Kolpingapelle Kindsbach 1926 e.V.
Festkommers zum 100-jährigen Jubiläum
- Foto: Kolpingkapelle Kindsbach
- hochgeladen von Felix Dietrich
Der Festkommers bildete den offiziellen Höhepunkt der Feierlichkeiten anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Kolpingkapelle Kindsbach. Am Sonntag, den 1. Februar 2026, versammelten sich zahlreiche Gäste im Alten Pfarrheim in Kindsbach, um dieses besondere Jubiläum gemeinsam zu feiern. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Jugendorchester der Kolpingkapelle.
Den feierlichen Auftakt gestaltete das Jugendorchester mit dem festlichen „Infinity Marsch“. Anschließend begrüßte der Vorsitzende Michael Lüer die Anwesenden und bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen. Besonders freute er sich darüber, dass das Jugendorchester den musikalischen Rahmen des Festkommers übernahm. Zudem kündigte er Knut Böhlke an, einen langjährigen Freund der Kapelle, der auch alljährlich die Moderation beim Osterkonzert übernimmt und vom Vorstand einstimmig für die Laudatio ausgewählt wurde.
In seiner Ansprache blickte Michael Lüer auf die vergangenen 100 Jahre zurück und zeichnete den Wandel von Pferdefuhrwerken und wenigen Telefonen hin zu Smartphones und weltweiter Kommunikation nach. Trotz aller Veränderungen sei eines stets gleich geblieben. Die Musik als verbindende Kraft, die Menschen über Generationen hinweg zusammenführt. Dafür steht die Kolpingkapelle Kindsbach seit nunmehr 100 Jahren.
Nach einem weiteren musikalischen Beitrag des Jugendorchesters, der „Neunten Sinfonie“ von Beethoven, angekündigt von Moderatorin und Trompeterin Emma Böhlke, folgte die Laudatio von Knut Böhlke. Diese war bewusst keine klassische Vereinschronik, sondern widmete sich der Frage, welche Eigenschaften notwendig sind, um ein Jahrhundert Vereinsgeschichte erfolgreich zu gestalten.
Ein zentrales Attribut sei die Kontinuität. In 100 Jahren hatte die Kolpingkapelle lediglich drei Vorsitzende sowie vier Dirigenten und musikalische Leiter. Im Vergleich dazu gab es in der Bundesrepublik Deutschland neun Bundeskanzler. Jeder Vorsitzende habe dem Verein dabei einen nachhaltigen Mehrwert gegeben. Besonders gewürdigt wurde der erste Vorsitzende Bertram Berberich, der in seiner 37-jährigen Amtszeit entscheidende Weichen stellte. Zu den Höhepunkten zählten unter anderem Reisen in die USA, eine Audienz beim Papst mit einem Konzert auf dem Petersplatz sowie die Gründung des sozialen Treffpunkts „Keller“ in Kindsbach, in dem sich Generationen begegnen, von der Straußjugend bis zum Witwenclub. Sein Nachfolger Thomas Lutz führte viele dieser Ideen fort, etablierte unter anderem die Dämmerschoppen am Mittwochabend und brachte mit Biergartenstimmung neues Leben auf den Dorfplatz in Kindsbach. Auch Fahrten zur Sail nach Bremerhaven und vereinsübergreifende Veranstaltungen wie das Public Viewing zur Fußball Weltmeisterschaft gehen auf seine Initiative zurück.
Unter dem aktuellen Vorsitzenden Michael Lüer, der das Amt seit 2018 innehat, gelang es der Kapelle, die Corona Krise zu bewältigen, den Schritt in die digitalen Medien zu gehen und gemeinsame Auftritte wie jenen am Chinesischen Turm in München zu realisieren.
Ein weiterer Schwerpunkt der Laudatio lag auf der musikalischen Leitung, insbesondere auf Dirigent Bernd Jörg, der seit mittlerweile 43 Jahren die Kolpingkapelle dirigiert. Er fördert nicht nur die musikalische Qualität, sondern auch den generationsübergreifenden Zusammenhalt. Musikerinnen und Musiker im Alter von 16 bis 88 Jahren musizieren gemeinsam in einem Orchester mit rund 70 Aktiven. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Osterkonzert zu einer konzertanten Veranstaltung mit überregionaler Bekanntheit. Höhepunkte waren das persönliche Lob von Papst Johannes Paul II. nach dem Auftritt auf dem Petersplatz sowie das Spielen der Nationalhymne 2002 im Fritz Walter Stadion beim Spiel Deutschland gegen Israel. Die gelebte Kontinuität verdeutlichte Böhlke mit einem augenzwinkernden Vergleich zum 1. FC Kaiserslautern, der im selben Zeitraum 47 Trainer hatte.
