LU, Deine Plätze: Diese Orte werden und könnten durch Umbau Piazze sein
- Überlegungen für einen autofreien Schützenplatz gab es schon in einigen Gremien.
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Ludwigshafen. Stadtplaner Helmut Buchholz führte am Donnerstag durch die Innenstadt und gab einen Ausblick, wie Plätze der neuen Rheintor Quartiere aussehen werden. Mit kundigem Blick eines Stadtplaners und beißendem Humor ging er auf Diskussionen eines autofreien Schützenplatz und die Weiterentwicklung des Rheinufers ein, wo echte Piazza entstehen könnten.
Von Julia Glöckner
Während öffentliche Plätze in Deutschland oft nur Durchgangsorte sind, werden sie in Italien zum Treffpunkt für die ganze Stadt:
Menschen flanieren, reden, lachen und sitzen bis spät am Abend bei einem Aperitivo zusammen. „Ich will wertfrei sein“, sagt Buchholz, doch der Blick von außen lohnt sich manchmal. „Auf der italienischen Piazza muss man sich nicht verabreden, hier findet Stadtgesellschaft ganz selbstverständlich Stadt.“
Plätze von Durchfahrten durchquert
Die Tour beginnt am Schützenplatz, der laut Buchholz zwar allseitig gefasst ist, aber der durch 6 Straßeneinmündungen darauf angelegt ist, „schnell mit dem Auto durchzukommen“. „Als der Platz vor Jahren für die Durchfahrt wegen einer Baustelle gesperrt wurde, endete das nicht im Verkehrschaos.“ Der Stadtplaner hält es für möglich, ihn den Anwohnern in Süd zurückzugeben, sodass man von der Pizzaria ins Café kommt. Zwischen dem sozialen Brennpunkt Richtung Schützenstraße und dem Villenviertel um die
Lisztstraße können er als verbindender Platz wirken. Bislang blieb es dabei, dass Begegnungen zwischen den Bewohnern unterschiedlicher Milieus ausbleiben, denn der „Graben war viel zu tief“. Der autofreie Schützenplatz wurde schon in einigen Gremien diskutiert, konkrete Pläne für die Idee gab es keine.
An der Ecke steht ein fast toter Kastanienbaum, den die Verwaltung wegen Gefährdung des Verkehrs voraussichtlich bald fällen muss. Eine weiterer Baum wurde schon entfernt. „Wir sollten mehr entsiegeln, damit mehr Wasser aufgenommen werden kann und den Bäumen, die in Trockenstress geraten, bereitsteht", sagt der Planer, der heute in einem Architekturprojekt in der Kalkulation von Großprojekten wie Krankenhausbauten tätig ist.
Am Wittelsbachplatz stehen Stadtbäume in nicht stark verdichtetem Baumbestand. „Ein Teil des Platzes ist Verkehrsfläche. Ein Fußweg quert den Platz, und die dafür gepflasterte Verkehrsinsel“, sagt Buchholz. „Ein Café oder zumindest Sitzbänke könnten einen Ruheort schaffen. Vor einigen Jahren gab es noch Sitzpunkte, die man wegmachte, weil sie Verschleißspuren zeigten.“
Der Ernst-Bloch-Platz ist ein Ort mit rege genutzter Infrastruktur. Der Weg von Passanten und Radlern aus Süd Richtung City und der
Brückenauffahrt nach Mannheim führt über den Platz, der Müllabladeplatz geworden ist. „Das Café und die beiden Döners sind immer gut bevölkert. Die jungen Bäume wachsen noch. Hier steht allerdings die erste Sitzbank, die wir heute sehen.
Aus der Tunnelentwicklung heraus sei die Kurve entstanden, später wurde das York-Hochhaus gebaut, sodass der Ernst-Bloch-Platz entstand. Ein Kunstwerk säumt den kleinen Platz. „Die permanente Baustelle mindert noch die Aufenthaltsqualität. Wenn Radler ihr Tempo drosseln, wäre der Aufenthalt auf dem Platz für Passanten angenehmer.“
Plätze entlang Kohl-Allee bekommen neues Gesicht
Mit den Zukunftsquartieren um die Kohl-Allee werden sich besonders Rathausplatz und Danziger Platz stark wandeln.
Nach Angaben von Helmut Buchholz ist bislang noch offen, wie der Rathausplatz künftig gestaltet wird und in welcher Reihenfolge die weiteren Bauarbeiten erfolgen: Ob erst die neuen Blöcke wachsen oder die Kohl-Allee asphaltiert wird. Fest steht jedoch, dass von dort eine direkte Verbindung in den Hemshof entstehen soll. Dafür könnte das Lichttor versetzt werden.
Geplant sind insgesamt mehrere neue Querungen zwischen Innenstadt, Hemshof und Friedenspark. Neben dem Übergang am Rathausplatz sollen weitere Verbindungen am Europa-, Danzigerplatz und an der Heinigstraße entstehen. Zwei Unterführungen sind unter den Rampen der neuen Stadtstraße, unter der Westbrücke und der zur Schumacher-Brücke vorgesehen. Aktuell laufen
die Vorbereitungen für den Bau der Kohl-Allee, die künftig rund vier Meter höher liegen wird als das derzeitige Geländeniveau.
