Wissenschaftler der DHBW Karlsruhe gibt Tipps
Den Überblick behalten beim Prime Day im Juni

Foto: Bildrechte: DHBW KA//RM/DALL-E

Prime Day im Juni: Wie Konsument*innen zwischen Rabatt, KI und Risiko den Überblick behalten
Wissenschaftler der DHBW Karlsruhe erklärt die Psychologie hinter den Aktionstagen

Der Amazon Prime Day findet 2026 erstmals bereits im Juni statt. Vom 23. bis 26. Juni lockt das viertägige Shopping-Event Prime-Mitglieder mit zahlreichen Angeboten. Für viele Konsument*innen beginnt die Schnäppchenjagd aber bereits vor den Aktionstagen.

Der Prime Day beginnt im Kopf
„Der Prime Day wirkt nicht erst dann, wenn Produkte reduziert sind. Psychologisch beginnt er schon mit der Erwartung auf mögliche Deals“, erklärt Jan Michael Rasimus, Leiter des Eye Tracking-Labors der DHBW Karlsruhe. Seit Jahren beschäftigt er sich mit der Psychologie großer Verkaufsevents wie Prime Day, Black Friday, Cyber Monday und Black Week.

Warum Rabatte so verführerisch wirken
Rabatte funktionieren nicht nur über den Preis. Zeitdruck, Verknappung, Vergleichspreise, Signalfarben, Bewertungen und die Angst, ein gutes Angebot zu verpassen (Fear of Missing Out (FOMO)), beeinflussen die Wahrnehmung. Das kann dazu führen, dass Menschen schneller entscheiden, weniger gründlich prüfen und Käufe anschließend vor sich selbst rechtfertigen.

KI verändert die Schnäppchenjagd
Gleichzeitig gehen viele heute vorbereiteter in solche Aktionstage. Preisvergleichsportale, Preisverlauf-Tools wie Idealo oder Keepa, Preiswecker, Wunschlisten, Produkttests und zunehmend auch KI-Tools helfen dabei, Angebote besser einzuordnen. Auch Amazon selbst erweitert die digitale Einkaufsberatung, etwa über App-Funktionen und KI-gestützte Shopping-Assistenten.
„Spannend ist: Die Schnäppchenjagd wird auf beiden Seiten datengetriebener“, sagt Rasimus. „Kunden können Preise besser analysieren und sich vorab informieren. Gleichzeitig lernen Plattformen aus Suchanfragen, Warenkörben, Kaufabbrüchen und Klickmustern immer genauer, wann Menschen für bestimmte Angebote empfänglich sind.“

Empfehlungen wirken oft persönlicher als Werbung
Mehr Information bedeutet allerdings nicht automatisch bessere Entscheidungen. Je passender ein Vorschlag wirkt, desto weniger fühlt er sich wie Werbung an. „Ein gutes Angebot ist heute nicht nur günstig. Es kommt im richtigen Moment, passt zum bisherigen Suchverhalten und fühlt sich dadurch persönlicher an. Genau das kann ungeplanten Konsum fördern“, so Rasimus.
Eine hilfreiche Frage lautet deshalb nicht nur: Ist das Produkt reduziert? Sondern auch: Warum wird mir dieses Angebot genau jetzt angezeigt? Habe ich danach gesucht, brauche ich es wirklich oder reagiere ich gerade auf einen gut platzierten Impuls?

Achtung vor Fake-Angeboten und Betrugsmaschen
Hinzu kommt: Große Shopping-Events ziehen auch Betrüger an. Fake Shops, Phishing-Mails, gefälschte Versandbenachrichtigungen oder vermeintliche Sonderangebote nutzen oft dieselben psychologischen Hebel wie echte Rabatte: Zeitdruck, Knappheit, bekannte Marken und die Angst, etwas zu verpassen.
„Betrug funktioniert besonders gut, wenn Menschen im "Deal-Modus" sind. Dann sind sie fokussiert auf den vermeintlichen Vorteil und übersehen schneller Warnsignale“, so Rasimus. Entscheidend sei deshalb ein kurzer Stopp vor dem Klick: Ist der Preis realistisch? Ist der Händler seriös? Stimmen URL, Impressum, Zahlungsart und Bewertungen?

So gelingt der bewusste Einkauf am Prime Day
Für eine souveräne Vorbereitung empfiehlt Rasimus: Wunschliste vorab erstellen, realistische Preisgrenzen festlegen, Preisverläufe prüfen, Rabatte kritisch hinterfragen und unbekannte Shops besonders sorgfältig prüfen. KI-Tools können bei Produktvergleichen helfen, sollten aber nicht die eigene Bewertung ersetzen. Hilfreich ist auch die einfache Gegenfrage: Würde ich das Produkt auch kaufen, wenn es heute nicht reduziert wäre?

Zwischen Daten, Psychologie und digitaler Täuschung
Der Prime Day 2026 macht sichtbar, wie stark Kaufentscheidungen inzwischen durch Psychologie, Plattformlogik, Daten, KI und digitale Täuschungsrisiken geprägt sind.

Zur Person: Jan Michael Rasimus leitet das Eye Tracking-Labor der DHBW Karlsruhe. Seine Schwerpunkte liegen in Neuromarketing, Wahrnehmungspsychologie, digitaler Medienkompetenz und der Frage, wie Menschen digitale Inhalte, Werbung, Nachrichten und Täuschungsversuche wahrnehmen und bewerten.
https://www.karlsruhe.dhbw.de/

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Autor:

Susanne Diringer aus Karlsruhe

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