Als weiteres wichtiges Attribut nannte Knut Böhlke das Engagement. Dieses werde nicht nur durch Dirigent und Vorstand, sondern ebenso durch die Musikerinnen und Musiker selbst getragen, von denen einige der Kapelle bereits seit über 70 Jahren die Treue halten. Auch echte Originale hätten die Vereinsgeschichte geprägt. So schilderte Böhlke schmunzelnd eine Anekdote von der USA Reise, bei der ein Musiker eine Mausefalle mit den Worten „I will a mouse killingmachine“ bestellen wollte.
Das dritte Attribut sei die Nachwuchsarbeit, die in der Kolpingkapelle seit Jahrzehnten einen hohen Stellenwert habe. Die aktuelle Jugendarbeit wird von Jugenddirigent Jens Wagner, Jugendleiter Felix Dietrich und dessen Stellvertreterin Millie Fitzpatrick verantwortet. Nach der Corona Krise sei es gelungen, wieder eine starke Gruppe junger Musikerinnen und Musiker zu formen und ein leistungsfähiges Jugendorchester aufzubauen.
Als viertes und letztes Attribut nannte Böhlke die Freude am gemeinsamen Musizieren, die Generationen verbindet und den Verein bis heute trägt. Als Dank für die eindrucksvolle Laudatio überreichte der Vorsitzende Michael Lüer ein kleines Präsent.
Im Anschluss spielte das Jugendorchester das schottisch angehauchte Stück „Gathering in the Glen“. Darauf folgten zahlreiche Grußworte von Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und dem Verbandswesen, die die Bedeutung der Kolpingkapelle Kindsbach für das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Region eindrucksvoll unterstrichen.
Den Anfang machte Landrat Ralf Leßmeister, der in seinem Grußwort die große Bedeutung der kulturellen und musikalischen Bildung hervorhob. Musikvereine wie die Kolpingkapelle leisteten einen unverzichtbaren Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf eine vor Kurzem gegründete Stiftung zur Förderung des Musikantentums.
Peter Degenhardt stellte anschließend das Ehrenamt in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Dieses sei eine tragende Säule des außerberuflichen Lebens und Grundlage eines lebendigen Gemeinwesens. Die Kolpingkapelle Kindsbach bezeichnete er als Aushängeschild der Ortsgemeinde, das durch seine hohe musikalische Qualität weit über die Ortsgrenzen hinaus überzeuge.
Ortsbürgermeister Michael Müller würdigte die Kolpingkapelle als kulturelles Herz der Ortsgemeinde Kindsbach und schloss sich dem Lob für die engagierte Jugendarbeit an. Schmunzelnd bemerkte er, dass seine Bürgersprechstunde mittwochs regelmäßig musikalisch von den Proben der Jugendkapelle umrahmt werde. Darüber hinaus betonte er, wie wichtig gemeinsames Musizieren sei, da dabei Werte vermittelt würden, die weit über das Musikalische hinausgehen, wie Teamfähigkeit, gegenseitige Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein.
Matthias Donauer, Vorsitzender der Kolpingsfamilie, ging in seinem Grußwort auf die enge Verbundenheit beider Organisationen ein, die auch nach der Abspaltung der Kolpingkapelle Kindsbach im Jahr 2006 weiterhin bestehe. Bis heute werde vielfach Hand in Hand gearbeitet, was sich sogar noch in gemeinsamen gestalterischen Elementen des Logos widerspiegele. Als Zeichen der Wertschätzung und zum Jubiläum überreichte er der Kapelle zwei Musikstücke.
Es folgte Andreas Vicinus vom Kreismusikverband, der die Kolpingkapelle Kindsbach als einen der größten Musikvereine im Verband würdigte. Als drittgrößter Verein im Kreismusikverband und als einer der engagiertesten Förderer der Jugendarbeit nehme die Kapelle seit vielen Jahren eine besondere Stellung ein.
Lothar Lüer vom Sängerbund bedankte sich für die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit, unter anderem bei gemeinsamen Projekten wie Kirchenkonzerten. Auch der protestantische Pfarrer Nils Urbatzka schloss sich dem Dank an und würdigte die verlässliche musikalische Unterstützung der Kolpingkapelle bei Veranstaltungen, insbesondere beim traditionellen Baumfest.
Nach dem Musikstück „Latin Fire“ bedankte sich Michael Lüer zum Abschluss bei allen Gästen, Rednern und Unterstützern. Zudem gab er einen Ausblick auf das Jubiläumsjahr 2026 mit dem Osterkonzert am 5. April, dem Festwochenende vom 4. bis 7. Juni, dem Picknick Konzert am 5. September am Bärenlochweiher in Kindsbach sowie dem Kirchenkonzert am 29. November. Den musikalischen Schlusspunkt setzte das Jugendorchester mit dem „Galant March“.
Autor:Felix Dietrich aus Landstuhl |
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