Ameisenplage in Karlsruhe: Was Tapinoma für Anwohner bedeutet
- Milliarden von Ameisen der eingeschleppten Art sind in Karlsruhe und landesweit unterwegs.
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Karlsruhe. Für Hausbesitzer können massenhaft auftretende Tapinoma-Ameisen in Karlsruhe zur Belastung werden, weil sie Gärten, Terrassen und sogar Gebäudetechnik beeinträchtigen. In Baden-Württemberg ist die eingeschleppte Art nach Angaben des Umweltministeriums und des Ameisenexperten Manfred Verhaagh inzwischen in fast 90 Kommunen nachgewiesen. Besonders betroffen ist Karlsruhe-Neureut, wo nach Einschätzung der Beteiligten Deutschlands wohl größte Tapinoma-Kolonie lebt.
Die Superkolonie erstreckt sich dort nach Angaben der Stadt auf rund 100 Hektar. Milliarden Tiere dürften in dem Gebiet unterwegs sein, die meisten unterirdisch. Etwa 20 Prozent seien oberirdisch sichtbar. Die Stadt bekämpft die Tiere mit einem Heißwasser-Fahrzeug. Dabei wird 110 Grad heißes Wasser in Fugen, Mauern und sandige Untergründe gesprüht.
Warum die Ameisen für Anwohner zum Problem werden
Tapinoma magnum bildet sogenannte Superkolonien. Dadurch treten die Ameisen nicht nur vereinzelt auf, sondern in Massen. Nach Angaben der Fachleute können sie Häuser unbewohnbar machen und enorme Schäden anrichten.
Für Betroffene wird die Plage im Alltag schnell spürbar. Die Ameisen laufen über Terrassen, dringen in Häuser ein und klettern an Armen und Beinen hoch. Gängige Ameisenköder oder das Einsaugen mit dem Staubsauger reichen bei starkem Befall oft nicht aus. „Das ist dann das Unangenehme, dass man sich vor den Ameisen nicht retten kann“, sagt Karen Eßrich, die das Thema in Karlsruhe federführend betreut.
Der Ameisenexperte Verhaagh berichtet von Menschen, die wegen der Plage stark belastet seien. Andreas Martens, Leiter des Instituts für Biologie an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, nennt Schlafstörungen und depressive Folgen als mögliche Begleiterscheinungen bei massivem Befall.
Welche Schäden Tapinoma verursacht
Die Ameisen untergraben Flächen und lockern Fugen. In Karlsruhe senken sich nach Angaben der Stadt Bordsteinkanten ab. Mauern können instabil werden. Auch andere Kommunen im Südwesten haben Probleme.
In Kehl etwa drangen Tapinoma-Horden in Verteilerkästen ein, legten das Internet lahm und machten zeitweise einen Spielplatz unbenutzbar. Befallene Gehwege, Mauern und Plätze müssen aufwendig behandelt oder saniert werden.
Was Kommunen gegen Tapinoma unternehmen
Die Bekämpfung ist schwierig. In Karlsruhe fahren die Teams vom Frühjahr bis in den Spätherbst und teils bis in den Winter hinein befallene Straßen, Plätze und Parks ab. Eßrich nennt eine Ausrottung inzwischen unmöglich. Ziel sei es, die weitere Ausbreitung der Superkolonien zu verhindern.
Kommunen setzen unterschiedliche Mittel ein:
- Heißwasser: Befallene Fugen und Böden werden mit sehr heißem Wasser behandelt.
- Fraßköder: Einige Kommunen arbeiten mit Ködern und Schädlingsbekämpfern.
- Fallen: In Karlsruhe kommen Lochsteine mit schwarzer Teichfolie zum Einsatz.
- Vereisung: Theoretisch möglich wäre auch Stickstoff, erprobt ist diese Methode laut Bericht aber noch nicht.
Die von Martens entwickelte Falle soll besonders für private Grundstücke geeignet sein. Tapinoma magnum mag es trocken und zieht in die Lochsteine ein. Sind Ameisen, Brut und möglichst viele Königinnen darin, wird der Stein in einen Wassereimer ausgekippt. Spülmittel sorgt dafür, dass die Tiere nicht herausklettern.
Warum private Grundstücke wichtig sind
Ohne die Mithilfe von Eigentümern wird die Eindämmung aus Sicht der Fachleute noch schwerer. Denn wenn die Stadt öffentliche Flächen behandelt, die Tiere auf privaten Grundstücken aber weiter ungestört Nester bilden, können sie sich erneut ausbreiten.
Für Betroffene heißt das vor allem: Starker Befall sollte ernst genommen werden. Bei großen Kolonien reichen einfache Hausmittel oft nicht. Entscheidend ist eine abgestimmte Bekämpfung mit Kommune, Fachleuten und Grundstückseigentümern.
So teuer wird die Ameisenbekämpfung
Die Kosten sind für Kommunen erheblich. Kehl gibt nach Angaben einer Stadtsprecherin jährlich rund 50.000 Euro im Betriebshof aus. Hinzu kam ein Heißwassergerät für 60.000 Euro. In Nürtingen sind bereits 14.000 Euro ausgegeben worden, im Haushalt stehen derzeit 25.000 Euro bereit.
Karlsruhe hat in diesem Jahr 120.000 Euro für ein Fahrzeug mit Heißwasseraufsatz bezahlt. Hinzu kommen Personal und Sanierungskosten für beschädigte Gehwege. Seit Mai sind die Ameisenbekämpfer im Einsatz. Zum bisherigen Zwei-Mann-Team sollen ab März oder April drei weitere Teams hinzukommen. Eine Million Euro pro Jahr könnten allein in Karlsruhe für zusätzliche Teams nötig werden, sagt Eßrich. „Aber wir müssen was machen“, sagt sie. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |