Hitzewelle im Rhein-Pfalz-Kreis: Auffangstationen für Vögel und Tierkliniken überfüllt
- Vorsicht vor Brutkästen vom Baumarkt. Die Wände sollten mehrere Zentimeter dick sein. Kästen idealerweise an schattigen, kühlen Plätzen im Garten aufhängen.
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Ludwigshafen/Rhein-Pfalz-Kreis. Die Auffangstationen für Vögel sind überfüllt und nehmen keine weiteren Wildtiere mehr auf. Auch die Tierkliniken stoßen in Hitzetagen an ihre Grenzen.
Von Julia Glöckner
„Die Vögel fallen vom Himmel. So schlimm war es noch nie. Was wir 2026 erleben, ist bislang einmalig“, sagt Klaus Eisele, Naturschutzbeauftragter des Rhein-Pfalz-Kreises und von Ludwigshafen sowie Leiter von Orbea. „Tausende Jungvögel verließen an den Hitzetagen die Brutkästen und lagen auf der Straße. Grund ist vor allem die Hitze.“
Viele Nistkästen aus Baumärkten und Online-Shops seien nicht auf hohe Temperaturen ausgelegt. Holzkästen müssten mehrere Zentimeter Wandstärke haben, um die Temperaturen auszugleichen. Besonders geeignet seien Holzbetonkästen mit mindestens 20 Millimetern Wandstärke. Unter Dächern, wo Gebäudebrüter nisten, herrschten Temperaturen von 50 bis 60 Grad. Auch dort verließen die Jungvögel ihre Nester.
Rund tausend Tiere gerettet
700 Mauersegler sind in der Station Gorxheimertal untergekommen, 200 in Bad Dürkheim und 40 im Tierheim Ludwigshafen. Die Auffangstationen haben ihre Kapazitätsgrenzen überschritten. Der Naturschutzbeauftragte des Kreises, der eigentlich Artenschutzgutachten schreiben müsste, nimmt inzwischen selbst wieder Jungvögel auf, um sie aufzupäppeln.
Die Hitzewelle traf Europa ausgerechnet während der Hauptbrutzeit. Von der BASF kamen unterernährte Mauersegler zur ehrenamtlichen Aufzucht zu Eisele. Aber auch Rabenkrähen, Mönchsgrasmücken, Spatzen und andere Vogelarten füllen die Stationen.
Tierkliniken voll
Auch andere Wildtiere traf die Hitze hart. „Die Tierkliniken waren voll und an einem Punkt angekommen, an dem sie keine Tiere mehr aufnehmen konnten. Igel waren beispielsweise betroffen, weil das Insektenaufkommen durch die Trockenheit zurückging“, sagt Eisele.
Eisele spricht von Glück, dass Menschen die Jungvögel finden und in die Stationen bringen. Vor allem junge Menschen kümmerten sich um die Tiere, auch Menschen mit Migrationshintergrund seien sehr engagiert.
„Die Hitzewellen werden durch die Klimaerwärmung künftig noch häufiger kommen“, sagt Eisele. „Orbea wird mehr Personal ausbilden, das Jungvögel nach Hitzewellen versorgen kann. Wir müssen reagieren, um eine möglichst intakte Umwelt für künftige Generationen zu erhalten. Wir wollen ihnen nicht nur Schulden hinterlassen.“
"Jungen nicht nur Schulden hinterlassen"
Eisele möchte vor allem junge Menschen für diese Aufgabe sensibilisieren, die er früher selbst übernommen habe, für die ihm heute wegen seiner Gutachtertätigkeit aber die Zeit fehle.
Der Bevölkerung rät er, Vogeltränken und Wasserbehälter im eigenen Garten sowie in benachbarten Grünflächen und Parks aufzustellen, damit Vögel die Hitze besser überstehen können.
Orbea schafft nach eigenen Angaben an verschiedenen Orten auf Ludwigshafener Gemarkung kleine Biotope als Rettungsinseln für Tiere und Pflanzen. Eisele hat unter anderem Zugang zur Insel Flottgrün in einem Altrheinarm, die nur per Boot erreichbar ist. Weitere Trittsteinbiotope befinden sich in Altrip sowie auf Geländen von BASF, Abbvie und KSB Frankenthal sowie WBL. Eine Schafherde, die Tier übernahm Orbea teils von einem Gnadenhof, dient laut Eisele der natürlichen Mahd und fördert die Insektenvielfalt.
Hitzetage mit mehr als 30 Grad sind bereits für Mitte Juli vorhergesagt. Der deutsche Wetterdienst legt sich allerdings noch nicht fest, genaue Vorhersagen bleiben abzuwarten.
Weitere Informationen:
Die Kurse zur Erstversorgung von Wildtieren sowie zur Versorgung mit Wasser und Nahrung sollen im Januar vor Beginn der Saison starten. Besonders Schüler, Studenten und junge Menschen sollen für das Thema gewonnen werden.
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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