Auf der Internetseite der LUBW können seltene Tierarten gemeldet werden
Gesucht: die Gottesanbeterin

Die grüne und die braune Gottesanbeterin
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  • Die grüne und die braune Gottesanbeterin
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Bruchsal. Gottesanbeterin, Hirschkäfer, Laubfrosch, Feuersalamander und Weinbergschnecke – das sind die fünf Tierarten, deren Sichtungen auf der Internetplattform www-arten-melden-bw.de der LUBW – Landeanstalt für Umwelt Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg – gemeldet werden können.

Interessierte Laien sind gefragt

Das Land setzt dabei auf die Mithilfe der Bürger, Tierfreunde und Naturschützer, die ihren Fund beschreiben und mit einem Foto belegen müssen und per App, auf der Internetseite oder per E-Mail dokumentieren können. Die LUBW verifiziert die Funde, kartiert sie und stellt die Informationen Forschung, Umweltschutz und natürlich auch interessierten Laien zur Verfügung.
Angefangen hat dieses so genannte „Citizen Science“ - also Bürgerwissenschafts-Projekt  - 2013 mit dem Hirschkäfer, regelmäßig kommen nun markante, auch von Laien leicht erkennbare Tiere dazu, im vergangenen Jahr etwa die europäische Gottesanbeterin. Um die ging es dann auch beim Pressetermin auf dem Michaelsberg bei Bruchsal, wo das Projekt vorgestellt wurde.
Man erhoffe sich mit Hilfe der Bürgermeldungen eine möglichst exakte Dokumentation der Sichtungen des Insekts, das erst im 19 Jahrhundert in Europa heimisch wurde und lange nur in extrem warmen Gebieten, wie dem Kaiserstuhl, in Baden-Württemberg zu finden war. Seit den 1990er Jahren gibt es immer mehr Funde, entlang der Rheinschiene sei das Insekt, dessen Weibchen bis zu 7,5 Zentimeter groß werden können, mittlerweile überall zu finden, erklärte Dr. Michal Waitzmann von der LUBW, bei anderen Einzelfunden in Baden-Württemberg wolle man nun mit Hilfe der Internet-Plattform herausfinden, ob sich dort auch langfristig Populationen entwickeln.

Profiteurin des Klimawandels

Die Gottesanbeterin ist eines der wenigen Insekten, das vom Klimawandel profitiert – je wärmer und trockener die Wiesen werden, desto besser für die „Mantis Religiosa“ – so der wissenschaftliche Name des Tieres. Je mehr andere Insektenarten aussterben, desto geringer allerdings natürlich auch die Chancen für die Gottesanbeterin, die wiederum andere Insekten, kleine Eidechsen oder Spitzmäuse frisst.
Aber genau um darüber gesicherte Informationen zu gewinnen, müsse das Meldeportal im Internet dauerhaft funktionieren und genutzt werden, erklärte Staatssekretär Dr. Andre Baumann, der betonte: „Wir geben in dieser Legislaturperiode 90 Millionen Euro für den Umweltschutz im Land aus. Da ist es für uns wichtig, zu wissen, wo wir mit Projekten ansetzen müssen. Schließlich wollen gezielte Maßnahmen, gerade um das Insektensterben und das dramatische Artensterben allgemein zu stoppen. Dafür brauchen wir ebenso wie unsere hauptamtlichen Mitarbeiter, die Bürger, die uns mit Meldungen auf der Plattform wichtige Hinweise zur Entwicklung der biologischen Vielfalt im Land liefern können.“
Im Rahmen eines kleinen Spaziergangs am Michaelsberg wurden zwei Gottesanbeterinnen, die dort gefunden wurden, wieder in die Natur entlassen. Eine grüne und eine braune – außer der Farbe gibt es zwischen denen keine Unterschiede, erklärte Dr. Waitzmann. Die grüne komme aber in der Region etwas häufiger vor.

Männermordender Mythos

Eine Gottesanbeterin lebt nur einen Sommer lang, bis sie ihre Eier in einer so genannten Oothek ablegt. Nur die kommen durch den Winter, schlüpfen im Frühling und pflanzen sich im Sommer fort – derzeit lohnt es sich also die Augen nach den hübschen Insekten offen zu halten. Dass die Weibchen ihre Gatten nach dem Geschlechtsakt auffressen, sei im Übrigen ein Mythos, wie der Experte erklärt. Das komme nur manchmal vor, wenn sich eines der kleineren Männchen allzu lange auf dem Rücken des Weibchens festkrallt.

Wer eines der auf der Plattform gesuchten Tiere bemerkt, macht ein Foto davon – bitte nicht einfangen, lädt es hoch und füllt das Meldeformular aus oder lädt sich gleich die „Meine Umwelt“-App des Landes Baden-Württemberg aufs Smartphone. 767 Sichtungen der Gottesanbeterin wurden in Baden-Württemberg bereits dokumentiert, bei allen fünf Tierarten insgesamt waren es weit über 3.000.

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