"Notabwurf": Trockenheit setzt Wäldern in der Region zu
- Herbstliche Baumkronen - schon im August
- Foto: Victoria Böhner, Forstamt
- hochgeladen von Jo Wagner
Karlsruhe. Region. Es ist nicht zu übersehen: Wer derzeit in den Wäldern der Region unterwegs ist, dem fällt sofort auf: Viele Bäume tragen bereits jetzt herbstlich gefärbte oder gänzlich kahle Kronen, dazu liegen Berge von Blättern, Früchte oder gar ganze Äste unter den Bäumen. Diese Entwicklung hat bereits Anfang August eingesetzt.
Der sogenannte "Notabwurf" bei Bäumen ist eine Überlebens- und Schutzreaktion der Bäume auf extremen Hitze- und Trockenstress. Um in besonderen Hitzeperioden das Absterben durch "Verdursten" abzuwenden, trennen sich Bäume daher vorzeitig von Blättern, Früchten oder sogar ganzen Ästen. Ganz besonders sieht man diese Notabwurf-Reaktion der Bäume in diesen Tagen bei Kastanien!
Deutlich früherer "Herbstmodus"
Die Bäume wechseln in diesem Jahr schon im Spätsommer in den „Herbstmodus“ - und auch das Forstamt des Landkreises Rastatt blickt mit Sorge auf das kommende Jahr: Grund für den aktuellen Zustand war die wochenlang anhaltende Trockenphase im Sommer. „Wenn der Boden über einen langen Zeitraum kaum Wasser bekommt, schalten viele Bäume vorzeitig in den Überlebensmodus“, erklärt Forstbezirksleiter Markus Krebs. „Sie werfen einen Teil ab, um Wasser zu sparen und ihre Feinwurzeln zu schützen. Das sieht dramatisch aus, ist aber zunächst eine natürliche Schutzreaktion.“ Besonders betroffen sind Buchen, Birken und andere Laubbäume auf flachgründigen oder sandigen Standorten, wo Niederschläge schneller versickern und weniger Wasser gespeichert werden kann. Doch nicht nur die großen Bäume leiden unter der langanhaltenden Trockenheit: Sowohl gepflanzte Bäume als auch natürlich gewachsene Jungbäume haben mit ihren noch kleinen Wurzeln Probleme, an Wasser zu gelangen. Mit der Folge, dass deutliche Ausfälle und Schäden in den jungen Waldbereichen zu vermelden sind. Kein Wunder haben auch in diesem Jahr viele Kommunen der Region ihre Bürger darum gebeten, sich auch um Bäume in ihrer Nachbarschaft zu kümmern, ihnen regelmäßig etliche Liter Wasser zu spendieren! Auch "Grünpatenschaften" sind dabei hilfreich.
Stress mit Folgen für den ganzen Wald
Der frühe Laubfall bedeutet nicht automatisch, dass die betroffenen Bäume absterben. Viele von ihnen treiben im folgenden Frühjahr wieder normal aus – vorausgesetzt, es folgen keine weiteren extremen Trockenjahre in Folge. Dennoch ist der vorzeitige Verlust mehr als nur ein optisches Phänomen. Bäume, die über mehrere Jahre wiederholt unter Trockenstress leiden, verlieren an Vitalität und werden anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Die Folgen der Trockenheit zeigen sich dann auch vermehrt an abgestorbenen Ästen in den Kronen. Dies führt auch zu mehr Risiko im Wald durch Totholz und zu Mehraufwand für die Forstleute.
Es ist somit entscheidend, welche Entwicklung das Jahr 2027 mit sich bringen wird. Sollte auch das nächste Jahr wieder lange Trockenperioden mit sich bringen, bereiten dem Forstamt Nadelbäume Sorgen – vor allem die Fichten und damit einhergehend der Borkenkäfer. „Trockenheit und Hitze sind die besten Verbündeten des Borkenkäfers“, so Krebs. „Geschwächte Fichten können sich gegen den Befall kaum noch wehren, weil ihnen der Harzfluss fehlt, mit dem sie die Käfer normalerweise abwehren. Gleichzeitig entwickeln sich die Käfer in warmen, trockenen Sommern schneller und bringen oft zwei bis drei Generationen pro Jahr hervor.“
Waldbesitzer in der Region arbeiten gemeinsam mit dem Forstamt bereits seit Jahren daran, den Wald auf diese zunehmenden Klimaveränderungen vorzubereiten – vor allem durch den gezielten Umbau der Bestände zu klimastabileren, artenreicheren Mischwäldern.
Infos zu Grünpatenschaften in Karlsruhe unter http://www.karlsruhe.de/patenschaftenBeitrag: Patenschaften lassen Karlsruhe aufblühenBeitrag: Mehr als nur eine Pflege von BeetenBeitrag: Bürgerinnen und Bürger engagieren sich für „ihre“ Stadt
Infos zu Grünpatenschaften in Karlsruhe unter http://www.karlsruhe.de/patenschaften - und zu Gießgemeinschaften in Rastatt unter https://klimabuendnis-rastatt.de
Autor:Jo Wagner |
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