Zum Femizid in Linden
Ein gesamtgesellschaftliches Problem benennen

Foto: Franziska Willimann Copyright: Stopfemizid.ch
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In den vergangenen zwei Wochen wurden einige Artikel zum „Femizid in Linden“ veröffentlicht, der am 16.06.2026 am ortsansässigen Spielplatz verübt wurde.
Ein 40-jähriger Mann erstach seine Expartnerin dort im Beisein der gemeinsamen Kinder sowie im Beisein weiterer Familien.
Die Darstellung der Betroffenheit und des Zusammenhalts im Ort in den unterschiedlichen Artikeln ist wichtig und richtig.
Gemeinsam versucht der erschütterte Ort, den Hinterbliebenen und Betroffenen zu helfen. 

Was in den bisherigen Berichten aber fehlt ist ein entscheidender Aspekt: die Einordnung der Tat selbst als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Problems – patriarchaler Gewalt. (Definitionen gibt es am Ende des Textes)

Diese Gewalttat in Linden ist kein Einzelfall.
Alle zwei bis drei Tage tötet ein Mann seine Partnerin oder Ex-Partnerin in Deutschland; fast täglich gibt es Tötungsversuche.
Jede zweite Frau ist in ihrem Leben von psychischer, jede fünfte von körperlicher Gewalt in einer (Ex-)Partnerschaft betroffen (Quelle: LeSuBiA, 2026).

Die Benennung als Femizid (Definition am Ende des Textes),
wie in wenigen Artikeln passiert, ist essenziell, um Bewusstsein zu schaffen.
Denn Medien beeinflussen signifikant, wie Gewalt gegen Frauen wahrgenommen wird.
Eine klare Benennung legt die Verantwortung voll umfänglich auf den Täter, wo sie auch hin gehört. 

Was jedoch in den Artikeln nicht vorkommt, ist eine klare Positionierung gegen die strukturelle patriarchale Gewalt, auf der solche Taten basieren, und auch die Benennung konkreter Wege, diese zu bekämpfen.
Gewalt als „alltäglich“ darzustellen und die Tat selbst als tragischen Einzelfall zu bezeichnen, ist bagatellisierend und schlichtweg falsch. 

Die Lösung finden wir auch nicht in höheren Strafen.
Wir finden Sie langfristig nur in der Stärkung von Prävention.
Dazu gehören zunächst Hilfsangebote;
Frauen-Hilfe-Stellen, Nottelefone und Frauenhäuser müssen weiter ausgebaut und finanziell viel stärker unterstützt werden.
Auch die aktuelle Debatte um die Einführung elektronischer Fußfesseln zur Prävention von Gewalt und Stalking ist eine sehr wichtige. 

Der aber wesentliche Kern der Prävention liegt ganz deutlich in der frühen Erziehung und der kritischen Auseinandersetzung mit patriarchalen Strukturen und überholten Rollenbildern, die bislang für Geschlechterungleichheit und übersteigerte Kontroll-, Macht- und Besitzansprüche von Männern gegenüber Frauen sorgen.

Nur wenn wir es schaffen, den Kleinsten in der Gesellschaft ein neues Rollenverständnis mit zu geben und vor allem vorzuleben, haben wir eine Chance festgefahrene Muster dauerhaft aufzubrechen.
Es ist ein dringender Appell notwendig an alle Personen in Erziehungsverantwortung und so  auch an alle (früh-) pädagogischen Einrichtungen und Träger, sich weiterzubilden, Beratungsangebote von lokalen Stellen aktiv zu nutzen und Präventionsthemen – auch jenseits konkreter Gewaltprävention – in ihren Alltag zu integrieren.
Denn nur dann haben wir eine Chance zentral auf die frühkindliche Bildung zu wirken.
Es braucht einen Appell an das Land, welches Prävention genau an dieser Stelle stärken, verpflichten und damit zwingend auch finanziell unterstützen muss.
Die freiwillige Option muss zum Standard werden. 
Wir brauchen darüber hinaus mehr Kommunikation zu zentralen Anlaufstellen wie Insofas („insoweit erfahrene Fachkraft“ im Kinderschutz) und lokalen Anbietern für Präventionsberatung.

Es ist eine gemeinsame, gesamtgesellschaftliche Verantwortung, Position zu beziehen und aktiv zu werden:
• In Solidarität mit dem Opfer aus Linden und ihren Kindern.
• Mit allen, die unfreiwillig Zeug*innen dieser Tat wurden.
• Sowie mit allen Menschen unserer Umgebung, die täglich von patriarchaler Gewalt betroffen sind.

Wer die Hinterbliebenen vier Kinder des Opfers finanziell unterstützen möchte, kann dies hier tun:
Spendenkonto der Verbangsgemeinde Landstuhl, Kondolenzspende Spielplatz Linden
IBAN 94 5405 0220 0000 0000 83

Begriffsklärungen

Femizid: 
Für den Begriff Femizid gibt es verschiedene Definitionen.
Die Soziologin und Aktivistin Diana Russell beispielsweise beschreibt Femizid als die frauenfeindliche Tötung von Frauen durch Männer.
Dabei ist nicht das biologische Geschlecht an sich das Entscheidende – sondern, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts in der Gesellschaft weniger Macht und Wert haben als Männer.
Die Taten resultieren meist aus vermeintlichen Besitz- oder Machtansprüchen, die (Ex-)Partner, Väter oder Brüder gegenüber Frauen und Mädchen hegen.
Der Begriff Femizid wird bewusst genutzt, um solche Taten klar zu benennen und sie nicht als bloße "Beziehungstat" zu verharmlosen und damit die Verantwortung des Täters schmälern.
Quelle: Pinkstinks.de

Patriarchat & patriarchale Gewalt in Kürze:
Auch, wenn das Tatmotiv selbst nicht Frauenhass ist, spielt patriarchale Gewalt bei solchen Taten eine Rolle. Denn im Patriarchat haben Männer Kontrollverlangen und Besitzansprüche an Partnerinnen. Häufig kommt es deshalb zum Beispiel bei oder nach Trennungen zu Femiziden.
„Alle Formen von Gewalt gegen Frauen sind eingebettet in patriarchalische Kontroll- und Dominanzmuster“, erklärt die Sozialwissenschaftlerin Monika Schröttle laut Deutschlandfunk Kultur. Diese Muster haben viele Jungen und Männer im Laufe ihres Lebens beobachtet, gelernt und verinnerlicht. Deshalb sind sie größtenteils unbewusst.
Gewalt gegen Männer durch Frauen gibt es auch. Sie kommt allerdings viel seltener vor und wird dann auch weniger gemeldet und angezeigt, weil die Betroffenen sich oft sehr schämen. Auch das hat mit den Geschlechterrollen im Patriarchat zu tun. Die geben nämlich vor, dass Männer stets stark und mächtig sein und immer die Kontrolle haben sollen. Wenn ein Mann von seiner Partnerin geschlagen wird, ist das doppelt schambehaftet.
Quelle: Pinkstinks.de

Daten und Fakten:
UN Women - Bericht zu Gewalt gegen Frauen

Lokale Hilfsangebote:

Hilfeportal sexueller Missbrauch mit Suchfunktion nach PLZ:
Hilfeportal

Frauenhaus Suche

Suche nach Hilfe-Einrichtungen in der Umgebung: Frauen Info

Hilfetelefon – Gewalt gegen Frauen – rund um die Uhr erreichbar unter der kostenlosen Nummer: 116 016

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch – erreichbar Mo, Mi, Fr: 9.00 bis 14.00 Uhr und Di, Do: 15.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Nummer: 0800 22 55 530

ProFamilia – Suche nach Beratungsstellen in der Umgebung: 
Beratungsstellen

Gewalt an Männern:
0800 123 9900

Kinder- und Jugendtelefon:
116111

Elterntelefon:
0800111 0 55 0

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Autor:

Anna Picard aus Landstuhl

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