London-Marathon 2021
Jonas Müller in Bestzeit 4. Deutscher beim London-Marathon

Über 40.000 Läufer gingen beim 41. London-Marathon an den Start. Bei seinem 22. Marathon zeigte der 27-jährige Jonas Müller auf den Straßen der englischen Hauptstadt einmal mehr ein herausragendes Rennen. Eine Woche zuvor wurde der Berlin-Marathon für Florian Walz, Joachim Schlaier und Manuel Geiler zum Kampf gegen steigende Temperaturen.

Lange Zeit waren Läufe mit mehreren tausend Läufern undenkbar. Über den Sommer und nun zum Herbstbeginn änderte sich jedoch so einiges, sodass beim Berlin-Marathon am letzten September-Wochenende bereits wieder rund 25.000 Läufer an den Start gehen konnten. Nur sieben Tage später überbot dies der London-Marathon, der mit über 40.000 Teilnehmern das mit Abstand größte reale Laufevent seit Beginn der Coronakrise darstellte, nochmals deutlich. Unter den Läufern waren auch ca. 500 deutsche Läufer, die in der größten Stadt Europas ihr Bestes geben wollten. Einer von ihnen war der 27-jährige Gengenbacher Jonas Müller von den Roadrunners Südbaden.

Nach einer intensiven Vorbereitung war die Vorfreude auf das Mega-Laufevent bei Müller groß. „Endlich wieder so Marathon laufen, wie es sein sollte. Meine letzten beiden Marathons waren besondere Läufe, die ich mit meinen beiden bislang schnellsten Marathonzeiten finishen konnte. Nichtsdestotrotz haben die vielen Zuschauer, die man von großen Marathons kennt, gefehlt. Mal schauen, was hier übermorgen so los sein wird“, so der Roadrunner zwei Tage vor dem Rennen. Mit dem London-Marathon im Hinterkopf war Jonas Müller seit Anfang August bei mehreren Läufen über fünf und vor allem zehn Kilometer an den Start gegangen. Der Forfar 10K gewann er bereits vor zwei Monaten in 33:07 Minuten mit deutlichem Vorsprung. Danach folgte eine persönliche 10-Kilometer-Bestzeit (32:16 Minuten) bei den Schottischen 10-Kilometer-Meisterschaften in Stirling sowie ein starker dritter Platz beim Scottish 10K am Rande Edinburghs, wo er ebenfalls schnelle 32:42 Minuten laufen konnte. Darüber hinaus gelang es Jonas Müller seine Halbmarathon-Bestzeit beim Antrim Coast Half Marathon in Nordirland um eineinhalb Minuten auf 1:11:58 Stunden zu verbessern.

Natalie Wangler am Vortag beim Beckton Parkrun Schnellste

Gestärkt durch seine durchweg starken Leistungen reiste Müller mit Rückenwind zum London-Marathon 2021. Während RS-Topläuferin Natalie Wangler am Marathonvortag beim Londoner Beckton Parkrun auf einer anspruchsvollen Strecke, die zu beachtlichen Teilen einem Crosslauf glich, die fünf Kilometer in 19:22 Minuten laufen und somit nicht nur als erste Frau, sondern auch auf Gesamtplatz zwei finishen konnte, nutzte Jonas Müller den Morgen des Marathonvortags für ein lockeres Einlaufen. Ernst wurde es tags drauf als Müller gemeinsam mit den weiteren Startern der ersten von zahlreichen Wellen kurz nach 9:30 Uhr im Stadtteil Greenwich auf die legendäre Londoner Marathonstrecke geschickt wurde.

Die Temperaturen lagen zu diesem Zeitpunkt bei rund elf Grad Celsius, sollten ab 11:00 Uhr aber nach und nach steigen, sodass die letzten Kilometer spürbar wärmer waren als es zwei Stunden zuvor noch der erste Rennabschnitt war. Ähnlich entwickelte sich auch der Wind. Zwar war dieser von Beginn an zu spüren, dennoch nahm der Wind immer weiter an Fahrt auf, sodass die letzten zehn Kilometer für alle Teilnehmer auch zum Kampf gegen den Wind wurden. Trotzdem ließ sich Jonas Müller, der nach 1:15:12 Stunden rund ein Kilometer nach dem Überqueren der weltbekannten Tower Bridge die Halbmarathonmarke passierte, nicht aus der Ruhe bringen. Die Wetterverhältnisse hatte Jonas Müller im Rennen um eine neue persönliche Bestzeit schließlich eingeplant. Mit vollem Einsatz lief er in der Folge dem London Eye sowie dem Big Ben, die beide nach gut 40 Kilometern warteten, entgegen.

