Interview: Kulturamtschef Dammann erweckt Barbarossa nach 900 Jahren Schlaf
- Der Barbarossa-Avatar und sein Schöpfer Christoph Dammann, Leiter des Kulturreferats der Stadt Kaiserslautern
- Foto: Dammann/gratis
- hochgeladen von Monika Klein
Kaiserslautern. Seit 900 Jahren schläft Kaiser Friedrich I. Barbarossa der Legende nach im Kaiserberg – und jetzt spricht er wieder. Christoph Dammann, Leiter des Kulturreferats, hat den Stauferherrscher als interaktiven 3D-Avatar mit Künstlicher Intelligenz (KI) zum Stadtjubiläum digital erweckt. Mit Wochenblatt-Redakteurin Monika Klein hat er darüber geplaudert, wie die Idee zu "Frag Friedrich" entstanden ist, wie er sie umgesetzt hat und warum er sich immer wieder schlapp lachen könnte.
??? Herr Dammann, wie ist die Idee zu "Frag Friedrich" entstanden?
Dammann: Sie ist im Herbst 2025 entstanden. Bernd Klesmann, Leiter des Stadtmuseums, und ich haben überlegt, wie wir das Stadtmuseum zum Stadtjubiläum interessant digital präsentieren können. Ich hatte dann die Idee, Barbarossa, der ja seit 900 Jahren im Kaiserberg schläft, als interaktiven Avatar 3D-animiert und mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) zu erwecken. So etwas gibt es noch nirgendwo. Es gibt zwar einzelne Forschungsprojekte, aber nachdem, was uns bekannt ist, ist das etwas ganz Neues.
??? Wie lange haben Sie für die Umsetzung benötigt?
Dammann: Etliche Wochenenden und ein paar lange Nächte. Ich habe ChatGPT mitgeteilt, was ich möchte und mich Schritt für Schritt durch ein immer komplexer werdendes Projekt führen lassen. Es ist weitgehend kostenlos. Für zwei Monate habe ich auf Plus upgegradet – das hat 24 Euro pro Monat gekostet –, aber es hat sich gelohnt. Für die komplette Programmierung war das besser.
??? Wann waren Sie fertig?
Dammann: Heute (Anmerkung der Redaktion: Montag, 2. März), weil der Avatar jetzt alles macht, was ich will, ohne dass es zu Fehlern kommt.
??? Wie sind Sie vorgegangen?
Dammann: Um einen Dialog zu führen, braucht man ein Gegenüber und dafür habe ich mir überlegt, wie Kaiser Friedrich ausgesehen hat. Dann ist mir der Cappenberger Kopf eingefallen, von dem eine Replik im Casimirsaal steht. Aus einem Foto davon hat die KI ein 3D-Modell erstellt und mir eine kostenlose Software für die Animation genannt, die ich heruntergeladen habe. Im ersten Schritt ging es um die Kopf- und Mundbewegungen. Nachdem ich ein funktionierendes Modell erstellt hatte, hat mich Tilman Weis, Absolvent des Studienganges „Virtual Design“ der Hochschule Kaiserslautern, darin unterstützt, die Mimik ansteuerbar zu machen, und er hat den Bart rot eingefärbt. ChatGPT hat mir dann Programmcodes für das Ansteuern erklärt, die ich eingefügt habe.
??? Das hört sich sehr kompliziert an.
Dammann: Für mich war es absolutes Neuland, ein ganz neues Projekt, an das ich mich herangetastet habe. Ich war selbst überrascht, wie weit ich gekommen bin.
??? Kann man Kaiser Friedrich alles fragen und wie haben Sie ihn mit Wissen "gefüttert"?
Dammann: Neu ist, dass er auf die Wissensdatenbank Wiki zugreift und dadurch im Prinzip auf jede Frage eine Antwort weiß. Auch versteht und spricht er jetzt Englisch.
??? Gibt der Avatar auch zu, wenn er etwas nicht weiß?
Dammann: Ja, er ist so programmiert – und er hat einen Charakter. Er antwortet in altertümlichen Deutsch und mit Humor.
??? Können Sie ein Beispiel nennen?
Dammann: Ja (lacht), hier eine Frage: "Gab es zu deiner Zeit in Deutschland schon Hauskatzen?" Die Antwort: "Oh, wahrlich, edler Fragender, in den Tagen meiner Regentschaft waren die kleinen Geschöpfe mit dem sanften Schnurren und den geschickten Pfoten bereits in unseren Häusern anzutreffen. Die Katzen, so sagen die Weisen, waren nicht nur getreue Begleiter, sondern auch geschickte Jäger der unliebsamen Nagetiere, die sich in unsere Vorräte schleichen wollten. Mein treuer Minister Nikolaus Härtel pflegte zu scherzen: ,Eine Katze im Haus ist wie ein Ritter im Schilde – stets bereit, das Übel zu vertreiben!' So möge der schnurrende Wächter euer Heim beschützen, während ihr die Geschicke des Reiches lenkt. Ja, die Katzen waren schon lange Teil unserer Welt, und sie werden es auch weiterhin sein." Ich lache mich jeden Tag wieder über die Antworten schlapp.
Mehr Infos und Hintergrund zu dem Projekt ist hier zu finden:
Autor:Monika Klein aus Kaiserslautern |
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