• 16. Mai 2018, 19:00 Uhr
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Mühlburger Bürgervereinschef Massimo Ferrini kritisiert einseitige Fokussierung
Rückzug aus dem Karlsruher Migrationsbeirat

Der Alte Bahnhof von 1913 am Fliederplatz in Mühlburg, jetzt KuJ
Der Alte Bahnhof von 1913 am Fliederplatz in Mühlburg, jetzt KuJ (Foto: jt)

Mühlburg. Sieben Jahre lang war Massimo Ferrini Mitglied im Karlsruher Migrationsbeirat. Kürzlich zog sich der Badener mit italienischen Wurzeln enttäuscht aus dem Gremium zurück. Das „Wochenblatt“ fragte nach bei Ferrini, dem Vorsitzenden des Bürgervereins Mühlburg und Vorsitzenden der CDU des Ortsteils. (bom)

Herr Ferrini, Sie haben einen „offenen Brief“ über ihren Rückzug aus dem Migrationsbeirat geschrieben. Was hat sie dazu veranlasst?
Massimo Ferrini: Mich stört, dass die Probleme beispielsweise von EU-Bürgern in unserer Stadt in dem Gremium meiner Ansicht nach vernachlässigt werden. Es dreht sich fast ausschließlich um Flüchtlinge. Ein wichtiges Thema, keine Frage, aber andere Menschen haben auch Probleme, um die wir uns kümmern müssen. Und die kommen meines Erachtens zu kurz.

Sie sprechen in Ihrem Brief von Ressentiments gegen Ihre Person?
Ferrini: Es gab Aussagen im Gremium, dergestalt, ich sei ein rassistischer Bürgermeister in einem rassistischen Stadtteil. Das wurde mir von Dritten zugetragen. Das ist natürlich absurd!

Worauf beziehen sich diese Aussagen?
Ferrini: Ich bin heute wie damals der Meinung, dass eine Moschee nicht nach Mühlburg passt. Sie erinnern sich an die Diskussion vor zwei Jahren. Auch viele Mühlburger sind dieser Meinung. Das wäre schon verkehrstechnisch gar nicht möglich gewesen. Jeder hat seine Meinung und das ist auch gut so. Aber mich deswegen zu verurteilen, ist nicht in Ordnung. Unter Demokratie stelle ich mir etwas anderes vor.

Ist dies der Grund für Ihren Rückzug?
Ferrini: Auch andere Aussagen von Migrationsbeiräten gaben mir zu denken. Auf einen offenen Brief von mir gab es keinerlei Resonanz. Ich halte den Migrationsbeirat nach wie vor für ein wichtiges Gremium, aber für mich sind Taten wichtiger als langatmige Diskussionen. Deshalb war es Zeit für mich, zurückzutreten.

Was meinen Sie mit Taten?
Ferrini: Beispielsweise ist einem Italiener, der in Karlsruhe lebt und auf den Rollstuhl angewiesen ist, der Pass abgelaufen. Den hätte er in Stuttgart beantragen müssen. Wir haben vom Bürgerverein kurzfristig einen Kleinbus organisiert, damit er seinen Pass dort verlängern kann. Das meine ich mit konkreter Hilfe.

Ziehen Sie mit Groll aus dem Beirat?
Ferrini: Nein, ich wünsche dem Migrationsbeirat weiterhin viel Erfolg bei seiner wichtigen Aufgabe. Aber wichtig ist, neben der Flüchtlingsproblematik auch die anderen Probleme nicht aus den Augen zu verlieren. Ich werde mich weiterhin im Bürgerverein für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund einsetzen.

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