Standing Ovations für ein großartiges Gemeinschaftswerk: „Sickingen!“ begeistert Publikum und Mitwirkende
- Der charismatische Andy Kuntz begeisterte das Publikum in der Rolle der Titelfigur Franz von Sickingen
- Foto: Heimatfreunde Landstuhl/Lars Heieck/gratis
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Landstuhl. Als am Ende der letzten Vorstellung die letzten Töne über den Mauern der Burg Nanstein verklangen und das Publikum sich erneut zu minutenlangem Applaus erhob, wurde deutlich, dass „Sickingen!“ weit mehr geworden ist als eine Bühnenproduktion. Acht restlos ausverkaufte Vorstellungen binnen zwei Wochen liegen hinter den Beteiligten – acht Abende voller Emotionen, Leidenschaft und Begeisterung. Was auf der historischen Burg hoch über Landstuhl entstand, war ein außergewöhnliches Gemeinschaftswerk, das Geschichte lebendig machte und die Menschen berührte.
Ein Ritterleben als musikalisches Epos
Mit dem Rock-Historical „Sickingen!“ ist es gelungen, die faszinierende Lebensgeschichte des Reichsritters Franz von Sickingen in einer Form zu erzählen, die gleichermaßen mitreißend, bewegend und eindrucksvoll ist. Das Werk von Andy Kuntz, Stephan Lill und Regisseur Johannes Reitmeier verbindet kraftvolle Rockmusik mit historischem Drama und klassischem Theater zu einem musikalischen Epos über Macht, Idealismus, Liebe und den Preis großer Visionen. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der für Freiheit, Gerechtigkeit und den „gemeinen Nutz“ kämpft, dabei jedoch an den Widersprüchen seiner Zeit, an seinem Stolz und schließlich an seinem Schicksal zerbricht.
Die einzigartige Kulisse der Burg Nanstein verlieh der Geschichte dabei eine besondere Authentizität. Genau an jenem Ort, an dem Franz von Sickingen im Mai 1523 vor fast genau 500 Jahren seine letzten Tage verbrachte, wurde sein Leben nun mit beeindruckender Wucht und großer emotionaler Tiefe auf die Bühne gebracht. Die Verbindung von historischem Schauplatz und künstlerischer Inszenierung schuf Momente, die vielen Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Profis und Burgensemble als perfekte Einheit
Getragen wurde die Produktion von einem herausragenden Ensemble. Die professionellen Sängerinnen und Sänger überzeugten mit beeindruckender Bühnenpräsenz und stimmlicher Brillanz. Der unvergleichliche Andy Kuntz verlieh der Titelfigur eine eindrucksvolle Mischung aus Stärke, Verletzlichkeit und Charisma. Adrienn Čunka berührte als dessen Gemahlin Hedwig mit ihrer ausdrucksstarken Darstellung und ihrer warmen, klaren Stimme. Die grandiose Astrid Vosberg begeisterte als weiser Narr und Todesbote. Auch Randy Diamond als Sickingens Widersacher Kurfürst und Erzbischof Richard von Greiffenklau und Manuel Lothschütz als Mitstreiter Ulrich von Hutten prägten ihre Rollen mit großer Intensität und ließen die historischen Figuren mit all ihrer Hoffnung, Zweifeln und Leidenschaft lebendig werden.
Mindestens ebenso bemerkenswert war jedoch die Leistung der insgesamt 17 Laiendarstellerinnen und Laiendarsteller aus dem Burgspielensemble der Heimatfreunde Landstuhl. Mit herausragendem Engagement, ungeheurer Disziplin und sichtbarer Spielfreude fügten sie sich nicht nur in die professionelle Produktion ein, sondern wurden zu einem unverzichtbaren Teil ihres Erfolges. Über sechs Wochen hinweg probten sie nicht selten bis zu fünf, sechs Stunden täglich für das Rock Historical.
Johannes Reitmeier formt ein Gesamtkunstwerk
Regisseur und Menschenfänger Johannes Reitmeier motivierte die Crew zu beispiellosem Einsatz und ließ sie über sich hinauswachsen, wie Frank Zimmer, der 1. Vorsitzende der Heimatfreunde Landstuhl, mit strahlenden Augen berichtet. Der erfolgreiche Theater-Intendant ließ die Gruppe mit den Profis zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Die intensive Vorbereitungszeit und die zweiwöchige Aufführungsperiode werde das Darstellerensemble auch für die eigenen Burgspielproduktionen auf Nanstein voranbringen. Auch die Investitionen in die Bühnen- und Anlagentechnik hätten sich definitiv gelohnt, bestätigt Zimmer.
