Radsport
Einblicke in die Organisation von Sportveranstaltungen
- SWR Fernsehteam im Cabrio
- Foto: Rudi Birkmeyer
- hochgeladen von Rudi Birkmeyer
Öffentlichkeitsarbeit
Als der „Deutsche Weinstraßenpreis“ um 1990 von Willi Zinnkann wiederbelebt wurde, übernahm ich die Öffentlichkeitsarbeit. Pressenotizen, Streckenpläne, organisatorische Details – all das gehörte zu meinen Aufgaben. In der intensiven Vorbereitungsphase saß ich oft stundenlang in Willis Büro – mitten im kreativen, manchmal durchaus chaotischen Zentrum der Planungen.
Einige Tage vor dem Rennen, an einem späten Abend, hielt Willi plötzlich inne und sagte:
„Rudi, wir brauchen noch ein Cabrio für das Fernsehteam.“
Ohne zu zögern griff er zum Telefonbuch, suchte die Nummer eines Autohauses in Neustadt heraus und wählte. Als er den Inhaber ans Telefon bekam, eröffnete er das Gespräch mit einem Satz, der mich stutzen ließ:
„Können wir für Sie werben?“
Ich dachte nur: Werben? Wir brauchen doch einfach ein Cabrio!
Der Autohändler wollte wissen, wie diese Werbung aussehen solle. Willi antwortete ruhig und souverän:
„Beim Weinstraßenrennen am kommenden Samstag benötigen wir ein offenes Fahrzeug, um das Fernsehteam des SWR entlang der Strecke zu begleiten.“
Die nächste Frage kam prompt:
„Und was würde mich das kosten?“
Willi nannte 1.000 Mark – zu viel für den Händler. Nach kurzem Feilschen einigte man sich schließlich: Für 500 Mark Prämiengeld stellte das Autohaus ein Fahrzeug kostenlos zur Verfügung.
Ich war sprachlos – beeindruckt von dieser Mischung aus Dreistigkeit, Verhandlungsgeschick und Improvisationstalent, die Willi so selbstverständlich an den Tag legte.
Am Renntag selbst saß ich schließlich am Steuer. Während der Radrennen chauffierte ich das Fernsehteam über die gesamte Strecke – zunächst hinter dem geschlossenen Fahrerfeld, später dicht hinter der Spitzengruppe. Das Tempo wechselte ständig, Funkgeräte knisterten, Motorräder und Begleitfahrzeuge drängten sich auf den schmalen Straßen. Immer wieder mussten wir abbremsen, beschleunigen, ausweichen – stets nah am Geschehen, stets unter Spannung.
Stundenlang folgten wir dem Rennen entlang der Deutschen Weinstraße – begleitet von jubelnden Zuschauern, Applaus, Zurufen und dem charakteristischen Surren der Räder. Für das Fernsehteam war es ein Logenplatz, für mich eine Fahrt zwischen Konzentration und Adrenalin.
Am Abend zeigte die Landesschau schließlich eine kurze Reportage – nur wenige Sekunden Sendezeit. Doch hinter diesen Sekunden standen Tage intensiver Vorbereitung, spontane Einfälle und ein Renntag, der mir bis heute unvergessen geblieben ist.
Autor:Rudi Birkmeyer aus Offenbach |
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