BriMel unterwegs
Brauchle-Vernissage in historischem Ambiente
- Bildhauer Peter Brauchle
- Foto: Johann-Peter Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Frankenstein. Am 1. Mai fand in der noblen Villa Denis in Frankenstein eine ebenso noble Vernissage mit Skulpturen des Lustadter Bildhauers Peter Brauchle statt. Und wer es an diesem sonnigen Feiertag um 14 Uhr nicht geschafft hat, kann die Ausstellung noch bis 31. Mai in der Villa Denis und Parkanlage (Stiftungshaus der RPTU Kaiserslautern, Diemerstein 9) anvisieren, es lohnt sich in diesen idyllischen abgelegenen Zipfel zwischen Bad Dürkheim und Kaiserslautern, Nähe Isenachweiher, zu fahren. Geöffnet von freitags bis sonntags ab 14 Uhr oder nach Vereinbarung unter 01525/5617407. Und wer am 9. Mai kommt, kann auch die darüber liegende Burg Diemerstein besuchen, die dann im Rahmen der Uni-Villa- Wanderung geöffnet hat.
Die Begrüßung und Information über das Gebäude übernahm Dominik Konter. Er und Peter Brauchle sind in die gleiche Grundschule gegangen und hatten die gleichen Lehrer. Und wie es der Zufall so will, stieß er im Internet auf diesen Ausnahmekünstler und kontaktierte ihn zwecks Ausstellung. Dominik Konter erzählte locker flockig, dass er eigentlich dachte, man müsse Künstler unterstützen nun fragte er sich, wer hier wen unterstützt. Schließlich liegt die Villa nicht gerade im Stadtgebiet. Er wollte von Peter Brauchle wissen, was ihn zur Kunst gebracht hat. Hände seien schon immer wichtig für ihn gewesen, aber im Kunstunterricht hat er mehr gemalt. „Kunst am Bau“ hat ihn als Kind schon interessiert. Sein Vater war eigentlich Polizist, aber in seiner Freizeit hatte er damals alte Meister kopiert, was ihn ein bisschen geerdet hat. Seine Oma hatte Kunst studiert. Es liegt also ein großer Teil seines Kunstinteresses in der Familie verankert. Er findet es wichtig, dass man Kunst an Kinder heranbringt und hat auch schon mit Grundschülern Projekte gemacht. Im Körper muss sich ein Bewusstsein dafür entwickeln und man sein Wissen weitergeben kann. Er hat mit den Franziskaner-Brüdern ein Projekt zur Nächstenliebe gehabt. „Etwas tun, was Dir Freude bereitet und gib es weiter an andere.“ Es sei wie ein Stein, den man ins Wasser wirft und Kreise zieht. Er lobte die Villa Denis als Kraftort und Ruheort für die Balance, da sie völlig abgeschieden liegt. Anschließend ging er noch auf die verschiedenen Materialien ein, die alle ihre Eigenheiten haben. Er hat einen Fetisch für Oberflächen entwickelt, Konturen und Silhouetten sind für ihn wichtig. Das Hohlkreuz steht für Lebenskraft. Er möchte noch mehr seiner Figuren und darstellenden Formen reduzieren; diese Themen interessieren ihn. „Das Ding hat Kraft!“ Darauf kommt es an genau wie beim Christo mit seinen Verhüllungsprojekten, Hauptsache die Eckpunkte sind da, nur dass man ein Lebensgleichgewicht hat. Die Skulptur „Emotion, die am Eingang der Villa steht, hatte ihren ersten Ausstellungsort bei „Kunst am Strand“ auf Sylt. Die Figur kam hier hervorragend zur Geltung, da nichts ablenkte außer Strand und Meer.
