Aus der Verbandsgemeinde Hauenstein
Langjährige Tradition Maibaumstellen findet großen Zuspruch

Beginn Aufrichten des Maibaumes
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Verbandsgemeinde Hauenstein (Südwestpfalz). Langjährigen Traditionen folgend wurden in einigen Ortschaften der Verbandsgemeinde Hauenstein auch dieses Jahr wieder am Vorabend des „Wonnemonats“ Maibäume aufgerichtet: in Hauenstein, Hinterweidenthal, Schwanheim, Spirkelbach und Wilgartswiesen, sowie anschließende Maifeiern abgehalten. Andere Orte der Verbandsgemeinde feierten ohne Baum. Der TRIEFELS KURIER entschied sich, dieses Jahr in „Hääschde“ (Hauenstein im örtlichen Dialekt) dabei zu sein und exemplarisch von dort zu berichten.

Wie so vieles, was Ortschaften belebt und Geselligkeit und Zusammengehörigkeit fördert, ist die Aufrechterhaltung dieser Tradition örtlichen Vereinen zu verdanken, im Fall Hauenstein hauptsächlich dem „Jugendgeselligkeitsclub“ (JGC) als Veranstalter und dem Musikverein als Unterhalter. Der JGC stellte den stattlichen Baum und stattliche Muskeln, der „Musikverein Hauenstein“ ein stattliches Blasorchester mit vielseitigem Repertoire und stattlicher Lungenkraft. Das Besucherinteresse war beachtlich, das gesellige Beisammensein hielt bis weit in die Nacht hinein an. Am fortgeschrittenen Abend hatte Alleinunterhalter Jan-Luca Ernst übernommen.

Die zwanzig Meter neuner Baum waren zuvor im Waldgebiet beim „Wasgaufreibad“ ausgewählt, gefällt und zugerichtet worden von einer Sechsermannschaft des JGC unter fachlicher Anleitung des aktiven Mitglieds und gelernten Forstwirts Andreas Wilde. Stifter des kerzengeraden Prachtstückes ist Waldbesitzer Edmund Schächter. Alle zwei bis drei Jahre sei ein frischer Baum erforderlich, aus Sicherheitsgründen, weil das Holz trocknet, war zu vernehmen.
   Die Spitze des nackten Baumstamms krönen drei Meter belaubte Birke. Am Stamm angebracht sind traditionsgemäß Wappen der örtlichen Zünfte. Der aufgerichtete Maibaum der Hauensteiner ist zu bestaunen an der (Durchgangstraße) Bahnhofstraße, Ecke Dahner Straße.

Woher die Tradition des Maibaums kommt ist unbekannt. Tief in der Vorgeschichte versunkene Riten dürften Grundlage sein, hatten doch unsere Urahnen eine die Natur und nicht zuletzt Bäume ehrende Religion.
   Woher die seit rund dreißig Jahren bestehende Tradition in „Hääschde“ kommt ist bekannt: von Erich (†) und Lothar (†) Debnar mit Familien und Freunden. Diese richteten vor ihrem Haus das erste Exemplar in der jüngeren Geschichte Hauensteins auf sowie in der Folgezeit, bis der „Jugendgeselligkeitsclub“ vor zwanzig Jahren übernahm. „Die Technik haben wir von den Debnars gelernt und übernommen“, war von Jan Spielberger zu erfahren, dem 1. Vorstand des Clubs.

Nachdem die Menschen zu Christen geworden waren, wurde dieser Brauch als heidnisch verpönt, auch unterdrückt, bis ins ausgehende Mittelalter. Unsere dörfliche Tradition begann im 19. Jahrhundert, als, vor allem in Bayern, Orts-Maibäume aufgestellt wurden um das neu errungene Selbstbewusstsein der von Feudalherrschaft unabhängig werdenden oder gewordenen Ortschaften zu demonstrieren, wohl wie ein aufgerichteter Zeigefinger Richtung Obrigkeit. Auch die Zunftwappen des Maibaums dürften als Fingerzeig der Leistungsfähigkeit und des Stolzes zu verstehen sein.

Der verbreiteten Tradition, dass „Jungesellenvereine“ das Aufstellen der Maibäume und das Drumherum organisieren und übernehmen, entspricht in Hauenstein der „Jugendgeselligkeitsclub“. Wie auf Nachfrage zu vernehmen war, hat dieser (eingetragene) Verein tatsächlich den Grundcharakter eines „Jungesellenvereines“: Alle 65 Mitglieder seien männlich, allerdings werde keiner wegen Heirat exmatrikuliert. Außer strammen Burschen sind auch gestandene Familienväter dabei, wie Publikum und Verfasser augenscheinlich feststellen konnten.
   Als Gäste öffentlicher Veranstaltungen allerdings seien Mädchen und Frauen sehr willkommen, wurde versichert und betont, beispielsweise zur jährlichen „Nikolausparty“ am namengebenden Wochenende. Das im Juni 2017 zum zwanzigsten Vereinsjubiläum veranstalte „Open Air“ habe die „Oliver Dums Band“ aufgeboten, im Rahmenprogramm „Rockxn“ sowie „Unicorn“, und hätte mit 1.800 Besuchern (vermutlich zur Hälfte weiblich) den heimischen Johann-Naab-Platz überquellen lassen.

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