Mit großer Motivation auf den letzten zwei Kilometern nochmals die letzten Kraftreserven mobilisieren zu wollen, ging er auf den finalen Abschnitt am St. James’s Park entlang in Richtung des Buckingham Palasts. Als dieser und gleichzeitig die Zielgerade auf der Prachtstraße The Mall erreicht war, war ihm die neue persönliche Bestzeit nicht mehr zu nehmen. Wenige Meter hinter der ehemaligen New-York-City-Marathon Siegerin Shalane Flanagan aus den USA, die allerdings gut drei Minuten vor Jonas Müller die Startlinie überquerte hatte, finishte er nach 2:31:42 Stunden und somit über einer halben Minute vor Ablauf seiner Zielzeit beim Dresdner Elite-Marathon 2020, den er damals souverän gewinnen und für einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte der Roadrunners Südbaden sorgen konnte. Die Top 100 verpasste Jonas mit Platz 115 nur knapp. Unter allen gestarteten Deutschen wurde er starker Vierter.

Roadrunners-Trio im Kampf gegen Berliner Wärme

Bereits eine Woche zuvor gingen in Berlin 25.000 Läufer auf die Straßen. Damit war der 47. Berlin-Marathon etwas kleiner als der London-Marathon. Mit Joachim Schlaier, Manuel Geiler und Florian Walz waren gleich drei Roadrunners dabei, die in der Hauptstadt ihr Bestes geben wollten. Die Voraussetzungen und Ziele des RS-Trios waren dabei recht unterschiedlich. Für Joachim Schlaier war der Berlin-Marathon 2021 bereits sein 30. Marathon, für Manuel Geiler und Florian Walz jeweils erst der dritte. Mit sehr großer Routine und Erfahrung, aber auch einer 10-km-Bestzeit sowie einem starken Halbmarathon in Berlin und Hamburg im Rücken ging Schlaier optimistisch ins Rennen. Ebenfalls gute Erfahrungen und viel Rückenwind konnte auch Walz an gleicher Stelle sammeln. Denn er verbesserte seine Halbmarathon-Bestzeit bereits fünf Wochen zuvor in Berlin auf 1:15:33 Stunden. Lange Zeit gut trainiert hatte auch Manuel, für den der letzte Marathon mit dem Dämmer-Marathon in Mannheim schon über vier Jahre zurücklag. Wadenprobleme hatten jedoch die letzten Trainingswochen stark beeinflusst, den Start letztlich aber nicht gefährdet, doch dafür musste der Berghauptener defensiver auf die Strecke gehen.

Wenige Sekunden nach den Spitzenläufern ging Florian Walz um 9:15 Uhr auf die Strecke. Bis zum Halbmarathon lief es für ihn in seinem dritten Marathon nahezu perfekt. Sehr gleichmäßig absolvierte er die 5-Kilometer-Abschnitte. Nach 1:25:54 Stunden war Hälfte eins für den Ortenberger geschafft. Doch Richtung 30-Kilometer-Marke begann der Kampf für Florian Walz. Nicht nur schwerer werdende Beine, vor allem Magenprobleme machten in Kombination mit der ohnehin immer stärker strahlenden Sonne die restliche Strecke umso härter. So musste Walz auf den letzten gut zwölf Kilometern einiges an Zeit einbüßen. Nach 3:16:25 Stunden überquerte er die Ziellinie hinter dem Brandenburger Tor und verpasste damit seine Bestzeit um knapp sechs Minuten.

Lange Zeit deutlich besser sah es für Marathon-Routinier Joachim Schlaier aus. Er passierte die Halbmarathon-Marke nach 1:36:12 Stunden und lag damit auf Kurs einer neuen persönlichen Bestzeit. Ob Sieger Guye Adola, Marathon-Ass Philipp Pflieger oder viele andere – auch Schlaier musste auf der zweiten Hälfte einen Gang rausnehmen. Besonders jenseits der 35-Kilometer-Marke begann der Kampf für ihn, den er nach 3:26:57 Stunden beenden konnte. Nach einer Durchgangszeit von 1:55:24 Stunden lief Manuel Geiler bis zum letzten Zehntel der Marathon-Distanz auf Kurs unter vier Stunden. Kurz vor Schluss zwangen ihn muskuläre Probleme zu kleineren Pausen, sodass er am Ende nach 4:05:56 Stunden finishte.

Auch wenn das RS-Trio sich beim Berlin-Marathon 2021 nicht mit den Zeiten belohnen konnte, die sie in ihren Beinen haben, konnten  alle drei stolz auf ihren Triumph über die 42,195 Kilometer lange Distanz sein. Schon die Spitzenläufer, die ab 11:20 Uhr im Ziel waren, hatten allesamt viel Zeit auf der zweiten Hälfte verloren. Verglichen mit vielen Amateur-Läufern, die zum Teil erst eine Stunde nach den Profis auf die Strecke geschickt wurden und nochmals deutlich länger unterwegs waren, war das warme Wetter für diese eine deutlich größere Herausforderung, die es zu meistern galt.

Autor:

Patrick Brucker aus Karlsruhe

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