Storchenjahr in Bornheim: Warum der Ort so viele Nester hat
- Storchendame Klappi hat nur einen Flügel: Sie ist eine der Altvögel, die ständig in der Pflegestation in Bornheim leben.
- Foto: Katja Sponholz/dpa
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Bornheim. Wer Störche aus nächster Nähe erleben will, findet in Bornheim in der Südpfalz ein selten dichtes Nebeneinander von Nestern, Aufzucht und Naturschutz. Im Ort gibt es rund 40 Storchen-Nester. Sie stehen auf Kirche, Laternen, Dächern und sogar auf einer Sirene der Freiwilligen Feuerwehr.
Warum Bornheim für Störche so attraktiv ist
Im Zentrum liegt die Pflegestation der „Aktion Pfalzstorch“ mit Voliere, „Krankenstation“ und „Kindergarten“. Dort werden jedes Jahr rund 50 verletzte Küken und Jungstörche versorgt. Nach Angaben von Stationsleiter Christian Reis helfen dabei vier erfahrene Ammenpaare. Das älteste dieser Paare ist demnach 30 Jahre alt.
Bornheim gilt aus zwei Gründen als besonders storchenfreundlich. Zum einen sind Weißstörche Koloniebrüter und suchen die Nähe anderer Tiere. Zum anderen finden sie in den Queichwiesen gute Nahrung. Eine Rolle spielt dabei die mehrmals im Jahr stattfindende Wiesenbewässerung.
Mehr als 500 Küken in der Südpfalz beringt
Nach Angaben von Reis wurden in den vergangenen Wochen mehr als 500 Küken in der Südpfalz beringt. Für ihn ist klar: „Es ist ein gutes Storchenjahr“.
Nicht nur Bornheimer Tiere profitieren davon. Laut Reis kommen Störche auch aus dem Saarland, aus Hessen, aus Baden-Württemberg, aus Nordrhein-Westfalen und aus dem Elsass. Gegen Ende des Sommers sammeln sich in der Region manchmal bis zu 500 Tiere, bevor sie weiter nach Frankreich, Spanien oder Afrika ziehen.
Spenden helfen bei Futter und Medikamenten
Die Gemeinde trägt Gebäude und Unterhalt der Station. Für Futter und Medikamente ist der Verein jedoch auf Spenden angewiesen. Unterstützung kommt auch von Besuchern, die Geld in ein Spendenrohr am Bürgersteig werfen.
Ein Beispiel aus der Station ist „Leo“ mit seiner neuen Partnerin „Klappi“. Ihr rechter Flügel musste amputiert werden. Die Operation wurde nach Angaben der Pflegestation von einem Paten finanziert.
Warum viele Menschen Störche gern beobachten
Großes Interesse an den Tieren gibt es auch über Bornheim hinaus. In Freinsheim zeigt eine Storchenkamera das Nestleben auf dem Dach der protestantischen Kirche rund um die Uhr. Die Betreiber verzeichneten im Juni nach eigenen Angaben knapp 41.000 Zugriffe.
Die Erfurter Psychologin Andrea Beetz erklärt die starke Aufmerksamkeit mit der besonderen Beziehung vieler Menschen zu Tieren. Hinzu komme die kulturelle Bedeutung des Storches, der oft mit Glück und Geburt verbunden werde. Auch die Rückkehr einer früher fast verschwundenen Art werde als positive Entwicklung erlebt.
Gefährlich sind vor allem Strom und Plastik
Sorgen bereitet Fachleuten weniger die aktuelle Sommerhitze als andere Risiken. Reis sagt, Störche kämen mit hohen Temperaturen gut zurecht. Deutlich gefährlicher seien Stromstöße sowie Gummiringe und Plastikteile auf Feldern oder in Weinbergen. Die Altvögel nähmen solche Teile mit der Nahrung auf und verfütterten sie an ihre Jungen.
Erst vor drei Tagen wurde laut Reis ein Jungvogel mit aufgedunsenem Bauch in die Station gebracht. Nun werde abgewartet, ob das Tier überlebt. Hilfe gebe es nur begrenzt, etwa durch Öl, damit der Vogel ein Gewölle ausspeien kann.
Auch der Verhaltensbiologe Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut in Radolfzell hält die Öffentlichkeitsarbeit der Pfälzer Station für wichtig. Trotz stabiler Bestände dürfe nicht vergessen werden, dass verschluckte Plastikteile für einzelne Tiere tödlich sein können. dpa/red
Autor:Katharina Wirth aus Herxheim |