Laut Buchholz wird die Heinigstraße künftig direkt in die Kohl-Allee münden, die Sumgaitallee als Verbindung zum Hemshof wird es nicht mehr geben. Vom Danziger Platz ist eine neue direkte Verbindung nach Ludwigshafen-Nord, eine Querung der Kohl-Allee geplant. Zudem sieht die aktuelle Planung ein Hochhaus an der Ecke vor. Aufwertende Bebauung und mehr Grün wird den Platz demnach zu einem der schönsten im Stadtgebiet machen. Der Brunnen erinnert an die Befreiung der deutschen Ostgebiete. Er ist seit den 1990er-Jahren außer Betrieb und verfällt zunehmend. Ist es davon auszugehen, dass er mit den Rheintor Quartieren nicht erhalten bleibt? Die Mixtur aus modernem Hochhaus an der Ecke Heinigstraße/Kohl-Allee und Bebauung mit Gründerzeitbacksteinfassaden in der Radstraße Danziger Platz wird als spannungsreich positiv zu bewerten sein.
Stadtplaner Buchholz erklärt, dass Begrenzungen einen Platz meist zu einem attraktiven Ort machen. In den 60ern, der Zeit großer Bausünden, entstanden weite, vollversiegelte, uneinladende Plätze mit betondominierter Optik, an denen sich Menschen heute verloren fühlen. Vom Danziger Platz aus blickt man von der offenen Seite aus auf das Hochstraßengewirr aus Beton, zwei Seiten des sind Platzes sind durch Bebauung geschlossen.
- Danziger Platz; Blick aufs Betonlabyrinth: Der Platz hatte nie eine begrenzende Bebauung
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- Betonwüste und Wohnhochhäuser: Plätze gestaltete man in den 60ern offen. Das Gefühl von Weite stellt sich jedoch nicht ein, eher eines von Verlorenheit. Der Jakobsplatz wird mit ISEK entsiegelt und begrünt.
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Hans Klüber Platz wird entsiegelt
Der Hans Klüber Platz war Mitte der 70er noch städtischer Marktplatz, der auf Höhenniveau der umgebenden Straßen lag. Tagsüber wurde er als innerstädtischer Parkplatz genutzt. „Dann wurde das Niveau um vier Meter gesenkt“, erklärt Buchholz. „Vermutlich durch die Schadstoffsanierung und das damit verbundene Ausbaggern des belasteten Bodens. Denn dies war Standort eines
Chemieproduzenten. Heute sind wir hier fast auf dem Niveau, das die Innenstadt vor Aufschüttung des Geländes hatte.“
Der Platz wurde mit Betonpflaster und Treppen angelegt. „In den ersten Jahren in den 80ern gab es noch einen Flohmarkt auf dem Platz. Das damals sehr gut besuchte Museum sagt, dass das dem Platz nicht zuträglich sei. Irgendwann entschied sich das Museum zum Experiment mit dem Hackgarten, weil solche Projekte en vogue waren. Nach 3 Saisons wurde das Projekt zum Selbstläufer.
Inzwischen haben Pflanzen durchs Pflaster gewurzelt. Der Platz gehört zu denen, die in den nächsten Jahren entsiegelt werden, um Bäume zu pflanzen und Rasengitter zu verlegen. Lange ging man davon aus, dass unter dem Pflaster noch Restschadstoffe sind. Proben ergaben, dass das ein Irrtum war. „Immer wieder gab es Selbstbedienung im Museumsgarten und Gelage und sogar Vandalismus, weshalb ein Zahlenschloss erreichbar ist. Wer tagsüber in den Hackgarten will, erhält am Eingang oben den Zugang zum Schloss.“
Repräsentative Plätze
Den Platz ohne Namen am Rheinuferende der Bismarckstraße hat für Buchholz „das Zeug dazu, eine Piazza zu werden“. Der historische Kran, der als Meetingraum und die Schienen als Relikte aus der Zeit des Containerhafens zaubern Haufenromantik. Das Rheinufer und die historischen Diesellokschienen führen bis zur Pegeluhr. „Das haben andere Städte nicht und daraus lässt sich
was machen“, sagt Buchholz. Der Parkplatz der Landeszentralbank sei nie ganz voll, er und Platz ließen sich zusammenführen. Sitzbänke, die allein dem Verweilen, aber nicht der Übernachtung gelten, mit sogenannter „Pennersperre“ also, gäbe es schon.
- Ein Ort mit Potenzialen: Ein großer repräsentativer Platz am Rheinufer, der durch Relikte für Hafenromantik sorgt, könnte direkt am Flussufer entstehen. Die Parkplätze von Bank und Bürogebäude werden nicht komplett genutzt.
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Der Platz der Deutschen Einheit ist heute der repräsentativste Platz der Stadt, der für Festivals und Fest genutzt wird. Die Treppen kommen durch die rege und dauerhafte Bespielung in den Sommermonaten nicht immer zur Geltung. Die Tour endet an der zweiten repräsentativen Piazza, dem Ludwigsplatz, „der guten Stube der Stadt“. Straßenbahn fährt über gepflegte Grünfläche. „Von vier Seiten ist der Platz allerdings durch Verkehrsflächen eingefasst“, sagt Buchholz. Es würden auch weniger Straßen entlang des Platzes ausreichen. „Der Letzte, der einmal um den Platz gefahren wollte, war Helmut Kohl, bevor er nach Speyer abtransportiert werden wollte“, sagt der Stadtplaner mit beißendem Humor. Man hätte mehr Grünfläche, könnte entsiegeln. Als grüner Treffpunkt, der mit After Work bespielt wird und angrenzenden Imbissen sowie Lavazza Café funktioniere er einigermaßen. jg
- Die Treppen sind vor allem zu Festivals und Festen bespielt.
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Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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