Anschließend konnte man sich bei einem Künstlergespräch austauschen, wobei er bereitwillig über seine ausgesprochen eigenwilligen Skulpturen Auskunft gab, wie etwa bei der großen Skulptur, die komplett schwarz lackiert wurde bis auf die metallbelassenen Ränder. Seine Figuren sind „alle bissel drüwwer“, womit er die extrem nach hinten durchgebeugten Körper meint. Sie sind somit wie geschaffen für den Raum, in dem früher der Deutsche Turnerbund sein Domizil hatte. Insgesamt konnte man 15 unterschiedlich große Skulpturen in Augenschein nehmen, die vorgestern aufgebaut wurden. Dominik Konter hat Bildhauer Peter Brauchle eingeladen, einmal in diese geschichtsträchtigen Säle zu kommen, woran sich das Cafe Paul anschließt. Beschreibung des Hauses siehe Textende.
Der Künstler Peter Brauchle hatte in der beiden eleganten Sälen (Rittersaal und Gesellschaftszimmer), im Gartenbereich und im Obergeschoß folgende Skulpturen ausgestellt: Penelope (Aluminium), Kopf (Aluminium/Stahl), In Sich (Kunststoff/Stahl/Holz), Vogelfrei (Aluminium/Edelstahl), Im Wind (Linde), dreimal Reflexion (Bronze), Gegenläufig (Bronze/Stahl), Black (Kunststoff) und Sus (Aluminium). Anschließen durften sich alle noch ins „Goldene Buch“ der Villa eintragen, in dem sich schon so viele Prominente verewigt hatten, Es war eine lockere Atmosphäre über den Nachmittag mit vielen Gesprächen und einer Ruhe, wie man sie am heutigen Feiertag bei Sonnenschein im Pfälzer Wald wohl kaum woanders finden konnte.
Hinweise zu kommenden Ausstellungen: Die nächste große Ausstellung „Zwischen“ findet vom 25. Oktober bis 15. November in der Ludwigskapelle in Wachenheim statt, wobei die ganze Kapelle von Skulpturen des Künstlers ausgestattet sein wird.
Geplant ist eine Teilnahme am Skulpturenpfad in der Mühlbachpromenade, Ort für Neue Skulptur Darmstadt, die er noch vor der Villa Denis mit der Kuratorin Frau Prof. Dr. Astrid Gräfin von Luxburg besprach.
Homepage Villa Denis (https://www.villa-denis.de/ueber-uns): Die Villa Denis in Frankenstein-Diemerstein ist ein historisches Juwel im Diemersteiner Tal, erbaut zwischen 1845 und 1852 vom Eisenbahnpionier, Ingenieur und Politiker Paul Camille von Denis (1795-1872) als Landsitz. Das denkmalgeschützte Gebäude im bayerischen Klassizismus, oft als Schlösschen bezeichnet, diente als Ruhe- und Rückzugsort unter der Burgruine Diemerstein. Paul Camille von Denis erhielt von König Ludwig I. die Erlaubnis, das Grundstück zu erwerben, auf dem die heutige Villa sowie die Burg Diemerstein stehen. Von 1848 bis 1852 ließ er die Villa errichten und bewohnte sie mit seiner Frau. 1854 verkaufte er das Anwesen an die Familie Ladenburg, eine einflussreiche Bankiersfamilie aus Mannheim, die entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beitrug und Mitbegründer der BASF AG waren. Im Jahr 1861 wurde in der Villa Denis im „Rittersaal“ der „Pfälzische Turnerbund“ gegründet. Die Burg Diemerstein war u.a. Zufluchtsort für den Reformator Ulrich von Hutten, dessen Leitsatz „Die Luft der Freiheit weht“ das Siegel der Stanford University ziert. Von Hutten unterstützte Martin Luther ab 1520 im Kampf gegen das Papsttum. Ende 2007 erwarb die Stiftung für die RPTU die Villa Denis mit Unterstützung von zwölf Stiftern. Seitdem steht das Anwesen der Universität, den Forschungseinrichtungen und dem Kreis der Stifter als Tagungszentrum zur Verfügung. Das Haus bietet einen Ort für interdisziplinären Austausch in Ruhe und Abgeschiedenheit und hat sich als Tagungs- und Kulturzentrum etabliert. (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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