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Böhler Grundschüler erkunden den Niederwiesenweiher

Die Grundschulkinder machen eine Naturexkursion mit Lehrer und Guide
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Böhl-Iggelheim. Am 12. Mai hatten die Grundschüler*innen der Johannes-Fink-Grundschule mit ihrem Lehrer Frank Lowinsky etwas ganz Besonderes vor, nämlich einen Ausflug in die Natur an den beliebten Niederwiesenweiher, der in den 70er Jahren angelegt worden war. Um 9.00 Uhr standen 15 aufgeregte Kinder (drei fielen krankheitsbedingt aus) zum Abmarsch bereit, flankiert von ihrem Lehrer und dem naturverbundenen Kurt Przybylowicz (BUND) als fachkundige Begleitung. Die Kinder waren zwischen 6-7 Jahre alt und besuchen die 1b der Grundschule. Und da der Scout an diesem Tag nicht nur seinen Geburtstag, sondern auch seinen Hochzeitstag feierte gab es zu Beginn gleich mal vom Kinderchor ein „Happy Birthday“-Ständchen. Aber zum Feiern war ja noch der Abend da, denn an diesem Vormittag galt seine ganze Aufmerksamkeit den Kindern, denen er etwas über die Natur, den Lauten der Vögel und alles was da kreucht und fleucht näherbringen wollte. So sollten die Kinder möglich still sein, damit man auch das Vogelgezwitscher hören konnte.

Nach nur ein paar Metern hörte man bereits die Nachtigall, die auch in der Nacht singt. Wissenswert war, dass das Nachtigallmännchen normalerweise bis Mai singt, nur die „Singlevögel“, die bei der Paarung leer ausgegangen sind, singen dann noch länger ins Jahr hinein. Auf der Liegewiese des Badeweihers sind auch ein paar Mülleimer verteilt und zerpflückt. Auch hierfür hatte Kurt Przybylowicz eine Erklärung. Da die Tiere hierdrin natürlich Fressen vermuten, picken sie die Beutel auf und zerfleddern sie und der Fuchs tut sein Übriges dazu. Während der Ausführungen flog eine Ringeltaube über die Gruppe mehrmals hinweg, denn sie baut gerade ein Nest und braucht Material, das sie in abgeknickten trockenen Ästen findet. Der Beginn des Nestes ist bereits zu sehen und die Lage hervorragend mit Blick auf den See. Er erklärte, dass es hier viele Grau- und Nilgänse gebe. Die 1/3 größere Frau ist nur für die Brut zuständig und der kleinere, aber hübschere Mann kümmert sich um das Futter. Stark bedroht sind die Feldlerche und das Feldhuhn, der Kiebitz, Rauch- und Mehlschwalben.

Die Kinder waren durchweg gut ausgerüstet und hatten Lupen und Ferngläser dabei und hoben diese eifrig, um selbst Vögel zu entdecken. Auf einer Stange saß ganz entspannt ein wunderschöner Distelfink, „mit dem es Gott gut gemeint hat als er ihn schuf, denn auf ihn hatte er alle Farben, die er noch übrig hatte, verteilt“ sagt ein Sprichwort. Hinter dem Niederwiesenweiher gibt es einen kleinen Überlauf, in dem Wasser in ein Bächlein fließt. Die Kinder entdeckten kleine Fische darin. Am Rande des Weihers sichteten sie einen Flusskrebs. Weiter ging es des Weges zum Schilfrohr; hier baut der Schilfrohrsänger sein Nest in Form eines Körbchens, das zwischen den Rohrhalmen sitzt. Die Kinder fragten wissbegierig, was denn da so in Spinnenweben eingefangen sei. Das sind die Gespinnstmotten, also eine Raupenansammlung, die alles wegfrisst und einhüllt, was dann hinterher unschön aussieht. Auch ein Pfaffenhütchen war darunter, das normalerweise giftig ist, den Raupen jedoch nichts ausmacht.

Das Blesshuhn baut sein Nest im Wasser. Wenn die Küken schlüpfen sind sie schwarz und rot und können sofort losschwimmen. Am Schilf sind einige Stängel abgebrochen, das macht aber nichts, denn in diesem Hohlraum finden auch Bienen ihr Zuhause. Der Holunderbusch hat seine ersten Blüten, aus denen dann zuerst rote und dann schwarze Beeren werden. Als Kurt Przybylowicz sein Spektiv aufbaute, konnten die Kinder Kormorane entdecken.

