Wildtier des Jahres: Warum es dem Rothirsch in der Südpfalz zunehmend schwerfällt
- Rückzugsorte im Wald spielen für das Rotwild eine zentrale Rolle, wenn im Pfälzerwald immer mehr Menschen unterwegs sind.
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Kreis Südliche Weinstraße. Der Rothirsch ist Wildtier des Jahres. Doch in der Südpfalz gerät die größte heimische Wildart zunehmend unter Druck. Im Wild- und Wanderpark Südliche Weinstraße in Silz haben Fachleute und Verantwortliche jetzt über die Gründe gesprochen. Es geht um Lebensräume, Rückzugsorte und darum, wie sich Mensch und Natur im Wald besser arrangieren.
Im Landkreis Südliche Weinstraße gibt es Rotwild gleich zweimal. In freier Wildbahn lebt es in den Hinterwäldern der Verbandsgemeinden Annweiler, Bad Bergzabern, Edenkoben, Landau-Land und Maikammer. Außerdem hält der Wild- und Wanderpark Südliche Weinstraße in Silz Rotwild.
Landrat Dietmar Seefeldt, Daniel Kraus, Geschäftsführer des Wild- und Wanderparks, Uta Holz, Geschäftsführerin Südliche Weinstrasse e. V. sowie Reinhard Adam und Thomas Gruber von der Rotwildhegegemeinschaft Pfälzerwald-Süd haben sich dazu zu einem Pressetermin im Park getroffen.
Freizeitdruck, Zerschneidung, genetischer Austausch
Nach Angaben aus dem Termin drängt eine zersiedelte Landschaft das Rotwild immer stärker in die Wälder. Dort wächst zugleich der Freizeitdruck, etwa durch Ausflügler. Die Beteiligten nennen als mögliche Rücksichtnahme, Ruhezonen zu akzeptieren, auf den Wegen zu bleiben und sich nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit durch den Wald zu bewegen.
Daniel Kraus betreut als Geschäftsführer des Wild- und Wanderparks nach eigenen Angaben aktuell circa 115 ältere Rotwild-Tiere und 35 Kälber. Seit 54 Jahren zählt Rotwild dort zu den Leittierarten.
Ein weiteres Thema ist die Vernetzung der Lebensräume. Kraus warnt vor genetischer Verarmung in den verbliebenen Inselbiotopen. Er wünscht sich mehr Korridore und Wildbrücken, damit sich Populationen besser austauschen können.
Im Kreis Südliche Weinstraße begrenzt im Norden unter anderem die Bundesstraße 10 das bestehende Rotwildgebiet. Rotwildgebiete oder -bezirke sind Flächen, auf denen die Tiere geduldet werden. Außerhalb solcher Bereiche gilt laut den Beteiligten oft ein striktes Abschussgebot, um Schäden an Wald und Landwirtschaft zu verhindern. Denn Rotwild frisst junge Pflanzen, Knospen, Blätter und Zweige und schält auch Bäume, besonders Kiefern.
Reinhard Adam und Thomas Gruber von der Rotwildhegegemeinschaft Pfälzerwald-Süd, die nach eigenen Angaben 26.000 Hektar mit 62 Jagdrevieren abdeckt, wünschen sich, dass starre Grenzen erweitert werden und die Jagd behutsam an die Lebensraumbedürfnisse angepasst wird. Adam beschreibt, dass Rotwild seinen Tagesablauf stark an fünf bis acht Äsungszyklen orientiert. Wenn Störungen auftreten, weicht es aus und kann in anderen Gebieten wirtschaftliche Schäden verursachen.
Adam berichtet außerdem von einer populationsgenetischen Studie einer Universität in Brandenburg zur Verfassung des Rotwilds in Deutschland. Ergebnisse erwartet er bis Ende des Jahres. Den südlichen Pfälzerwald sieht er dabei noch im gelben Bereich. Gleichzeitig warnt er, dass der genetische Austausch zwischen Populationen, von den Vogesen bis in den Pfälzerwald, wieder möglich werden muss.
Auch der Tourismus sieht sich in der Verantwortung. Uta Holz verweist auf die von der Pfalztouristik als Dachverband während der Corona-Pandemie gestartete Kampagne #Uffbasse – für Rücksicht und Naturschutz. Im Wild- und Wanderpark spiele Aufklärung ebenfalls eine große Rolle, unter anderem über eine mehrsprachige Lauschtour-App.
Brunft im Wild- und Wanderpark: Naturschauspiel ab Mitte September
Wer Rotwild einmal aus nächster Nähe erleben will, kann im Wild- und Wanderpark Südliche Weinstraße in Silz ab Mitte September bis etwa Ende Oktober die Brunft beobachten. Dann übernimmt der stärkste Hirsch als Platzhirsch die Führung über ein Rudel von Hirschkühen. Laut Parkhinweis nimmt das Geschehen zu, je kühler es wird. Gerade nach kalten Herbstnächten lohnt demnach ein Besuch.
Wie die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße mitteilt, steht beim Wildtier des Jahres vor allem ein Ziel im Mittelpunkt: Lebensräume erhalten und Rückzugsräume sichern.
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |