Karlsruhes vergessener Nobelpreisträger
Zum 50. Todestag von L. Ružička
- Foto: Der Nobelpreisträger und seine Karlsruher Ehefrau: Leopold Ružička mit Anna Albina Hausmann, die er 1912 in Karlsruhe heiratete. (Quelle: KIT-Archiv, 28010, I/3206)
- hochgeladen von Vlado Bulic
Karlsruhe. Am heutigen 26. September jährt sich der Todestag eines der bedeutendsten Chemiker des 20. Jahrhunderts zum 50. Mal: Leopold Ružička, Nobelpreisträger und „Schwiegersohn“ der Fächerstadt, verstarb an diesem Tag im Jahr 1976 in der Schweiz. Der kroatisch-schweizerische Wissenschaftler, der maßgebliche Meilensteine in der organischen Chemie setzte, ist bis heute eng mit der akademischen und gesellschaftlichen Geschichte Karlsruhes verwoben. Genau dieses historische Fundament nimmt der Kroatische Kulturverein Matica hrvatska e. V. aus Karlsruhe nun zum Anlass, um eine wichtige kulturpolitische Forderung an die Stadt zu richten.
Dabei verdankt Karlsruhe seine historische Rolle einem glücklichen Zufall: Ursprünglich wollte der 1887 im kroatischen Vukovar geborene Ružička in Zürich studieren. Wegen einer dort verlangten Aufnahmeprüfung zog es ihn jedoch 1906 an die Technische Hochschule Karlsruhe. Hier studierte er bei Koryphäen wie Carl Engler und Otto Lehmann. Im Jahr 1910 wurde er bei seinem Doktorvater, dem späteren Nobelpreisträger Hermann Staudinger, promoviert und verbrachte anschließend seine Assistentenzeit in der Fächerstadt. Im September 1912 heiratete er hier zudem die Karlsruherin Anna Albina Hausmann, was ihm den Titel des Karlsruher „Schwiegersohns“ einbrachte.
Nach seinem Wechsel an die ETH Zürich schlug Ružička trotz anfänglicher Widerstände einen glanzvollen Weg ein. Er habilitierte sich über die Strukturaufklärung von Duftstoffen und revolutionierte die organische Chemie. Aufgrund seiner außergewöhnlichen experimentellen Fähigkeiten formulierte er die fundamentale „Isopren-Regel“ und entschlüsselte die Struktur von Sexualhormonen wie Testosteron. Im Jahr 1939 wurde ihm der Nobelpreis für Chemie verliehen – eine Auszeichnung, die wegen der Wirren des Zweiten Weltkriegs im Januar 1940 durch den schwedischen Botschafter in Zürich überreicht werden musste. Sein Erbe wirkt bis heute im renommierten Schweizer Ružička-Preis für Nachwuchsförderung fort.
Dieses immense wissenschaftliche Erbe ist nach Ansicht des Kroatischen Kulturvereins Matica hrvatska e. V. in der Fächerstadt heute nicht sichtbar genug. Der Vereinsvorsitzende Vlado Bulić erhebt daher zum 50. Todestag eine klare und nachdrückliche Forderung an die Verantwortlichen der Stadt Karlsruhe:
„Karlsruhe hat mit Leopold Ružička einen Schwiegersohn als Nobelpreisträger. Wir als Kroaten in Karlsruhe sind sehr stolz auf unseren Landsmann, der sein Studium und seine Doktorarbeit hier absolviert hat. Wir freuen uns, wenn die sieben Karlsruher Nobelpreisträger Erinnerungsräume erhalten und in der Öffentlichkeit präsenter sind.“
Die Initiative des Vereins für solche realen oder symbolischen Gedenkräume erfährt auch in der Wissenschaft viel Zuspruch. Solche Orte stiften eine gemeinsame Identität und bewahren im Stadtbild das Bewusstsein für jene herausragenden wissenschaftlichen Meilensteine, die einst in Karlsruhe ihren Ursprung nahmen.
Autor:Vlado Bulic aus Karlsruhe |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.