Ludwigshafen "a bissl schäner mache": LU im Herzen, Stadtbild im Blick
- Bemalte Stromkästen schaffen neue Identifikation im Stadtteil
- Foto: Stadtfüchse LU-Süd/Mundenheim
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Ludwigshafen. Die Stadtfüchse gründeten sich im Januar 2025. Die private Initiative will Ludwigshafen sauberer und lebenswerter machen. Sie setzen sich ein für die Verschönerung des Stadtbilds, veranstalten das legendäre Rhine Clean Up und arbeiten aktuell an einem Bilder-Memory, das LU zeigt, wie es ist. Zur Woche des Ehrenamts erzählen uns Sandra Hucker und weitere Mitglieder von ihren Plänen, Hoffnungen, Visionen, "LU ä bissl schäner zu mache".
???Die Stadtfüchse engagieren sich auch für die Attraktivierung des Stadtbilds durch kleine Aktionen in Quartieren. Warum ist Ihnen wichtig, dass die Menschen etwa auch das Dichterquartier schätzen?
Die Stadtfüchse: Ein Stadtteil besteht für uns nicht nur aus Häusern und Straßen, sondern vor allem aus den Menschen, die dort leben. Auch ein Quartier, das architektonisch vielleicht nicht jedem gefällt, kann für andere Heimat und Lebensmittelpunkt sein. Deshalb möchten wir solche Gebiete nicht nur über ihre Herausforderungen wahrnehmen, sondern auch ihre Stärken und Möglichkeiten sehen. Mit kleinen Aktionen kann man zeigen, dass ein Viertel und seine Menschen wertgeschätzt werden. Genauso wichtig ist uns die Beteiligung an Arbeitskreisen oder Runden Tischen, zum Beispiel im Dichterquartier. Dort können unterschiedliche Erfahrungen zusammenkommen und gemeinsam neue Ideen entstehen.
??? Was ist das Stadtfüchse-Memory, also der Aufruf, Fotos einzureichen?
Die Stadtfüchse: Uns interessieren persönliche Lieblingsorte ebenso wie sachlich dokumentierte Problemstellen, etwa Müllablagerungen. Wir möchten zeigen, dass beides zu Ludwigshafen gehört: Es gibt Herausforderungen, aber genauso Orte, die Menschen schön, besonders oder schützenswert finden. Dazu gehören Plätze, an denen Menschen leben, Kinder spielen oder Wildtiere ihr Zuhause haben – und genau deshalb lohnt es sich, sorgsam mit ihnen umzugehen. An unseren Infoständen nutzen wir das Memory außerdem spielerisch, um über unterschiedliche Sichtweisen ins Gespräch zu kommen.
- Foto: Stadtfüchse LU-Süd/Mundenheim
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??? Viele Menschen, die hier leben, lieben ihr Ludwigshafen, andere mögen es nicht. Was ist Identifikation mit einer Stadt für Sie?
Die Stadtfüchse: Identifikation bedeutet für uns nicht, alles an einer Stadt gut finden zu müssen. Man kann Probleme sehen und trotzdem eine Verbindung zu seinem Wohnort haben. Markus Steuerwald lebt seit seiner Geburt in Ludwigshafen, Sandra Hucker seit 2014 – beide haben auf unterschiedliche Weise ihren persönlichen Bezug zur Stadt entwickelt. Uns beiden liegt zum Beispiel die Parkinsel sehr am Herzen; sie ist für uns ein echtes Kleinod. Sandra Hucker schätzt außerdem, dass Ludwigshafen vieles direkt vor Ort bietet, ohne die Größe einer Metropole zu haben, und Städte wie Speyer, Worms oder Karlsruhe gut erreichbar sind. Für uns gehören deshalb persönliche Verbundenheit und ein kritischer Blick auf die eigene Stadt durchaus zusammen.
??? Was hat Identifikation mit der eigenen Lebenszufriedenheit zu tun? Was sagen Sie Menschen, die Ihnen sagen, hier sei es nicht schön?
Stadtfüchse: Die Stadt besteht nicht nur aus schwierigen Seiten, wie Müllablagerungen, die thematisiert werden müssen. Wir würden eher fragen: Was müsste sich verändern, damit Sie sich hier wohler fühlen? Und vielleicht lohnt sich auch der Blick darauf, was bereits positiv ist und was wir selbst im Kleinen mitgestalten können. Wer sich mit seinem Umfeld beschäftigt und eigene Möglichkeiten entdeckt, nimmt es möglicherweise noch einmal aus einer anderen Perspektive wahr.
??? Vermüllung ist in Ludwigshafen, aber auch in vielen weiteren Städten ein Problem. Es gibt verschiedene erklärende Theorien.
Stadtfüchse: Wir glauben nicht, dass es dafür nur einen einzigen Grund gibt. Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein – etwa Gewohnheiten, Bequemlichkeit, fehlendes Bewusstsein oder auch die Wahrnehmung des eigenen Umfelds. Wenn an einem Ort bereits viel Müll liegt, kann möglicherweise auch die Hemmschwelle sinken, weiteren Abfall dort zurückzulassen. Uns ist wichtig, Menschen dabei nicht pauschal zu beurteilen oder nach Schuldigen zu suchen. Viel wichtiger ist für uns die Frage, wie wir gemeinsam mehr Bewusstsein und Verantwortung für den öffentlichen Raum schaffen können.
- Stadt zum Rhein clean Up am Berliner Platz
- Foto: Stadtfüchse LU-Süd/Mundenheim
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??? Wie wollen Sie Menschen erreichen, auch die nachlässigen?
Stadtfüchse: Mit erhobenem Zeigefinger erreicht man unserer Erfahrung nach nur wenige Menschen. Wir wollen deshalb lieber ins Gespräch kommen und zeigen, was jeder mit einfachen Mitteln beitragen kann. Bei unseren Aktionen versuchen wir, sichtbar und ansprechbar zu sein. Gerade Kinder und Jugendliche möchten wir früh einbeziehen und für das Thema sensibilisieren. Wenn Menschen selbst erleben, dass ihr Einsatz etwas bewirkt, kann dadurch ein ganz anderer Bezug zum eigenen Umfeld entstehen.
??? Welchen Effekt haben dabei die Säuberungsaktionen, etwa die Rhine CleanUps, die wirklich sehr gut besucht sind?
Stadtfüchse: Natürlich wird ganz konkret Müll gesammelt und eine Fläche sauberer. Als Stadtfüchse sind wir an Planung und Umsetzung beteiligt. Ein einzelner CleanUp löst das Müllproblem nicht, aber er schafft Aufmerksamkeit, Begegnung und vielleicht auch den Wunsch, selbst aktiv zu werden.
??? Was gibt Ihnen Hoffnung?
Wir freuen uns aber immer über weitere Menschen, die sich ehrenamtlich beteiligen möchten. Dabei ist es völlig egal, ob jemand einmalig mithilft, ab und zu dabei ist oder zum „Wiederholungstäter“ wird. Hoffnung gibt uns, dass wir immer wieder Menschen begegnen, denen ihre Stadt und ihr Umfeld ebenfalls am Herzen liegen. Genau daraus kann etwas entstehen. jg
Engagement macht stark
„Das geht uns alle an!“ ist eine Initiative des Bundesverbandes kostenloser Wochenzeitungen. Das Ehrenamt ist eine wichtige Stütze unserer Gesellschaft. Deshalb präsentiert der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) seit Jahren bundesweit die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ - in diesem Jahr von 11. bis 20. September.
Die Wochenblätter, die Stadtanzeiger und der Trifelskurier der SÜWE sind jährlich mit Artikeln aus den Lokalredaktionen beteiligt, um das Ehrenamt an der Basis zu unterstützen.
- Die Rhine Clean Ups ziehen oft meist über tausend Besucher an
- Foto: RhineCleanUp GmbH
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Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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