Stachelige Gäste auf Zeit - Hilfe für untergewichtige und kranke Igel
- Marianne Baier mit einem ihrer 15 Igel.
- Foto: Hannelore Schäfer
- hochgeladen von Charlotte Basaric-Steinhübl
Edingen. Tiere verbringen den Winter auf ganz unterschiedliche Weise. Igel sind oftmals noch im November unterwegs, um sich Winterspeck anzufressen, mitunter erfolglos. Reichen die Fettreserven nicht aus, verhungert das Stacheltier während des Winterschlafs und wacht nicht mehr auf. Neben Igelstationen gibt es auch Privatinitiativen, die den Stacheltieren ein Zuhause auf Zeit ermöglichen. Zu diesen Tierfreunden zählt die Edingerin Marianne Baier, die den stachligen Gesellen eine Rundum-Versorgung gewährt.
Während die einen für sich selbst sorgen, kommen andere ohne menschliche Hilfe mitunter nicht über die Runden. „In diesem Jahr ist es ganz schlimm, ich habe 15 Igel zu versorgen“, erzählt Marianne Baier. Einige von ihnen sind ihr im Spätherbst gewissermaßen über den Weg gelaufen, andere wurden ihr gebracht. Darunter waren welche, die kaum mehr als 200 Gramm gewogen haben. 600 bis 700 Gramm sollten die Stacheltiere aber schon auf die Waage bringen, damit sie gut über den Winter kommen. „Meine Kapazität ist jetzt total erschöpft, mehr Unterbringungsmöglichkeiten habe ich nicht“, gesteht die fürsorgliche Igel-„Mama“.
Mit ihrer „Mission Igel“ als reiner Privatinitiative begann sie vor vier Jahren. Damals war ihr ein untergewichtiges Stacheltierchen begegnet. „Eigentlich wollte ich den Findling abgeben, aber die Pflegestationen waren alle überfüllt, daraufhin habe ich das Ganze selbst in die Hand genommen“, erzählt die Edingerin und ergänzte: „Man muss sich aber schon fachlichen Rat einholen, damit man die stachligen Gesellen gut über den Winter bringt.“ Zumeist haben die Tiere Parasiten und müssen entsprechend behandelt werden, um ihre äußeren und inneren Mitbewohner los zu werden. „Am besten geht man mit dem Igel zu einem Tierarzt, der sich mit Wildtieren auskennt und gibt dort Kotproben ab“, rät die Igel-Freundin. Bei Problemen wendet sie sich zudem an die Igelhilfe Neidenstein.
In Baiers „Igel-Zimmer“ hustet eines der Stacheltiere derweil vernehmlich. „Ja, das kommt von den Lungenhaarwürmen, dagegen muss man vorgehen und nachher muss es auch noch inhalieren.“
Neben der medizinischen Versorgung der Igel hat Marianne Baier auch sonst eine Menge zu tun. Jeden Morgen müssen Box, Futternapf und Wasserschale gereinigt werden. Vorzugsweise füttert sie Katzennassfutter mit Huhn ohne Soße und Gelee. Da Igel Einzelgänger sind, hat jedes Stacheltier sein eigenes Reich. „Ich stehe werktags um fünf Uhr auf, damit ich rechtzeitig zur Arbeit komme, sonntags gönne ich mir den Luxus und schlafe eine Stunde länger“, verrät sie schmunzelnd. Namen gibt sie ihren Saisongästen keine. „Sie sollen ja wieder in die Natur zurückkehren und ein freies Leben führen, da machen Rufnamen keine Sinn“, betont sie und findet die Nachtwandler einfach nur „goldig“. Im Frühjahr, wenn das Thermometer konstante 15 bis 18 Grad Wärme anzeigt, ist es an der Zeit, den Tieren Adieu zu sagen und sie auszuwildern.
Erstmals steht der Igel übrigens auf der roten Liste und gilt als potenziell gefährdet. „Jeder kann einen Beitrag leisten, um den Igel und die Vielfalt der Arten in unseren heimischen Gärten zu schützen“, ist Marianne Baier überzeugt. Viele der Stacheltiere würden beispielsweise überfahren werden, weil sie auf der Futtersuche weite Wege zurücklegen müssten. Dagegen helfe es, im hinteren Gartenbereich eine Öffnung im Zaun zu schaffen, damit die Igel ohne Gefahr ungehindert durch die Gärten wandern können. In einem igelfreundlichen Garten sollten Pestizide und Schneckenkorn zudem tabu sein.
Und bei einem Thema stellen sich Marianne Baier im übertragenen Sinne die Stacheln. Mähroboten sind oftmals des Igels Tod und sie verletzen die Tiere schwer. „Vor allem nachts sollte der Mähroboter nicht in Betrieb sein, gerade dann gehen die nachtaktiven Gesellen auf Futtersuche und es kommt zu Begegnungen, die verstümmeln und mit viel Leid für Igel verbunden sind“, weiß die Igel-Freundin. ha
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |
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