholz führt die Gäste vorbei an zwei verwaisten Picknickplätzen, wo Reste von Betonmöbeln daran erinnern, dass hier Treffpunkte für lauschige Sommerabende entstehen sollten. „Warum die Plätze nicht angenommen wurden, ist mir schleierhaft“, sagt Buchholz. „Man kam zur Einsicht, das wird nichts.“
Der neue Brückenkopf wird deutlich kleiner werden. Der bisherige ist Ergebnis komplexer Ingenieurskunst aus den 60ern. Er wird teilabgerissen, weshalb auch der Würfelbunker weichen muss. Der Rückbau wird teuer.
Der einstige Schleichweg für Radler zwischen Ecke Dessauerstraße/Von-Tann-Straße und City ist mit der Baustelle gesperrt worden und wird für immer verschwinden. „Wer ihn vermisst, darf sich freuen, dass es mit der neuen Kohl-Allee mehr Radverbindungen zwischen Hemshof und City geben wird", sagt Buchholz. Die einzigen Verbindungen bestehen heute über den Carl-Wurster-Platz, Sumgaitallee und Gräfenaustraße.
Von der Haveringallee aus blickt man bereits auf ein Stück vorbereiteten Baugrund für die ebenerdige Kohl-Allee. „Sie wird mit 4 bis 8 Spuren nicht unbedingt stadtteilverbindend wirken“, sagt Buchholz. „Immer wieder werde ich gefragt, warum man sich für den Abriss des Rathauses nicht Dynamit besorgt. Damit wäre jedoch die Haltestelle nicht zu erhalten und das Baumaterial, das im Gebäudekomplex steckt, nicht zu recyclen. Die unzähligen Gigatonnen an Baustoff müssten auf den Sondermüll, was riesige Kosten verursacht. Mit dem aufwendigeren Rückbau werden die Schadstoffe vom recyclebaren Baustoff getrennt. Und nur wenige Prozent des rückgebauten Materials müssen auf den Sondermüll.“
Typische Verkehrslösung der 60er
Die ehemalige Haltestelle Danzinger Platz wird rückgebaut. Die Unterführung und die Tunnel werden verfüllt. „Der neu geöffnete Tunnel war einst der Stolz der Stadt“, sagt der Architekt. „Wenn das Tor zur Haltestelle sich öffnet, fühlt man sich in die 70er zurückversetzt. Die Wandverkleidung ist rotglänzend verkachelt, der Noppenboden erstrahlt in blau. In einer Glasvitrine hängt ein Plakat ‚Was haben Moskau, New York und Ludwigshafen‘ gemeinsam.“ Sehr viele deutsche Städte überschätzten damals Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum und setzten auf überdimensionierte, unterirdische Verkehrslösungen für Öffis, Fußgänger und Radler. Das galt zudem als sicher. Oberirdisch sollte der Kfz-Verkehr Platz haben. „Wer von Oppau kam und umstieg Richtung Mundenheim, sparte 15 Minuten. In den 2000ern wurde die Haltestelle wegen geringer Auslastung stillgelegt“, sagt Buchholz. „Hier entstand eine Hauptradroute zum Hbf, die aktuell gesperrt ist“, sagt Buchholz. Die Route ist teils schon rückgebaut. Nur als Verbindung zwischen Jägerstraße und Danziger Platz dient die Unterführung noch.
Der Friedenspark wird nach Bau der Allee aufgewertet und deutlich größer. Über die BASF-Sonderstrecke werden mehrere Brücken im Park führen. Am Hauptbahnhof vor dem Leoso spricht Buchholz vom "berühmten Geisterhotel". "Im März hatte es noch auf, die Mitarbeiter hatten jedoch seit Monaten kein Gehalt mehr bekommen, der Betreiber war nicht auffindbar. Irgendeine öffentliche Stelle muss es wahrscheinlich geschlossen haben", sagt Buchholz. Das Vorkaufsrecht ist für die Stadt bislang kein Thema, obwohl das Hotel im zu entwickelnden neuen Quartier um die Kohl-Allee liegt. Denn bislang gibt es keinen notariellen Käufer fürs Gebäude, was Bedingungen für den Vorverkauf wäre. Laut Stadt erlaubt die Finanzlage es zudem nicht und der Rahmenplan fürs Quartier sei noch zu grob. Es bleibt mit Spannung zu erwarten, was daraus wird, zumal der Bahnhofsvorplatz bei der Gestaltung des neuen Quartiers Aufwertung, Neubelebung und Anbindung an die City erleben soll.
Weiße Hochstraße im Abriss und Neubau
Am Busbahnhof führt eine weiße Betontreppe auf die Pylonbrücke. Auch dort muss die Hochstraße ertüchtigt werden. „Die Treppe bringt täglich tausende Berufsschüler zu den Schulzentren beim Bruchwiesenknoten“, so Buchholz. Eine Umweltverbundbrücke für Radler und Fußgänger über den Hbf wird die Fußverbindung irgendwann ersetzen und ganze Quartiere ans Pendlerradwegenetz anbinden. Der Bau des Schnellradwegs, der unter der Hochstraße verläuft, beginnt 2026. Er wird aus dem Radtunnel Richtung Dichterviertel kommen, verläuft nach Westen teils unter der der Hochstraße, teils daneben entlang.
Auf Höhe von Bürgermeister-Kutterer-Straße verrät der Blick auf die Hochstraßentrasse, dass von dieser nur noch der Mittelstreifen übrig ist. „Die beiden anderen Streifen sind im Abriss und Neubau“, so Buchholz.
- An der Ecke Bürgermeister-Hoffmann-Straße/Wörthstraße steht laut Buchholz nur noch der Mittelstreifen. Rechter und linker Streifen der Hochstraße befinden sich im Abriss und Neubau.
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In der Yorkstraße begutachten die Tourgäste die neuen, schlanken Pfeiler. Sie haben die Pilze ersetzt, die noch 5 Meter Durchmesser hatten. Dort wird der Schnellradweg queren und auf die Rampe nach Mannheim führen. In der Yorkstraße neben der Hochstraße wird in den nächsten 10 Jahren eine Haltstelle gebaut, Halt an der neuen Bahnstrecke nach LU Süd, die Rheingönheim direkt mit Mannheim verbindet. „Die Bahntrasse vom Berliner Platz bleibt“, sagt Buchholz. „Die weitere Trasse führt über die Rampe neben dem Schnellradwege auf die Adenauer-Brücke.“
Mit der Haltestelle wird der Berliner Platz entlastet. Die Frequenz ist heute schon zu stark. Hier steht der Bau des neuen Bürohauses mit Handel und Gastronomie im EG kurz bevor. Das könnte ganze Entwicklungen anstoßen wie die Verlagerung der City in Richtung des schönen Rheinufers oder der neuen Halbvergviertel sowie die Wiedereröffnung des Centers in der denkmalgeschützten Walzmühle. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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