Innenstadtkonzept Ludwigshafen
Lob und Kritik des VCD für Innenstadtkonzept der Stadt

Der VCD wünscht sich in der Fußgängerzone weder Radfahrer noch Autos und freut sich, dass die Bismarckstraße von so vielen Menschen zu Fuß durchgangen wird.
  • Der VCD wünscht sich in der Fußgängerzone weder Radfahrer noch Autos und freut sich, dass die Bismarckstraße von so vielen Menschen zu Fuß durchgangen wird.
  • hochgeladen von Dieter Netter

Der Ludwigshafener Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) lobt die Stadtverwaltung für das vorgelegte Entwicklungskonzept für den Stadtteil Mitte. Die darin genannten Ziele für die Bereiche Mobilität, Grünflächen und Plätze seien sehr ähnlich denen des von BUND und VCD Ludwigshafen schon im Mai vorgelegten Verkehrskonzepts für die Stadtteile Mitte und Süd.
Die beiden Umweltverbände hatten mehr Flächen und Plätze für Menschen und Grün und bessere Bedingungen für Fuß- und Radverkehr gefordert. Das soll durch das Unterbinden von Durchgangsverkehr durch Wohnquartiere erreicht werden. Die Fußgängerzonen sollen bestehen bleiben. Kraftfahrzeuge müssen nach Ansicht des Verkehrs- und des Umweltverbandes aus dem Wohnquartieren in Parkhäuser verlagert werden und insgesamt sei eine geringere Anzahl an Autos angestrebt. Erreichen will man das mit der Förderung von Fuß- und Radverkehr, Öffentlichem Verkehr und CarSharing. Freiwerdende Flächen sollen begrünt oder den Bürger:innen in Form von Plätzen mit hoher Aufenthaltsqualität zurückgegeben werden.
Das von der Stadtverwaltung vorgelegte Integrierte Stadtentwicklungskonzept für den Stadtteil Mitte nennt ähnliche Ziele:
Superblocks mit Reduzierung des Durchgangsverkehrs, Aufwertung von Grünflächen und Plätzen, die Vernetzung von Grünräumen und mehr Straßen für „Aktive Mobilität“, womit Fuß- und Radverkehr gemeint ist. Parkende Autos von Besuchern und Pendlern sollen vermehrt aus den Straßen herausgenommen werden und in Parkhäusern stehen und alle Parkplätze im öffentlichen Raum sollen bewirtschaftet werden.
Trotz des Lobes werden Teile des städtischen Konzepts von den Aktiven des Verkehrsclubs genauso bemängelt wie die teilweise allgemein und vage formulierten Pläne. So fehle zum Beispiel der Begriff Fußgängerzone, stattdessen wird von „Nachbarschaftsboulevard“ gesprochen. Es bleibt unklar, ob dort Autos parken können. Laut den Plänen soll in den vorhandenen Fußgängerzonen der Radverkehr gestärkt werden. Das lehnt der VCD ab. „Der Fußverkehr als umweltfreundlichste Verkehrsart hat es verdient, gestärkt zu werden. Das tut man nicht, indem man Flächen von Fußgänger:innen für den Radverkehr wegnimmt“, erklärt der Vorsitzende Helmut Buchholz die Gründe. „Wer Autoverkehr und Stellflächen ernsthaft reduziert, schafft damit genügend Flächen für sicheren Radverkehr“, meint er. Auch bei den für „Aktive Mobilität“ vorgesehenen Straßen bleibt für den Verkehrsclub einiges unklar, denn zum darin vorkommenden Autoverkehr wird nicht gesagt.
Was ebenfalls zu kurz kommt, sind konkrete Aussagen zur Vernetzung der Fuß- und Radwege zu den Nachbarstadtteilen Süd und Nord und Aussagen dazu, ob Autos dort fahren dürfen oder nicht. Da bleiben die Pläne unvollständig und deswegen mangelhaft, zudem die Planungen für die Helmut-Kohl-Allee im Planfeststellungsverfahren vom VCD wegen der massiven Benachteiligung des Fuß- und Radverkehrs bemängelt werden.
Laut Verkehrsclub ei es verwirrend, wenn von Superblocks gesprochen wird. So wie die Blocks ohne weitere Erläuterungen eingezeichnet sind, handelt es sich um Miniblöckchen und es bleibt für große Bereiche unklar, in welchen momentan vorhandenen Straßen Autoverkehr zukünftig in welcher Form reduziert werden soll. In Barcelona wurden Superblocks zur Verkehrsberuhigung und Aufwertung des Wohnumfeldes eingeführt. In den Superblocks ist nur jede dritte Straße für den Autoverkehr durchgehend befahrbar. In den restlichen Straßen haben Fußgänger:innen und Radfahrer:innen Vorfahrt vor geduldeten Autos, die höchsten 10 Stundenkilometer schnell fahren dürfen. Die Superblocks werden in Barcelona als großer Erfolg zur Verkerhsberuhigung gesehen.
Die geplante Bewirtschaftung aller Stellplätze begrüßt der Verkehrsverband. Es wird aber kritisch anzumerken, dass sich das in der Theorie gut anhöre, in der Praxis aber auch umgesetzt werden müsse. Die Stadt erklärte erst kürzlich, dass sie die Fußgängerzonen mit dem vorhandenen Personal nicht kontrollieren kann. Das kann man laut VCD täglich in Augenschein nehmen. „Wie muss man sich dann eine Bewirtschaftung aller Parkplätze vorstellen“, fragt VCD-Vorstand Dieter Netter. „Werden am Ende nur die Anständigen zahlen und der Rest kann sich auf ausbleibende Kontrollen verlassen?“ Ein Parkkonzept mache nur Sinn, wenn man auch die Überwachung gewährleisten könne. Deswegen gehöre zu einem Parkkonzept auch ein Konzept, wie die Einhaltung konkret überwacht werden soll, sonst bleibe es bei schönen Worten.
Das Fazit für den VCD Ludwigshafen zieht der Vorsitzende Helmut Buchholz:
„Die groben Ziele gehen in die richtige Richtung. Es muss mehr Platz für die Menschen und für umweltfreundliche Verkehrsarten geschaffen werden. Im Einzelnen bleiben die Pläne aber noch zu vage und sind unvollständig. Und zwar ausgerechnet dort, wo man vermuten muss, dass alte Pläne durchgesetzt werden sollen und nur mit neuen schönen Worten umschrieben sind. Außerdem sind wir uns sicher, dass man viele verkehrsberuhigende Maßnahmen schon kostengünstig umsetzen kann und nicht warten muss, bis es Ersatz für die Hochstraßen gibt. Der VCD wird weiter für eine deutlichere Verkehrswende in Ludwigshafen werben.“

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Autor:

Dieter Netter aus Ludwigshafen

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