Ob als Ritter, Bürger, Spielleute, Gefolgschaft oder Chor – die Laiendarsteller verliehen der Inszenierung Glaubwürdigkeit, Tiefe und Herz. Besonders beeindruckend war, wie harmonisch das gesamte Ensemble zusammenwirkte. Auf der Bühne verschwammen die Grenzen zwischen Profis und Amateuren. Statt einzelner Leistungen stand das gemeinsame Erzählen einer großen Geschichte im Mittelpunkt. Genau diese spürbare Geschlossenheit machte einen wesentlichen Teil der besonderen Atmosphäre von „Sickingen!“ aus. Andy Kuntz zeigt sich hellauf begeistert vom grenzenlosen Engagement, der Spielfreude und der Bühnenperformance der Heimatfreunde und sprudelte nur so vor Lob und Dank für die tolle gemeinsame Zeit. „Da sind echte Freundschaften entstanden“, betont der Hauptdarsteller.
Musik, Bilder und Atmosphäre voller Gänsehaut
Auch musikalisch setzte die Produktion Maßstäbe. Die Kompositionen von Stephan Lill entfalteten zwischen kraftvollen Rockhymnen, mystischen Balladen und epischen Chorsätzen eine außergewöhnliche Wirkung. Kuntz steuerte neben den ganzen Gesangslinien als Mitkomponist auch mehrere Musikstücke bei, die seine großen Fertigkeiten auch auf diesem Gebiet unterstreichen. Die Vanden Plas-Musiker Stephan und Andreas Lill, Torsten Reichert und Keyboarder Alessandro Del Vecchio, der die Band seit 2023 unheimlich bereichert, lieferten in gewohnt überzeugender Manier den eindrücklichen Klangteppich für das facettenreiche Rock Historical.
Titel wie „Sickingen lebt“, „Der Tod und das Mädchen“ oder das fulminante Finale „In Ewigkeit“ sorgten Abend für Abend für Gänsehautmomente. Die an vielen renommierten Theaterhäusern des Landes überaus geschätzte Maskenbildnerin Maja Storbeck sorgte für die perfekte Optik aller Beteiligten. Unterstützt von eindrucksvollen Kostümen, stimmungsvoller Beleuchtung, einer durchdachten Regie und einem kleinen, aber feinen Tontechniker-Trio, das für die der ganzen Szenerie gebührende Akustik sorgte, entstand ein Gesamterlebnis, das Historie und Moderne auf einzigartige Weise miteinander verband.
Die Begeisterung des Publikums spiegelte sich während der gesamten Spielzeit wider. Bereits die Premiere wurde mit begeistertem Szenenapplaus und frenetischem Schlussbeifall gefeiert. Dieser Zuspruch setzte sich über alle Vorstellungen hinweg fort. Auch die Karten für eine Zusatzvorstellung fanden sofort reißenden Absatz. Die ausverkauften Ränge und die vielen positiven Rückmeldungen zeigten eindrucksvoll, wie sehr das Rock Historical die Menschen erreicht hat.
Prominente Gäste sind begeistert
Im Laufe der zwei Wochen ließen es sich zahlreiche bekannte Gesichter der Region nicht nehmen, dem Highlight beizuwohnen. So zeigten sich beispielsweise Stefan Kuntz, Sepp Stabel, Frank Lelle, Prof. Dr. Dr. Dieter Rombach oder Michael Krauß, Vorsitzender der Freunde des Pfalztheaters, durch die Bank begeistert und verbrachten eigenen Angaben zufolge einen wunderbaren Abend im altehrwürdigen Gemäuer der Burg Nanstein. Auch Kammgarn-Chef Richard Müller, der in seinem Hause nationales und internationales Topniveau gewöhnt ist, fühlte sich von der Dernière am 6. Juni bestens unterhalten und lobte die Leistungen der Profis und ausdrücklich auch die des Burgensembles.
Ein kulturelles Vermächtnis für die Region
Mit dem Ende der achten und letzten Vorstellung schließt sich nun ein besonderes Kapitel. Was bleibt, sind Erinnerungen an bewegende Szenen, große Stimmen, starke Bilder und eine Gemeinschaft, die etwas Außergewöhnliches geschaffen hat. „Sickingen!“ war nicht nur ein Bühnenstück. Es war ein kulturelles Ereignis, ein musikalisches Denkmal für eine prägende Figur der Pfälzer Geschichte und zugleich der Beweis dafür, was entstehen kann, wenn Professionalität, Leidenschaft, Ehrenamt und Teamgeist aufeinandertreffen.
Die Burg Nanstein wurde in diesen Wochen zur Bühne einer Geschichte, die mehr als fünf Jahrhunderte überdauert hat. Dank aller Mitwirkenden und vieler weiterer ehrenamtlicher Helfer, die für das passende Ambiente sorgten, durfte sie nun erneut erzählt werden – eindrucksvoll und emotional. Bei allen Beteiligten war der Wunsch zu spüren: Gerne wieder und gerne mehr davon. Und ganz nebenbei vielen Besuchern der Gedanke gekommen sein, der ebenso imposanten wie geschichtsträchtigen Burg Nanstein doch künftig öfter mal einen ausgiebigen Besuch abzustatten. rav
Autor:Ralf Vester aus Kaiserslautern |
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