Baustart in Pesch-Siedlung: Urbanes Dorf mit belebter Nachbarschaft
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Ludwigshafen. Am Dienstag feierte das Pesch Haus den offiziellen Spatenstich, noch am Nachmittag begannen die Bagger zu rollen.
Von Julia Glöckner
Zur Feier waren Gäste aus Politik, Kirche, Stadträte, Investoren und Aktive geladen, die an der Quartierentwicklung mitgewirkt hatten. „Ich habe auf diesen Tag lange gewartet“, sagt Geschäftsführer der Pesch-Siedlung Ernst Merkel.
Der Baubeginn verzögerte sich. Die Investorenwerbung war für viele Städte in den vergangenen Jahren herausfordernd. Durch Coronakrise, Ukrainekrieg, Inflation stiegen die Baupreise. Der Baupreisindex spiegelt deutschlandweit die Preisentwicklung für Neubau und Instandhaltung von Gebäuden wider. Auch für Bauträger und Projektentwickler waren die Jahre herausfordernd und weniger lohnend, viele Projekte verzögerten sich wegen hoher Baukosten und Zinsen. „Wir alle haben den Tag mit Spannung, Geduld, Ungeduld geblickt. Die Frage, wann es losgeht, hat uns immer mehr begleitet“, fügte OB Blettner hinzu.
Philosophie der Pesch-Siedlung
„Die Quartiersphilosophie deckt sich mit unseren Werten“, erklärte Geschäftsführer von Sahle Wohnen, Friederich Sahle. Der Projektwickler, der zeitlich mehrere Projekte in Mannheim umsetzt, hat große Pläne. Wohnen muss für Sahle Wohnen viel mehr Ansprüche erfüllen als nur an technisch moderne Ausstattung, die sich durch einen funktionierenden Aufzug und neue Heizkörper bereitstellen lässt.„Die Sahle Wohnungsgruppe will die Ansprüche nach guter Nachbarschaft, Miteinander, Sauberkeit und Sicherheitsgefühl erfüllen“, erklärt er. „Unsere Gesellschaft kümmert sich um gute Nachbarschaften. So können aus Mietern Nachbarn werden und aus Nachbarn Freunde.“ Stimmen die Voraussetzungen, lassen sich Mieter aus ihrer Anonymität herausholen, damit sie sich kennenlernen. „Das Wohnklima und idealtypische Lebensumfeld, das von Toleranz, Respekt, Helfen und guter Nachbarschaft geprägt ist, lässt sich gestalten. Wir stellen zudem einen kundennahen Mieterservice bereit."
Statt auf übliche Rezepte wie Quartierfeste zu setzen, sorgt Sahle Wohnen für Begegnungsräume. Zuletzt realisierte die Gesellschaft einen Tanzraum für Kinder und Jugendliche in einem ihrer Wohnprojekte.
Auf dem ersten Baufeld entstehen 47 Wohnungen, für ein bis vier Personen, 49 bis 92 Quadratmeter groß. Zielgruppe sind Menschen mit Wohnberechtigungsschein. Von den 13,1 Millionen Investitionskosten übernimmt die Förderung des Landes 10,7 Millionen. Daneben entstehen Mehrparteienhäuser für die breite Bevölkerung.
Soziale Durchmischung, emissionsarme Nutzung
Konzipiert ist die Pesch-Siedlung als urbanes Dorf. „Das Wohnkonzept soll Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung anziehen. Denn eine Stadt ist lebenswert, wenn Vielfalt aktiv gestaltet wird“, sagte OB Blettner. „In diesen Tagen erleben wir durch die Diskussion um die BASF-Wohnungen, für die erste Angbote vorliegen, welche Bedeutung bezahlbares Wohnen hat. Das Wohnkonzept erfüllt den Anspruch, dass Wohnen kein Luxus sein darf.“
Das Quartier ist autofrei geplant. Die Energieversorgung ist emissionsarm und die Wärmeerzeugung meidet künftig fossile Brennstoffe. Das Gemeinschaftshaus wird idealer Veranstaltungsort und Quartierstreffpunkt sein. Quartiersmanager kommunizieren als Schnittstelle zwischen Politik und Bewohnern neue städtische Pläne und Beschlüsse, sorgen für konsensuale Entscheidungen und vertreten Interessen gegenüber Entscheidern.
Erbpacht ermöglicht mehr Mitgestaltung
„Wir liefern den Boden – die Umsetzung gelingt durch starke Partner. Verantwortung wird geteilt, damit ein Ort entstehen kann, der Zukunft trägt“, hob Pater Johann Spermann SJ hervor. Erbpachtverträge erfolgen über Trennung von Grund und Boden. Der Boden bleibt im Besitz der Baurechtsgeber, die Baurechtsnehmer, also Sahle Wohnen, haben gegen eine Pacht, das Recht zu bauen. Das errichtete Gebäude wird zunächst im Eigentum des Projektentwicklers sein. Nach in der Regel 99 Jahren fallen Gebäude und Nutzungsrechte am Boden wieder, gegen eine Verkaufssumme, an den Bodeneigentümer zurück.
Der Vorteil ist: Kirche, Geschäftsführer, Stadt können mehr mitreden, wie die Flächen entwickelt werden. Die Spekulationen, etwa durch Ankauf und Verkauf, bleiben durch die Erbpacht ausgeschlossen. Die beiden Wohnhäuser auf dem ersten Baufeld sollen noch 2028 fertiggestellt sein. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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