Zwei Frauen mit ihren vier angeleinten Hunden, unter ihnen ein tschechoslowakischer Wolfshund, trafen auf unsere Gruppe. Klar, dass die Kinder diesen und die Border Collies streicheln wollten und wir mehrere Minuten nicht weiterkamen. Auf der Landzunge sollte dann an Tisch und Bänken das mitgebrachte Frühstück verzehrt werden können. Aber vorher bestaunten sie noch den brütenden Haubentaucher, der auf dem Nest im Wasser saß und sich selbst von den lauten Kindern nicht stören ließ. Auf dem „Frühstückstisch“ entdeckte ein Mädchen einen Schlüssel, den ich im Fundbüro abgeben werde, falls ihn jemand vermisst.

An einem Mülleimer entdeckten wir hinterlassenen Müll von der letzten Party hier. Grillschalen, die wohl nicht in den Eimer passten, haben die Menschen dann einfach daneben auf den Boden gelegt. Wir haben es dann trotzdem geschafft, wenigstens die Hälfte hineinzupressen. So lernen schon die Kleinen, dass der Müll nur an einen Platz darf, nämlich in den Mülleimer und sonst nirgendwo anders. Dies ist ein Landschaftsschutzgebiet und Grillen ohne Erlaubnis eh nicht gestattet.

Und während wir auf dem Rastplätzchen weilten, entdeckten wir im Niederwiesenweiher noch eine seltene Spezies, einen einsamen Schwimmer, der sich ins noch eiskalte Wasser wagte. Herr Lowinsky erzählte, dass er eine gemischte Ganztagsschulklasse unterrichte; in der Gruppe heute waren fünf Ganztagskinder und die anderen 10 Halbtagskinder. Diese Naturwanderung findet normalerweise ein bis zweimal im Jahr statt, aber durch Corona war dies die erste Möglichkeit, um wieder unterwegs zu sein. Das Fach läuft unter „Sachunterricht“. Witzig war, dass die Kinder wegen seines schwer auszusprechenden Nachnamens einfach „Herr Kurt“ zu ihm sagten. Dieser hatte wieder sein Spektiv aufgebaut, das die Kinder sehr interessant fanden und jeder einmal durchschauen wollte, was man denn da so alles sieht. Auch wenn der Andrang groß war hat es das Spektiv überlebt.

Nach dem Picknick ging es weiter an einer Benjeshecke vorbei, einer künstlich geschaffenen Hecke aus Gehölz, das die Vögel zum Nestbau brauchen. Durch auf den Boden gelangten Vogelkot wachsen erneut Pflanzen. Auch Totholz schafft Lebensraum!
Der kleine Henry fand mitten auf dem Weg einen Maikäfer und war mächtig stolz auf seine Entdeckung. Als ich ihn dafür lobte wetteiferten die Kinder mit jedem einzelnen Fund. So kam Julian auf mich zugerannt und sagte, er habe eine Fliege entdeckt, die Saltos schlagen kann. Ich bestaunte diese Fliege, die just in diesem Moment keinen Salto schlug, aber wie ein Frosch hüpfte. Eine Bachstelze saß auf der Beregnungsanlage und flog erst weg als das Wasser plötzlich kam. Über uns am Himmel zog ein Bussard seine Bahnen.

Am Waldrand angekommen erklärte uns unser Guide, dass es im Wald andere Gesänge gebe. So habe das kleine Rotkehlchen einen wunderbaren Gesang. An einem Nistkasten wurde erklärt, dass er sie früher betreut hat, heute nicht mehr. Es könne aber durchaus sein, dass da auch Fledermäuse ihr Zuhause hätten. „Finger über den Mund, leise sein“, Kurt hört eine Dorngrasmücke. Wir kamen an einen See, der heute keiner mehr ist, dem Ungeheuersee, mitten im Wald und mittlerweile total zugewachsen mit Büschen und Bäumen. Der Waldläufer-Singvogel saß ziemlich hoch oben im Baum. An einem Birkenstamm wuchsen viele Pilze, das entweder Schwammpilze oder Zunderpilze waren. Dadurch, dass man nicht an sie dran kam zum Anfassen konnte man es nicht genau sagen.
Auf dem Rückweg erzählte mir der lebhafte Julian, dass er später einmal Tierforscher werden will, denn er liebe alle Tiere und töte sie nicht. Er ist ein ganz aufgewecktes Kerlchen und wollte mir auch noch unbedingt den toten Fisch im Wasser zeigen, ein Spiegelkarpfen, wie Kurt Przybylowicz erklärte. Mittlerweile war es 12.00 Uhr und nach einem Eis am Stiel, das der Lehrer für alle spendierte, wurden die Kinder nach und nach wieder abgeholt. Was für ein toller Vormittag, den auch ich in der Natur genoss!!!

Falls Sie Fragen zu bestimmten Vögeln haben oder ein aus dem Nest gefallenes Küken finden nehmen Sie gerne Kontakt zu Kurt Przybylowicz auf: 0157/86184241

Autor:

Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim

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