Hitzefrei gibt's nicht – aber viele neue Methoden, der Hitze zu trotzen

Im von der Hitzewelle stark betroffenen Parks wurden Parks zum Schlafen geöffnet. Die Parkbänke in den Grünanlagen sind nachts alle belegt, freie Plätze findet man auf den Flächen.  | Foto: Eziz/stock.adobe.com
  • Im von der Hitzewelle stark betroffenen Parks wurden Parks zum Schlafen geöffnet. Die Parkbänke in den Grünanlagen sind nachts alle belegt, freie Plätze findet man auf den Flächen.
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Ludwigshafen. Ab 35 Grad gelten andere Vorschriften: Die Pariser ziehen zum Schlafen in den Park, Griechen aufs Dach – und Ludwigshafener wissen ohnehin schon lange, wie man den Sommer überlebt.

Von Julia Glöckner

Frankreich treffen die canicules, die Hitzewellen, besonders hart. Im Hitzesommer 2003 starben dort mehr als 15.000 Menschen. In diesem Jahr soll die aktuelle Hitzewelle bis Mitte Juli andauern. In Paris, der Stadt mit besonders vielen schlecht isolierten Wohnungen, sind die Parks inzwischen offiziell zum Schlafen geöffnet. Denn viele Pariser finden in ihren Wohnungen nachts keine Ruhe. In der Nacht zum Donnerstag lag die Temperatur bei 26,4 Grad. Während der ersten Hitzewelle im Mai räumte der Wachdienst die Grünanlagen am späten Abend noch. Nun rollen die Pariser zwischen 22 und 23 Uhr ihre Isomatten aus, um unter freiem Himmel Schlaf zu finden. Die Parks sind so gefragt, dass zwischen den Nachtlagern oft nur wenige Meter Platz bleiben.

Wer das in Deutschland versucht, wird möglicherweise für einen Clochard gehalten oder vom Ordnungsdienst durchschaut und nach Hause geschickt. Im eigenen Garten oder im Indoor-Zelt auf dem Balkon zu übernachten, ist dagegen nicht unlauter. Wildes Campieren oder das Aufstellen eines Zeltes ist allerdings verboten. Wer lediglich nachts mit Schlafsack und Isomatte am Waldrand unterwegs ist, dem nimmt man die Landstreicherromantik vielleicht noch ab. Feuer machen oder rauchen ist wegen der aktuell hohen Waldbrandgefahr aber tabu. Eine Glasscheibe könnte ein Feuer entzünden.

In Athen schlafen viele Menschen während der heißen Sommermonate auf den Flachdächern ihrer Häuser. Erst spät am Abend oder nach Mitternacht sinken die Temperaturen etwas. So entgehen sie wenigstens den stickigen Wohnungen. Spätabends schlafen ist besser als schlechter Schlaf oder Wachliegen.

In Andalusien verlagert sich das Leben in die Abendstunden. Veranstaltungen und ein Großteil des öffentlichen Lebens beginnen erst nach 18 Uhr. In vielen spanischen Städten spannen Bewohner riesige Sonnensegel über die Innenhöfe ihrer Wohnblocks. Und in Paris darf inzwischen in der Seine und im Canal Saint-Martin gebadet werden.

Die besten Tipps kennen allerdings die Ludwigshafener – zumindest, wenn man sich in der Stadt umhört. Hier herrscht gefühlt schon seit Jahrtausenden Hitze, weshalb sich, so der lokale Mythos, schon die Römer gerne niederließen und Wein anbauten. Mit Versiegelung, Industrialisierung und dichter Bebauung ist der Hitzedruck weiter gestiegen. Alte Hasen also, die Ludwigshafener!
Vor Fenstern hängen Bambusmatten – ein Sonnenschutz, den spanische Architekten derzeit wiederentdecken und hypen. Von offenen Haustüren zu angenehm kühlen Treppenhäusern über Sommerbüros im Keller bis zu feuchten Laken vor dem Fenster oder dem PET-Flaschen-Trick, bei dem eine gefrorene Wasserflasche kopfüber auf einem Teller vor den Ventilator gestellt wird: Wer sich in Ludwigshafen umhört, bekommt Tipps zu hören, auf die man selbst wohl nie gekommen wäre. Vieles ist besser, als sich einen hässlichen Schnorchel aus dem Fenster zu hängen und damit den Klimawandel weiter anzukurbeln. 

Bleiben sie kreativ und hören Sie sich um – im Zweifel hilft wenigstens der Ventilator. Oder der Nachbar mit dem kühlen Keller. Und falls Sie jetzt mit Isomatte und Schlafsack im Park auftauchen: Wir kennen Sie nicht. jg

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Autor:

Julia Glöckner aus Ludwigshafen

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