Intelligentes Energiemanagement wird zum Schlüssel
- Referenten im Blick (v.l.): Hilmar F. John, Geschäftsführer fokus.energie, Jan Wachter vom KIT, Institut für Automation und angewandte Informatik, Peter Oesterlin, Obermeister der Elektro-Innung Karlsruhe, Fabian Kern vom „FZI Forschungszentrum Informatik“, Vanessa Herhoffer von der „Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur gGmbH“, Steffen Häusler vom „Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg“, und Nikolaus Starzacher von „Countrol GmbH“
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Vom Inselbetrieb zur Systemlösung: Wenn Photovoltaik, Wärmepumpe und E-Auto wirklich zusammenspielen sollen, braucht es mehr als gute Einzeltechnik. Genau dieses Spannungsfeld zog in dieser Woche viele Fachleute, Handwerksbetriebe und regionale Energieberatungsagenturen in die Bildungsakademie der Handwerkskammer Karlsruhe. Das kostenfreie Experten-Format „Brennpunkt“ des Energie-Netzwerks fokus.energie e.V. traf mit dem Thema „Dynamisches Lastmanagement im Spannungsfeld von PV, eMobilität, Wärmepumpe und Speicherung“ sichtbar einen Nerv, entwickelte sich rasch zu einem lebendigen Experten-Forum.
Wenn Technik sich selbst im Weg steht
Schon die Einführung ins Thema durch Peter Oesterlin, Obermeister der Elektro-Innung Karlsruhe, und Hilmar F. John, Geschäftsführer fokus.energie, machte deutlich, wie groß der Handlungsdruck ist. Vorgaben und unterschiedliche Systeme würden es nicht leichter machen, so Oesterlin. Planung, Umsetzung und Nutzung müssten zusammengedacht werden, doch in der Praxis herrsche oft digitale Funkstille zwischen den Komponenten, statt intelligentem Zusammenspiel, so John. Denn in vielen Gebäuden existieren heute gewachsene Insellösungen, die zwar technisch hochwertig sind, aber oft nicht miteinander kommunizieren. Die Folge: verschenktes Effizienzpotenzial, unnötige Kosten und unzufriedene Anwenderinnen und Anwender. Umso größer war das Interesse am aktuellen Stand der Technik und an Ergebnissen aus der Praxis und zum Beispiel aus Reallaboren.
Die fünf Fachvorträge zeigten genau das auf: Aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten die Referierenden den aktuellen Stand, typische Fallstricke in der Praxis und realistische Lösungsansätze. Besonders gefragt waren technische Details zur Integration heterogener Systeme, zur Rolle von Smart Metern und zur praktischen Umsetzung von „Home Energy Management Systemen“ (HEMS) in Bestandsstrukturen.
Wenn Systeme nicht miteinander reden
Nicht alles sei aus einem Guss, so Steffen Häusler vom „Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg“, der über Erfahrungen zum dynamischen Lastmanagement aus der Praxis berichtete: Neuanlagen seien nicht das Problem, Knackpunkt sei oftmals die Lösung im Bestand. Ob Sicherheit, Wirtschaftlichkeit oder im Komfortbereich: Das sei bei der Umsetzung in Kundenanlagen herausfordernd.
Vanessa Herhoffer von der „Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur gGmbH“ berichtete aus dem Alltag, mit welchen Fragen und Problemen Bürger in die Beratungsangebote kämen. Ob unterschiedliche Sprachen, eingeschränkte Steuer- und Regelbarkeit oder fehlende Rückmeldungen: Keine Einzelfälle, sondern eher der Normalfall. „HEMS“ müsse bei lokal steuerbaren Systemen frühzeitig mitgedacht werden.
Fabian Kern vom „FZI Forschungszentrum Informatik“ präsentierte Studienergebnisse zum Zusammenspiel von Smart Metern, „HEMS“ und flexiblen Anlagen. Verschiedene Systeme zusammenzubringen sei eine Herausforderung, schon durch unterschiedliche Kommunikationsprotokolle. Interoperabilität sei der Schlüssel, um Energieflexibilität ganzheitlich und sektorenübergreifend zu erschließen. Dabei sei der Einsatz einheitlich implementierter, offener Protokolle entscheidend.
Ob mangelnde Anreize, Perfektionismus, Politik, Protektionismus, Regulierung oder Datenschutz: Nikolaus Starzacher von „Countrol GmbH“ befasste sich mit der Sicht des Messstellenbetreibers, ob Smart Metering aktuell eher Katalysator oder Bremsklotz ist. Oftmals gebe es keine Anreize für eine Umsetzung.
Kommunikationsinfrastruktur und Schnittstellen seien entscheidend, so Jan Wachter vom KIT, Institut für Automation und angewandte Informatik, der exklusive Einblicke in das Lastmanagement der Musterhäuser im „Living Lab Energy Campus“ gab.
Praxislösungen besonders gefragt
In der anschließenden Diskussion zeigte sich das große Interesse: Ob Mehrwerte aus der Industrie, kompliziertes Handling, Mangel an Komponenten, Fragen zu Standards, technische Schwierigkeiten als Flaschenhals, AI als Hilfe, herstellerabhängige Spezifikationen, „Energy Sharing“, Energieflüsse, Zertifizierungen oder Sicherheit der Anlagen. Die meisten Nachfragen drehten sich um Schnittstellen, Herstellergrenzen und die Frage, wie sich dynamisches Lastmanagement wirtschaftlich und zuverlässig in realen Projekten umsetzen lässt. Die Referierenden nahmen sich Zeit für differenzierte Einordnungen und machten deutlich, wo der Markt bereits funktioniert – und wo noch Hürden bestehen. Fazit des „Brennpunkts“: Die Komponenten der Energiewende sind da, doch ihr intelligentes Zusammenspiel bleibt eine zentrale Baustelle. Eine Lösung, die immer funktioniert, gibt es nicht! Der große Zuspruch zeigte zudem, wie hoch der Bedarf an praxistauglichen Lösungen ist – und wie wichtig der fachliche Austausch auf diesem Weg bleibt.
Infos: Der so genannte „HEMS Finder“ (Link: www.hems-finder.org) könne eine geeignete Anlaufstelle sein. Mehr zum Thema bei fokus.energie e.V., dem Netzwerk als zentrale Drehscheibe für Energie-Innovationen in der Region Karlsruhe, das Wirtschaft, Wissenschaft, Startups und Handwerk verbindet, gibt’s unter www.fokusenergie.net
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