So sehen Frankenthaler Unternehmen die Corona-Zeit
Unternehmen in der Krise

Immer mehr Geschäfte öffnen, aber eben auch unter anderen Bedingungen.  Foto: Böhmer
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Von Gisela Böhmer

Frankenthal. Die Corona-Krise hat immer noch extreme Auswirkungen auf die Gesellschaft. Noch immer können nicht alle Kinder in die Schule oder in den Kindergarten, viele Unternehmen haben noch nicht wie gewohnt geöffnet oder ächzen unter den Auflagen.

Das Wochenblatt Frankenthal sprach diese Woche mit weiteren Unternehmen, die die Krise ganz unterschiedlich erleben.
Lucas Spiegel, Konrad Spiegel GmbH, hatte Anfang März bereits die ersten Vorkehrungen getroffen. „Wir hatten uns bereits frühzeitig darauf eingestellt, indem wir uns Gedanken gemacht haben, wie wir unsere Teams aufteilen, wenn wir im Homeoffice arbeiten lassen können und haben Unterweisungen der Mitarbeiter durchgeführt und verbindliche Verhaltensregeln aufgestellt“, berichtet er.
„Da die Schließung uns nicht betroffen hat und unsere Kunden uns weiterhin haben unsere Arbeiten bei sich ausführen lassen, haben wir hier eine noch recht entspannte Situation erlebt. Wir sind momentan noch unterwegs, ausgelastet und alle gesund. Solange niemand unserer Mitarbeiter erkrankt und wir eine Betriebsschließung hinnehmen müssten, sind wir guter Dinge. Ich gehe davon aus, dass unser Auftragsrückgang Zeit verzögert kommt. Da momentan viele im Homeoffice sitzen, wird die Planung und Bestellung für Handwerkerleistungen nicht so sehr forciert“. Lucas Spiegel zieht eine positive Bilanz: „Wir sind im Gegensatz zu den Einzelhändlern in einer noch angenehmen Lage."

Maskenpflicht für Schwerhörige ein Problem

Sabine Köbel, SK Hörakustik, konnte ebenfalls – eingeschränkt – weiterarbeiten. Sie sieht heute ein ganz anderes Problem: Mit einer Maske im Gesicht, können Schwerhörige nicht mehr Lippen ablesen. Denn gerade für Schwerhörige und Gehörlose sei das Mundbild ein wichtiger Bestandteil des gegenseitigen Verstehens. „Wir nehmen ganz unbewusst mit wahr, ob der Mund beispielsweise ein „h“ bei Haus oder ein „m“ bei Maus bildet“, sagt Sabine Köbel. Gerade, wenn der Sinn des Gesprächs bekannt sei, sei die Orientierung am Mundbild für Schwerhörige eine große Hilfe. Dass Gesichtsbedeckungen dazu führen, dass Schwerhörige mehr Schwierigkeiten im Alltag haben, hat sie von ihren Kunden schon gehört. Eine Kundin habe von einem Arztbesuch berichtet, bei dem der Mediziner permanent eine Mund-Nasen-Maske getragen habe. Die Frau habe in dem Arztgespräch kaum etwas verstanden und sei im Anschluss entsprechend verzweifelt gewesen. Die Scheu, nachzufragen, sei bei der Schwerhörigen oft groß, erläuterte die Hörakustikmeisterin. Deshalb appelliert Sabine Köbel an Ärzte, Behördenmitarbeiter, aber auch Verkäufer und alle, die im Alltag möglicherweise mit Schwerhörigen zu tun haben, sich auf deren Bedürfnisse einzustellen. Das könnte einerseits geschehen, indem sie in ihrer Praxis oder ihrem Büro einen Beratungsplatz mit Spuckschutz in Form von einer Plexiglasscheibe schaffen. Mit dieser Trennung könne im Gespräch auch mal die Maske abgelegt werden. Auch ein Gesichtsschutz aus Plexiglas sei bei näherem Kontakt eine Alternative, die das Mundbild weiterhin erkennbar belassen, so Sabine Köbel.
Sabine Köbel hofft, dass die Mitmenschen sich in nächster Zeit die nötige Zeit nehmen, um wahrzunehmen, ob ihr Gegenüber sie versteht. Bei Stirnrunzeln oder Schweigen sollte nachgefragt werden, ob alles verstanden wurde.
Und falls nicht, solle man keineswegs lauter sprechen, sondern langsamer und deutlicher. In Geschäften, wo es nicht immer möglich sei, auf eine Mundbedeckung zu verzichten, könnten Informationen auch stärker verschriftlicht werden.

Getanzt wurde im Wohnzimmer

Matthias Müller, Tanzschule TIF in Frankenthal, musste logischerweise ebenfalls Mitte März schließen. „Sonntagsmittags sagte ich noch zu meinen Kunden, solange die Musikschule offen hat, so lange haben wir auch offen. Zwei Stunden später kam die Info: Musikschule zu“, berichtet Matthias Müller über den Start der Corona-Zeit. „Wir haben von Anfang an auf Online-Unterricht gesetzt. Wir haben unsere Kurse aufgenommen und als Video den Kunden zur Verfügung gestellt, so konnten sie zu Hause weiter üben und auch etwas gegen die Langeweile tun. Außerdem konnten wir gemeinsam durch eine Video-Übertragung mit den Kunden tanzen“, berichtet Matthias Müller weiter. Da fand der Tanzkurs eben im Wohnzimmer statt. Sie haben sich der Lage schnell angepasst. Und wie geht es jetzt weiter?
„Eigentlich dürfen wir ab dem 27. Mai den Betrieb wieder aufnehmen, nur leider fehlen noch die konkreten Regularien dafür. Die Vorfreude ist groß, wir freuen uns auf unsere Kunden. Sie sind uns treu geblieben, haben sich solidarisch gezeigt“, erzählt er weiter. Auch wenn die Vorfreude groß ist: In Rheinland-Pfalz fehlen aktuell noch die genauen Auflagen. „Wenn wir die gleichen Auflagen wie im Saarland bekommen, dann wird es schwierig mit einer Eröffnung. Werden die Auflagen ähnlich dem Land Nordrhein-Westfalen, freuen wir uns auf die Eröffnung“. Nichtsdestotrotz: Matthias Müller ist zuversichtlich.
„Auch wenn wir uns nicht Umarmen dürfen, wir freuen uns so sehr, unsere Gäste bald wieder zu sehen. Wir planen auch ein weiterführendes Programm in den Sommerferien. Doch jetzt muss erstmal eröffnet werden.“
Der normale Alltag ist „noch nicht“ zurück, jeder erlebt die neue Situation anders. Aber gemeinsam – wenn man alle Seiten berücksichtigt – kann man diese Krise meistern. gib

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Autor:

Gisela Böhmer aus Frankenthal

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